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Château Phélan Ségur
Das Weingut in Saint-Estèphe im Überblick
- Erwerb der Kernparzellen: 1805 (Clos de Garramey) und 1810 (Ségur de Cabanac)
- Region: Bordeaux, Médoc, Appellation Saint-Estèphe
- Eigentümer: Philippe Van de Vyvere, zuvor über dreißig Jahre Familie Gardinier
- Rebfläche: 70 Hektar in vier größeren Sektionen
- Rebsorten: 58 % Cabernet Sauvignon, 39 % Merlot, 1,5 % Cabernet Franc, 1,5 % Petit Verdot
- Böden: kieshaltige Lehmböden, humusreiche Kiese in Fontpetite, Kies-Lehm in Chanchot
- Weine: Château Phélan Ségur, Frank Phélan, La Croix Bonis
- Schlüsselpersonen: Stéphane Rougé (Weinberg), Fabrice Bacquey (Keller), Michel Rolland (Beratung)
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Hawesko-Expertenstimme zu Château Phélan Ségur
Phélan Ségur verbindet die Kraft von Saint-Estèphe mit betonter Feinheit. Empfehlenswert für Liebhaber klassischer Médoc-Cabernets, die reife Frucht, präzise Struktur und ein Reifepotenzial über mehrere Jahrzehnte suchen.
Irische Wurzeln: die Geschichte von Château Phélan Ségur
Die Geschichte des Gutes beginnt mit Bernard O'Phelan (1770–1841), einem jungen Weinhändler aus Tipperary, der Irland Ende des 18. Jahrhunderts verließ und sich in Bordeaux niederließ, damals ein bedeutender Handelsplatz im Austausch mit den Britischen Inseln.
Aus den engen Beziehungen der Händlerfamilien erwuchsen Allianzen und Ehen, und mit der Heirat einer Tochter des renommierten Négociants Daniel Guestier erhielt Phélan Zugang zu jener Erfahrung, die eigene Weinerzeugung möglich machte: 1805 erwarb er den in Saint-Estèphe gelegenen Clos de Garramey, 1810 das Gut Ségur de Cabanac.
Nach seinem Tod 1841 übernahm sein Sohn Frank Phélan (1820–1883) das damals als Château Ségur de Garramey geführte Anwesen und widmete sein Leben dem Ruf der Weine; dreißig Jahre lang war er zudem Bürgermeister von Saint-Estèphe und bewegte sich in der irischen Gemeinschaft von Bordeaux, zu der auch die Familien Johnston, Barton, Clarke und Lynch zählten.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erhielt das Gut den Namen Château Phélan Ségur. Nach mehr als dreißig Jahren an der Spitze des Hauses gab die Familie Gardinier die Verantwortung an Philippe Van de Vyvere weiter, der schon durch seinen Großvater, einen Sammler von Bordeaux-Weinen, an die Region herangeführt wurde.
Arbeitsweise im Weinberg: Bodenpflege, Prophylaxe und Präzision
Die Handschrift im Weinberg trägt Stéphane Rougé. Er untersucht die Untergründe, wählt Rebsorten und Unterlagen entsprechend aus und experimentiert mit Expositionen. Die Parzellen werden gepflügt, wodurch der Einsatz von Herbiziden praktisch entfällt; andere Flächen sind begrünt, was Auswaschung verringert und die Wuchskraft besser kontrollierbar macht, während die Düngung in der Regel organisch erfolgt und die Artenvielfalt erhalten bleibt.
Vorbeugende Maßnahmen reduzieren den Bedarf an Pflanzenschutzmitteln: Der Rebschnitt vermeidet gedrängte Trauben, die Laubwanderziehung ist auf eine optimale Blattfläche abgestimmt, die Entblätterung wird kontrolliert gesteuert. Meteorologische Daten, Krankheits- und Schädlingsmodelle sowie die Beobachtung der Wuchskraft jeder Parzelle haben die Betriebsmittel deutlich gesenkt; seit den 1990er Jahren kommt biotechnische Schädlingsregulierung über Verwirrungstechnik zum Einsatz, die Insektizide ersetzt und Nutzinsekten schützt.
Der Wasserverbrauch wird streng gesteuert, die Abwässer des Weinguts werden aufbereitet. Der Rebschnitt von November bis März gilt als entscheidende Etappe, bei der erfahrene Mitarbeiter ihr Wissen an die jüngere Generation weitergeben; zur Lese arbeiten rund einhundert Helfer etwa zwölf Tage von Hand.
Lage und Terroir: Kies-Lehm auf den Kuppen von Saint-Estèphe
Der Weinberg erstreckt sich über 70 Hektar Kies-Lehm-Böden auf den Hügelkuppen und Plateaus von Saint-Estèphe und gliedert sich in vier größere Sektionen, deren Parzellen unter anderem an jene der Châteaux Montrose und Calon Ségur grenzen.
Das Terroir beruht auf einer mächtigen Kiesschicht, die der Fluss vor einigen hunderttausend Jahren ablagerte; Gerölle und vor allem die von tonigen Sanden umschlossenen Kiese formen die wellige Landschaft eines großen Teils der Appellation. Innerhalb des Gutes lassen sich humusreiche Kiese in Fontpetite auf den Kuppen, Kies-Lehm in Chanchot und sandige Kiese in der Hangmitte von Fontpetite unterscheiden.
Das milde, gemäßigt maritime Klima des Médoc sorgt für einen ausreichend markanten Jahresrhythmus und dämpft gleichzeitig klimatische Extreme, wobei die Nähe zur Gironde die Reben vor harten Wintern und sehr heißen Sommern schützt.
Das im palladianischen Stil errichtete Château selbst erhebt sich auf einer Anhöhe mit Blick auf das Estuar, inmitten eines Parks, dessen Wiesen bis zum kleinen Hafen von Saint-Estèphe reichen; Gärkeller und Fasskeller wurden bewusst in das Gebäude integriert, eine damals seltene Bauweise im sogenannten Médoc-Stil.
Die Weine von Château Phélan Ségur: Grand Vin, Frank Phélan und La Croix Bonis
Der Grand Vin Château Phélan Ségur stammt aus jenem Terroir von Saint-Estèphe, in dem Kraft dominiert, hat seine Identität jedoch auf Eleganz und Feinheit gegründet: Zurückhaltung und Präzision lassen Reinheit der Frucht, Genauigkeit der Struktur und seidige Tannine bei natürlicher Frische hervortreten, während sich das Holz nach längerer Reife harmonisch einfügt.
Rückgrat bleibt der Cabernet Sauvignon, dem Merlot Rundung und Geschmeidigkeit beisteuert, Cabernet Franc Finesse und florale Noten, während der 2015 eingeführte Petit Verdot auf den lehmbetonten, schwereren Böden Würze ergänzt. Die Trauben werden handgelesen, in kleinen Kisten zu Sortiertischen gebracht und seit 2011 optisch endsortiert; die Gärung über etwa zehn Tage und die anschließende, rund zwanzigtägige Maischestandzeit erfolgen parzellenbezogen in 39 Tanks, die seit 2010 um acht Behälter mit 45 Hektolitern ergänzt wurden.
Nach der malolaktischen Gärung im Fass beginnt die Assemblage, bei der auch der beratende Önologe Michel Rolland mitwirkt und über die Zuordnung der Partien zum Grand Vin, zum Zweitwein Frank Phélan oder zu La Croix Bonis entschieden wird. Der Ausbau dauert etwa zwölf weitere Monate, der Anteil neuer Fässer übersteigt nie 50 Prozent, fünf dem Haus langjährig verbundene Küfereien liefern die Barriques, und das aufwendige Abziehen von Fass zu Fass wird weiterhin von Hand ausgeführt.