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Weingut Bischel

Das Weingut Bischel im nördlichen Rheinhessen wird von der Familie Runkel in dritter Generation geführt. Auf 23,5 bis 25 Hektar wachsen vor allem Riesling und Burgundersorten auf Kalkstein, Quarzit und Porphyr. Seit 2019 gehört Bischel dem VDP an. Im Fokus stehen herkunftsgeprägte Weine aus Lagen wie Hundertgulden, Scharlachberg und Heerkretz.

 

Weingut Bischel

Das Weingut in Appenheim im Überblick

  • Region: Rheinhessen, nördlicher Teil
  • Inhaber: Familie Runkel
  • Kellermeister: Christian und Matthias Runkel
  • Generation: 3. Generation
  • VDP-Mitglied seit 2019
  • Rebfläche: 23,5 bis 25 Hektar
  • Rebsorten: Riesling, Burgunder, Silvaner und weitere Sorten
  • Geologie: Kalkstein, Tonmergel, Lösslehm, Quarzit, Porphyr
  • Zertifizierungen: EU-Bio, Fair Choice
  • Wichtige Lagen: Hundertgulden, Scharlachberg, Heerkretz


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Hawesko-Expertenmeinung zum VDP-Weingut in Rheinhessen

Bischel verbindet Kalkstein, Quarzit und Porphyr mit ökologischer Präzision zu herkunftsstarken Rieslingen und Burgundern. Empfehlenswert für Liebhaber klarer, langlebiger Weine mit Spannung und unverstelltem Terroir.


Familie Runkel und der Weg in den VDP

Das Weingut wird heute von der Familie Runkel in dritter Generation geführt und hat in vergleichsweise kurzer Zeit ein klares Qualitätsprofil entwickelt. Vor wenigen Jahren begann der Betrieb, die Weinqualität konsequent neu auszurichten, wobei der wichtigste Schritt laut eigener Philosophie lautete: mehr Weinberg, weniger Keller. Ökologische Bewirtschaftung, niedrige Erträge und perfekte Trauben wurden zur Grundlage dieser Entwicklung.

Christian und Matthias Runkel prägen als Kellermeister die heutige Stilistik und verstehen ihre Arbeit als Zusammenspiel von Naturbeobachtung und bewusst zurückhaltendem Ausbau. Ein zentraler Meilenstein war die Aufnahme in den Verband Deutscher Prädikatsweingüter zum 1. Januar 2019. Damit wurde Bischel Teil einer Vereinigung, die für strenge Qualitätsmaßstäbe, terroirgeprägten Weinbau und handwerkliche Weinbereitung steht.


Mehr Weinberg, weniger Keller

Die Philosophie der Familie Runkel lässt sich auf einen präzisen Gedanken verdichten: Herkunft macht den Unterschied. Die Weine sollen unverfälscht zeigen, was Natur, Boden, Lage und Jahrgang innerhalb eines Jahres hervorbringen. Deshalb stehen naturnaher Anbau und hochwertige Arbeit im Weinberg an erster Stelle. Matthias Runkel beschreibt die Ernte von bestem Lesegut und Zurückhaltung im Keller als Grundlage der Weine.

 Es geht nicht um ein starres Stilmodell, sondern um spannende, eigenständige und herkunftsgeprägte Weine, bei denen besonders Riesling und Burgunder Finesse und Langlebigkeit zeigen. Die Kollektion folgt der VDP-Logik von Gutswein über Ortswein und Erste Lage bis zur Grossen Lage. Der Satz „Wenn unser Wein Musik wäre, wäre sie unplugged“ passt zu dieser Haltung: Die Weine sollen klar, direkt und ohne überflüssige Inszenierung klingen.


Bischels Arbeit mit lebendigen Weinbergen

Die Weinberge werden ökologisch bewirtschaftet, der Betrieb verfügt über eine EU-Bio-Zertifizierung und eine Fair-Choice-Zertifizierung. Der Fokus liegt auf gesunden Böden, vitalen Reben und niedrigen Erträgen, damit die Unterschiede der einzelnen Parzellen deutlicher sichtbar werden. Diese Arbeitsweise ist besonders wichtig, weil Bischel in sehr unterschiedlichen geologischen Formationen arbeitet: tertiärer Kalkstein, alter Quarzit und vulkanischer Porphyr verlangen jeweils eine eigene Aufmerksamkeit im Weinberg.

Die Runkels verstehen den Weinberg als entscheidenden Ort der Qualität und den Keller als Raum, in dem diese Qualität bewahrt wird. Deshalb wird der Ausbau bewusst zurückhaltend interpretiert. Das Ziel sind Weine, die nicht technisch geprägt wirken, sondern ihre natürliche Spannung, Reife und Herkunft zeigen.


Kalkstein, Quarzit und Porphyr

Das Weingut Bischel in Appenheim liegt dort, wo die steilen Ausläufer des rheinhessischen Hügellandes zur Rheinebene hin abfallen. An den Abbruchkanten treten uralte Bodenformationen zutage, die den besten Lagen ihren Charakter geben. Kalkstein, Tonmergel, Lösslehm, Quarzit und Porphyr bilden ein bemerkenswert vielfältiges geologisches Fundament.

Besonders der Appenheimer Hundertgulden steht für wasserführende Kalksteinschichten aus Terra fusca, die aus Korallenbänken eines tertiären Urmeeres entstanden sind . Der Binger Scharlachberg dagegen ist ein fast solitärer Quarzitfels mit eisenoxidhaltigem, rötlichem Urgesteinsboden. Die Siefersheimer Heerkretz wiederum ist von vulkanischem Porphyr geprägt. Diese Unterschiede ermöglichen Rieslinge mit klar differenzierten Profilen: salzig und druckvoll vom Kalk, komplex und tief vom Quarzit, energiegeladen und finessenreich vom Porphyr.


Die Grossen Lagen: Hundertgulden, Scharlachberg und Heerkretz

Zu den wichtigsten Lagen des Weinguts zählen drei VDP.GROSSE LAGEN®: Hundertgulden, Scharlachberg und Heerkretz.


  • Der Appenheimer Hundertgulden wurde erstmals 1148 erwähnt und erhielt seinen heutigen Namen im 14. Jahrhundert, als für die besten Parzellen hohe Beträge in rheinischen Goldgulden gezahlt wurden. Die südwestlich bis südlich ausgerichteten Hänge liegen zwischen 160 und 235 Metern und liefern kalkgeprägte Rieslinge mit Druck und Salzigkeit.
  • Der Binger Scharlachberg, 1248 als „vocatur Scarlachen“ erwähnt, zählt seit Jahrhunderten zu den großen Rieslinglagen am Rhein und bringt auf rotem Quarzit alte, komplexe Weine hervor.
  • Die Heerkretz liegt an der westlichen Grenze Rheinhessens, steigt bis 280 Meter Höhe und ist von vulkanischem Porphyr durchsetzt. Gemeinsam mit dem Weingut Wagner-Stempel entstand hier eine Zusammenarbeit, um diese außergewöhnlichen Terroirs weiter auszuloten.


Riesling, Burgunder und die VDP-Herkunftspyramide

Die Weinkollektion von Bischel basiert auf dem Grundsatz: „Je enger die Herkunft, desto höher die Qualität.“ Entsprechend gliedert sich das Sortiment in VDP.Gutsweine, VDP.Ortsweine, Weine aus VDP.Ersten Lagen, VDP.Grosse Lage und Réserve-Weine.

Riesling spielt eine zentrale Rolle und macht je nach Angabe rund 35 bis 40 Prozent der Rebfläche aus. Burgundersorten nehmen mit etwa 45 bis 50 Prozent ebenfalls einen großen Anteil ein, ergänzt durch Silvaner und weitere Rebsorten.

Als Einstieg empfehlen Christian und Matthias Runkel den Riesling VDP.Gutswein, weil er die Idee des Hauses mit Charakter und Trinkfreude vermittelt. Weine aus den Grossen Lagen Scharlachberg, Hundertgulden und Heerkretz stehen für die Spitze des Sortiments und zeigen die geologische Vielfalt Rheinhessens in konzentrierter Form.