Schloss Johannisberg

Erstes Riesling-Weingut der Welt

Der Name Johannisberg galt lange als Synonym für den Riesling. Schließlich ist das Schloss auf dem Johannisberg das älteste Riesling-Weingut der Welt. Seit 1720 wird hier im Rheingau Riesling gekeltert, der vom trockenen Weißwein bis hin zu Spätlese und Eiswein reicht – und bis zum Schaumwein. Denn Schloss Johannisberg ist auch die Heimat der Sektmarke Fürst von Metternich. Der Johannisberger spiegelt mit seinen variantenreichen Säurenuancen und seinen verschiedenen Noten von Kräutern bis hin zu süßem gelben Obst nicht nur das Terroir mit warmen Sommern, späten Wintern und Taunusquarzit- sowie Lössböden wider: Er zeigt auch, welche Vielfalt in der Lieblingstraube der Deutschen steckt.

Schloss Johannisberg

Rheingau, Riesling und Gerd Ritter

Es gibt kaum ein Weingut, dass von der Prominenz aus Politik und Literatur so besungen wurde, wie das Weingut Johannisberg. Neben Johann Wolfgang von Goethe schrieb auch Heinrich Heine mit der ihm ganz eigenen Ironie über den Berg, auf dem das Weingut thront: „Mon Dieu, wenn ich doch so viel Glauben in mir hätte, dass ich Berge versetzen könnte, der Johannisberg wäre just derjenige Berg, den ich mir überall nachkommen ließe“. Auch der spätere US-Präsident Thomas Jefferson (1743-1826) empfahl dringend einen Abstecher ins Weingut im Rheingau: Der Johannisberger sei schlicht „der beste, der am Rhein hergestellt wird.“

Seinen Ruf als Bastion des deutschen Rieslings verdankt das hessische Weingut seiner exzellenten Lage im Rheingau gleich neben Rüdesheim sowie der jahrhundertelangen Tradition des Weinbaus, die auf Schloss Johannisberg gepflegt wird. Die Region ist mit dem milden Klima am Rhein und dem Taunusquarzit mit seiner Löss- und Lehmauflage das perfekte Terroir für den Riesling. Heute ist der Önologe und Kellermeister Gerd Ritter für den Charakter der Weißweine zuständig. Er scheint sich dem hohen Anspruch von Clemens Wenzel Lothar Fürst von Metternich verpflichtet zu fühlen, dem das Weingut nach 1816 gehörte. Dieser verstand unter dem Johannisberger Wein „ein erlesenes, sehr geschmackvolles, angenehmes Getränk. (…) Dieser gute Ruf soll streng beachtet und muss fest begründet werden." 

Johannisberger Riesling in allen Lack-Farben

Wer heute einen Wein vom Schloss Johannisberg öffnet, wird sich vermutlich fragen, was es mit den farbigen Kapseln auf sich hat, mit denen alle Qualitätsweine aus dieser Lage gekennzeichnet sind. Die Farben gehen auf die Zeiten Fürst von Metternichs zurück. Damals beschloss man, die verschiedenen Qualitätsstufen des Weines mit farbigen Siegellack auf dem Korken zu vermerken: Gelb stand für Qualitätswein, rot für Kabinett, grün für die Spätlese, silber für ein großes Gewächs, rosa für die Auslese, rosa-gold für die Beerenauslese, gold für die Trockenbeerenauslese und blau für den Eiswein. Inzwischen gibt es neben diesen Farben auch einen Bronzelack, der für einen Traditionswein steht. Der Wein, der sich hinter dem grünen Etikett versteckt, ist übrigens eine Erfindung des Weinguts. 1775 wurde auf dem Weingut die erste Spätlese gekeltert, nicht aus Absicht, sondern eher aus Zufall: Einer nicht historisch belegten Anekdote zufolge konnte wegen der Verspätung eines berittenen Boten aus Fulda erst mit der Lese begonnen werden, als die Trauben schon faul an den Reben hingen. Die Winzer ließen sich davon jedoch nicht abschrecken. Zum Glück, denn der Wein war exzellent. Seitdem macht man sich im Weinbau diese Edelfäulnis zu Nutze, um süße Dessertweine zu keltern. Das Standbild des „Spätlesereiters“ ist heute noch auf dem Weingut zu sehen. 

Johannisberg: Das Kapital des Schlossweinguts Johannisberg

Die geographische Lage, das besondere Mikroklima aufgrund der Lage am Rhein und die Besonderheit des Bodens mit seinem Taunusquarzit und den oberen Löss- und Lehmschichten machten die 35 Hektar am Johannisberg zur Wiege des Rieslings. Das Gut liegt exakt auf dem 50. Breitengrad, der gemeinhin als die nördliche Grenze des kommerziellen Weinbaus angesehen wird. Die 50 Kilometer, in denen hier der Rhein von Osten nach Westen fließt, der Rheingau, geben den zum Strom hin abfallenden Weinbergen die ideale südliche Ausrichtung zwischen 114 und 180 Metern über Null. Trotz seiner nördlichen Lage wachsen hier auch Mandeln, Zitronen und Feigen, deutliche und fruchtbare Zeichen für warme, lange Sommer.

1720 wurden auf den Hügeln 294.000 Riesling Weinstöcke gepflanzt. Der Erfolg stellte sich unmittelbar ein, so dass der damalige Kellermeister Odo Staab für den ganzen Rheingau verfügte, hier dürfe nur „Rüßling“ wachsen, wie man ihn damals nannte. Die Traube hatte ihr perfektes Terroir gefunden, für eine lange Zeit galt der Begriff des Johannisbergers als Synonym für den Riesling. Das Terroir und die Kunst der Kellermeister münden in einer uniquen Kombination aus prononcierter Säure und zarter Frucht. Dabei überrascht vor allem die Vielfalt der mineralischen Noten und der geschmacklichen Nuancen: von würzigen Kräutern und Zitrusfrüchten bis hin zu gelben, süßen Kernfrüchten. Vom trockenen Riesling bis zur Spätlese und Trockenbeerenauslese ist hier praktisch alles möglich. Und alle Weine spiegeln die Charakteristik des Terroirs in einzigartiger Weise wider. Dies gilt für den Wein und Dessertwein genauso wie für das Angebot verschiedener Schaumweine der Marke Fürst von Metternich, die als Sekt und Riesling-Sekt angebaut werden.

Die Kellermeister wissen, dass die Natur ihnen hier die besten Bedingungen geschaffen hat. Sie scheinen ihr das auch zurückgeben zu wollen. Das zeigt sich vor allem in der Nachhaltigkeit bei der Produktion und der Verarbeitung. Ein naturnaher Anbau und die schonende Verarbeitung der Trauben werden hier gleichermaßen kultiviert. Für die Lagerung im Holzfass greift der Kellermeister Gerd Ritter schon aus Tradition auf das Holz der Eichen zurück, die auf dem gleichen Terrain wachsen wie die Trauben.

Die Historie von Weingut Schoss Johannisberg

Die Geschichte des Weinguts Schloss Johannisberg reicht bis zu den Karolingern zurück. Im Jahr 817, unter der Regentschaft Ludwigs des Frommen, wurden die Weinberge in einer Urkunde erstmals erwähnt. Nach 1096 errichteten Benediktinermönche hier ein Kloster mit einer Basilika, die Johannes dem Täufer geweiht war. Damit war nicht nur der Name gefunden, die Mönche betrieben hier auch intensiven Weinbau. Nach den Wirren des ausgehenden Mittelalters und der Reformation waren die politischen Umbrüche im 18. Jhd. für das Weingut entscheidend. 1716 fiel die Abtei an den Fuldaer Fürstabt Konstantin von Buttlar. Er ließ am Ort des Klosters ein Schloss errichten und vier Jahre später den gemischten Rebenbewuchs durch einen reinen Riesling-Anbau ersetzen.

Die Historie von Schloss Johannisberg ging auch im 19. Jhd. bewegt weiter: Nach den napoleonischen Kriegen wurde das Weingut vom Habsburger Kaiserhaus dem Staatskanzler Clemens Wenzel Lothar Fürst von Metternich für seine politischen Verdienste auf dem Wiener Kongress geschenkt. Mit der Auflage, dass dem Habsburger Hof ein Zehnter in Form von Wein gezahlt werden muss – das ist übrigens noch heute so.

Durch ein Bombardement 1942 wurde das Weingut fast komplett zerstört, nach dem Krieg von dem Urenkel des Staatskanzlers, Paul Alfons Metternich, aber wiederaufgebaut. Den Krieg relativ unbeschadet überstand hingegen die legendäre und einzigartige Sammlung von Weinen, die bis ins Jahr 1848 zurückreicht, also bis in die Zeit von Fürst von Metternich und für die heute der Kellermeister Gerd Ritter verantwortlich zeichnet. Heute firmiert das Weingut unter dem Namen: Fürst von Metternich Winneburg'sche Domäne Schloss Johannisberg GbR. Wer das Gut und seinen Wein erleben möchte, kann ein umfangreiches Repertoire von Veranstaltungen auf dem Weingut wahrnehmen. Neben einer Vielzahl von Weinproben wird hier auch ein Theater-Dinner mit historischen Figuren wie Johann Wolfgang von Goethe und dem Fürsten von Metternich angeboten. Neben einer Probe der verschiedenen Weine sollte der Besucher auch einen Abstecher in die Schlossschänke unternehmen, wo eine breite Auswahl kulinarischer Spezialitäten angeboten wird – mit einem fantastischen Blick auf die Weinberge auf dem Johannisberg und den Rheingau.