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Weingut Spiess
Das Weingut im Überblick
- Gründung: 1958 durch Werner und Elli Spies
- Sitz: Dittelsheim-Heßloch, Rheinhessen (Wonnegau)
- Leitung: David Spies gemeinsam mit Carolin, Uwe und Ingrid Spies
- Rebsorten: Riesling, Weißburgunder, Chardonnay, Sauvignon Blanc, Silvaner, Grauburgunder, Goldmuskateller, Spätburgunder, Merlot, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Sankt Laurent, Portugieser, Regent
- Wichtige Lagen: Dittelsheimer Kloppberg, Dittelsheimer Leckerberg, Westhofener Morstein
- Böden: Tonmergel, kalkhaltiger Löss, eisenhaltige „Bohnerze“
- Qualitätsstufen: „verwurzelt“ (Gutsweine), Ortsweine, Cuvées (Steinschleuder, kleiner Goliath, Davids Goliath), „himmelwärts“ (Lagenweine)
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Hawesko-Expertenstimme zum Weingut David Spies
Kühle Höhenlagen auf Tonmergel, konsequente Handarbeit und Holzfassausbau ergeben straffe Rieslinge, dichte Burgunder und ernsthafte Rotweincuvées. Empfehlenswert für Entdecker rheinhessischer Spitzenlagen, die Struktur und Reifepotenzial schätzen.
Drei Generationen: die Geschichte des Weinguts David Spies
Am Anfang stand kein Weingut, sondern ein Gemischtbetrieb mit Tierhaltung und Ackerbau, aus dem Werner und Elli Spies ab 1958 Schritt für Schritt einen Weinbaubetrieb formten; 1969 wagten sie den Umzug vom kleinen Bauernhof in den Weingutshof an der Dittelsheimer Hauptstraße, in dem heute noch gearbeitet wird. Werner Spies war zugleich 18 Jahre Ortsbürgermeister von Dittelsheim-Heßloch und knüpfte in dieser Zeit ein Kundennetz, das den Betrieb lange trug, während Elli Spies das Tagesgeschäft und die Jungreben organisierte.
Seit Anfang der 1990er-Jahre leiten Uwe und Ingrid Spies das Weingut gemeinsam und vollzogen den Wandel zum trockenen Ausbaustil sowie zu klarer Qualitätsorientierung. David Spies stieg 2014 ein, nachdem er seine Winzerlehre in der Pfalz bei Bassermann-Jordan und Rings absolviert, 2011 den europaweiten Berufswettbewerb gewonnen und in Geisenheim Weinbau und Oenologie studiert hatte. 2018 wurde aus dem Weingut Uwe Spies das Weingut David Spies; 2020 zeichnete die DLG ihn als „Jungwinzer des Jahres“ aus. Im selben Jahr übernahm seine Frau Carolin Spies, studierte Agraringenieurin, eine gestaltende Rolle, vor allem in der Begleitung der Gärungen im Keller und im Büro.
Wein fürs Leben: Arbeitsweise und Haltung im Weinberg
Das Leitmotiv „Wein fürs Leben“ meint im Weingut David Spies ausdrücklich auch die Arbeitsgrundlage der nächsten Generation: gesunde Böden und ein funktionierendes Ökosystem im Weinberg. Uwe Spies begann bereits Ende der 1980er-Jahre mit Versuchen, Weinberge herbizidfrei zu bewirtschaften, und pflanzte eine der ersten Vermehrungsanlagen der pilzwiderstandsfähigen Rebsorte Regent, die den Pflanzenschutzaufwand deutlich senkt.
Die Pflege der Rebflächen erfolgt in weiten Teilen von Hand, was sich in gezielter Laubarbeit, behutsamem Entblättern der Traubenzone und stark reduzierten Erträgen niederschlägt; bewachsene „Reche“, also mit wilden Sträuchern und Kräutern bestandene Böschungen zwischen den Geländestufen, bleiben als Lebensräume und Wärmespeicher erhalten. Auf die Erwärmung des Klimas antwortet der Betrieb mit spät reifenden Sorten wie Goldmuskateller, die eine kühle Ernte bei voller Aromareife erlauben, und mit dem Tonmergel, der den Reben auch in Hitzephasen Wasser bereitstellt.
Im Keller dominieren lange Maischestandzeiten, langsame und teils spontane Vergärung, Bâtonnage auf der Feinhefe sowie traditionelle Maischegärung in Bütten und der Ausbau in Halbstückfässern, Tonneaus und Barriques. Ein soziales Projekt ergänzt die Arbeit: Aus einer Uganda-Reise 2016 entstand der Wein „wurzel & wind“, von dessen Verkaufspreis zehn Prozent in einen Lern- und Ausbildungshof für junge Landwirte fließen.
Kloppberg, Tonmergel und Morstein: das Terroir im Wonnegau
Dittelsheim-Heßloch liegt im südlichen Rheinhessen, und die Weinberge des Hauses gruppieren sich um den Kloppberg, die höchste Erhebung des Wonnegaus, die als natürlicher Wetterschutz wirkt und in nebligen Herbstphasen Sonne bietet, wenn tiefere Lagen feucht bleiben. Geologisch prägt das rheinhessische Urmeer den Untergrund: Vor rund 25 Millionen Jahren verdichtete sich kalkreicher Meeresschlamm zu Tonmergel, der Wasser speichert, den Wuchs bremst und kleine, konzentrierte Beeren hervorbringt, woraus Weine mit Mineralität, Länge und Ausdruck entstehen.
Ergänzend stehen Reben auf leichteren, kalkhaltigen Lössböden in Südexposition, die vor allem Merlot und Sauvignon blanc vorbehalten sind, sowie in einigen Parzellen am Kloppberg auf Tonmergel, der von eisenhaltigen „Bohnerzen“ durchsetzt ist – im 19. Jahrhundert zur Eisengewinnung abgebaut, sorgen sie heute für schwachen Wuchs und besondere Konzentration. Der Dittelsheimer Leckerberg zählt zu den höchstgelegenen Lagen Rheinhessens, wo kühle Winde die Reife verzögern und lange Hangzeiten ermöglichen. Hinzu kommen Rebflächen im Westhofener Morstein, einer der bekanntesten Spitzenlagen des Wonnegaus.
Die wichtigsten Weine des Weinguts David Spies
Die Spitze der Qualitätspyramide bilden die Lagenweine der Linie „himmelwärts“, angeführt vom Leckerberg Riesling trocken, dessen kühle Höhenlage späte Reife, intensive Frucht, minzige Frische und markante Säure zusammenführt, sowie vom Morstein Chardonnay, der aus handgelesenen Trauben im Eichenholzfass ausgebaut wird und Zitrusfrucht mit Birne, Butterpopcorn und cremiger Textur verbindet.
Beim Rotwein steht der Blutmond Spätburgunder für einen kräftig-würzigen Stil mit Ausbau in französischer Eiche; der Name erinnert an die nächtliche Ernte während der Blutmondnacht vom 28. September 2015. Aus den eisenhaltigen Parzellen am Kloppberg stammt der konzentrierte Eisenstein Portugieser.
Die Cuvées bilden den Einstieg in die besten Weine: Davids Goliath vereint Merlot, Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc nach 18 Monaten Barriqueausbau, der kleine Goliath Sankt Laurent, Merlot und Portugieser, während die weiße Steinschleuder Weißburgunder und Chardonnay aus den steinigsten Höhenlagen von Dittelsheimer Kloppberg und Westhofener Morstein im Tonneau zusammenführt.
Auf Ortsweinebene stehen der spontan im Holz vergorene Sauvignon blanc „Holunderbaum“, der Grauburgunder „Wilder Rech“, der Riesling „Hügel & Berg“ und der Spätburgunder „Tonmergel“.