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Clos des Papes
Das Weingut im Überblick
- Gründung: 1896 durch Paul Avril
- Lage: Châteauneuf-du-Pape, Südfrankreich; 18 Parzellen auf vielfältigen Böden
- Bewirtschaftung: Biologisch zertifiziert, ausschließlich Handlese
- Ertrag: Extrem niedrig, ca. 18 hl/ha; ca. 70.000 Flaschen jährlich
- Sortiment: Nur ein Rot- und ein Weißwein pro Jahrgang, keine Sondercuvées
- Vinifikation: Traditionell, keine Barriques, unfiltriert abgefüllt
- Stil: Klassisch, elegant, finessenreich, außergewöhnlich lagerfähig
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Hawesko Expertenmeinung zum Weingut
Clos des Papes steht für authentische, langlebige Châteauneuf-du-Pape-Weine von seltener Eleganz. Ideal für Kenner, die Tiefe und Balance schätzen. Ohne Prestige-Cuvées, aber mit maximalem Anspruch an Herkunft und Handwerk. Ein Wein für Geduldige, die Charakter über Opulenz stellen – klassisch, präzise, kompromisslos.
Die Familie Avril und das Erbe Paul Avrils
Als Paul Avril Ende des 19. Jahrhunderts seine ersten Flaschen unter dem Namen Clos des Papes füllte, war der Begriff „Cru“ in Châteauneuf-du-Pape noch keineswegs etabliert. Es war mitunter sein Verdienst, dass diese Appellation später zu einer der renommiertesten Frankreichs aufstieg. Bereits 1896 begann er mit dem Verkauf unter eigenem Namen, den er 1902 schützen ließ.
Vincent Avril, sein Enkel und heutiger Eigentümer der Domaine, übernahm nicht nur das Erbe, sondern prägte es entscheidend weiter: Er studierte Önologie, absolvierte Praktika in renommierten Häusern und führte den Betrieb auf höchstem Qualitätsniveau in das 21. Jahrhundert. Die Familie Avril lebt seit dem 17. Jahrhundert in Châteauneuf-du-Pape, was die enge Verwurzelung mit der Region noch einmal unterstreicht.
Vincent Avril und die Philosophie des Weglassens
Wer Clos des Papes verstehen will, muss die Philosophie Vincent Avrils begreifen, die sich durch Präzision, Reduktion und Respekt gegenüber dem Terroir auszeichnet. Die biologische Bewirtschaftung der Weinberge wurde früh eingeführt und ist heute zertifiziert.
Vincent Avril verfolgt konsequent einen minimalistischen Ansatz – nicht als Mode, sondern aus Überzeugung. Er erntet mit extrem niedrigen Erträgen von meist unter 20 Hektolitern pro Hektar. Im Vergleich zu früheren 30 hl/ha bedeutet das einen erheblichen Rückgang – doch Qualität hat Vorrang. Nur rund 70.000 Flaschen entstehen jährlich, und das ausschließlich aus Trauben, die seinen hohen Standards genügen.
Weine, die diesem Anspruch nicht gerecht werden, finden nicht etwa als Zweitwein den Weg in den Markt, sondern werden schlichtweg an örtliche Händler verkauft. Die Vinifikation selbst erfolgt ebenso traditionell wie zurückhaltend: Keine Barriques, keine Schönung, keine Filtration. Die Rebsorten werden gemeinsam ausgebaut, bei konstanten 12 Grad in großen Fässern – das Resultat ist ein authentischer, tiefgründiger Ausdruck des Terroirs und Jahrgangs.
Terroirvielfalt auf 18 Parzellen
Die 18 Parzellen, auf denen Clos des Papes seine Reben kultiviert, verteilen sich über die gesamte Appellation und bieten eine beeindruckende Bandbreite an Bodenformationen. Vom feinkörnigen Sand im Westen bis zu den steinigen Lehm- und Kalkböden im Nordosten ist nahezu jede geologische Variante vertreten, was sich direkt in der Vielschichtigkeit der Weine widerspiegelt.
Besonders hervorzuheben ist die berühmte Hochebene von La Crau, deren karger, von galets roulés bedeckter Boden ideale Bedingungen für konzentrierte, langlebige Weine bietet. Sieben Hektar der ältesten Reben stehen hier – ein genetisches Erbe, das in seiner Bedeutung kaum zu überschätzen ist. Durch die getrennte Lese der einzelnen Parzellen zum jeweils optimalen Reifezeitpunkt gelingt es Vincent Avril, die unterschiedlichen Ausdrucksformen des Terroirs präzise in einem Wein zu vereinen.
Diese geologische Diversität schafft nicht nur Balance, sondern trägt auch zur bemerkenswerten Lagerfähigkeit der Weine bei, die sich über Jahrzehnte hinweg entwickeln können, ohne an Frische oder Struktur zu verlieren.
Die Weine von Clos des Papes
Jahr für Jahr entstehen auf Clos des Papes lediglich zwei Weine: ein Weißer und ein Roter – beide kompromisslos auf Qualität getrimmt. Es handelt sich dabei nicht um eine Auswahl der besten Fässer oder Parzellen, sondern um das Gegenteil: Der gesamte Weinberg ist Teil eines einzigen, stilistisch klar definierten Gesamtkonzepts. Luxus-Cuvées sucht man vergebens, denn für Vincent Avril ist jeder Wein ein Spitzenprodukt.
Der rote Clos des Papes ist ein kraftvoller, aromatisch dichter Châteauneuf-du-Pape mit enormer innerer Balance – fernab jeder Überreife oder marmeladiger Ausprägung.
Der weiße Clos des Papes hingegen, oft übersehen und doch von bemerkenswerter Komplexität, zeigt mit breiten Schultern, niedriger Säure und reifem Fruchtkern eine beeindruckende Tiefe. Beide Weine durchlaufen eine gemeinsame Vinifikation der Rebsorten, werden unfiltriert abgefüllt und verzichten bewusst auf moderne Stilmittel. Das Ergebnis sind Weine von aristokratischer Struktur, die in ihrer klassischen Formgebung an eine längst vergangene, aber keineswegs veraltete Schule erinnern.