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Weingut Dr. Bürklin-Wolf

Bürklin-Wolf in Wachenheim blickt auf eine Weinbautradition bis 1597 zurück und wird seit 1990 von Bettina Bürklin-von Guradze geführt. Auf 75,6 Hektar in Forst, Wachenheim, Deidesheim und Ruppertsberg entstehen trockene Spitzenrieslinge, biodynamisch bewirtschaftet und nach burgundischem Vorbild klassifiziert.

 

Weingut Dr. Bürklin-Wolf

Das Pfälzer Traditionsweingut im Überblick

  • Tradition seit 1597, Familienbesitz in Wachenheim an der Weinstraße
  • Inhaberin: Bettina Bürklin-von Guradze (seit 1990), Geschäftsführer: Steffen Brahner, Kellermeister: Nicola Libelli
  • Rebfläche: 75,6 Hektar in Forst, Wachenheim, Deidesheim und Ruppertsberg
  • Rebsorten: 82 % Riesling, 7 % Weißburgunder, 6 % Spätburgunder, 5 % andere
  • Gutseigene Klassifikation nach burgundischem Vorbild ab 1990: Gutswein, Village, P.C., G.C.
  • Biologisch-dynamische Bewirtschaftung seit 2005; Biodyvin, EU-Bio, Fair Choice
  • Mitglied im VDP. Die Prädikatsweingüter, Geologie: Ton- und Sandböden, Basalt, Lehm- und Kalksteingeröll


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Hawesko-Expertenstimme zum Weingut in Wachenheim

Wer trockenen Riesling in seiner reifefähigsten Form sucht, findet bei Dr. Bürklin-Wolf Lagenweine von historischem Rang: biodynamisch gewachsen, im Holzfass spontan vergoren und für Sammler wie Terroir-Enthusiasten gemacht.

 

Von Bernhard Bürklin bis Bettina Bürklin-von Guradze: die Geschichte des Weinguts

Am Anfang steht Bernhard Bürklin (1580–1636), Stadtschreiber und später Bürgermeister von Wachenheim, der umfangreichen Wein- und Landbesitz erwarb und damit die Bürklin'sche Weinbautradition begründete, deren Ursprung das Gut auf das Jahr 1597 datiert.

Nach den Erbfolgekriegen verliert sich die Familienspur für rund zwei Jahrhunderte, ehe die zweite Linie Kontur gewinnt: Johann Ludwig Wolf (1777–1840) galt als einer der wohlhabendsten Männer der Pfalz und als „Eigenthümer vorzüglicher Weinberge in Wachenheim, Forst, Deidesheim und Ruppertsberg“. Beide Stränge verbanden sich 1875, als Luise Wolf (1847–1925) den Geheimrat Dr. Albert Bürklin (1844–1924) heiratete, Vizepräsident des Deutschen Reichstages und Generalintendant des badischen Hoftheaters, der nach Wachenheim übersiedelte und den Betrieb zum Musterbetrieb für Qualitätsweinbau ausbaute.

Sein gleichnamiger Großneffe, Ökonomierat Dr. Albert Bürklin (1907–1979), erbte 1924, erweiterte die Rebflächen und führte das Gut zu internationalem Renommee. Nach seinem Tod übernahm Jutta Bürklin (1919–2021) die Leitung und übergab 1990 an ihre älteste Tochter Bettina Bürklin-von Guradze.

 

Biodynamie in der Praxis: die Arbeitsweise von Dr. Bürklin-Wolf

Bettina Bürklin-von Guradze führte das Weingut, unterstützt von ihrem damaligen Ehemann Christian von Guradze, als einen der ersten deutschen Betriebe zu einer Lagenklassifikation nach burgundischem Muster und stellte 2005 sämtliche Weinbergsflächen auf die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise um.

Den Anstoß gab die Lektüre von Nicolas Jolys „Beseelter Wein“; als Ratgeber begleitete vor allem der elsässische Winzer Marc Kreydenweiss den Weg. Die biodynamischen Präparate erzeugt das Weingut selbst, wie Jan Hock, verantwortlich für Weinberge und Biodynamie, formuliert: Ziel sei ein Gleichgewicht von Pflanze und Umwelt, das sich am besten über die Stärkung der pflanzlichen Eigenkräfte erreichen lasse.

Nach Darstellung des Hauses zeigen sich die Effekte in vitaleren Böden, widerstandsfähigeren Reben und deutlich differenzierteren Weinen. Im Keller folgt daraus ein bewusst zurückhaltender Zugriff: spontane Gärung, Ausbau der P.C.- und G.C.-Rieslinge ausschließlich im großen Holzfass und lange Reifezeiten – das Gut spricht von „langsamen Weinen“ und lagert Lagenweine seit 1994 im alten Weinkeller ein, um sie erst später auf den Markt zu bringen. Die Bewirtschaftung ist über Biodyvin und die EU-Bio-Verordnung zertifiziert, ergänzt um Fair Choice.

 

Mittelhaardt, Basalt und Kalk: das Terroir zwischen Forst und Ruppertsberg

Die Weinberge liegen auf der Mittelhaardt, deren geografische Ähnlichkeit mit der Côte d'Or das Gut ausdrücklich als Vorbild für die eigene Ordnung der Herkünfte nennt. Die Böden reichen von Ton- und Sandböden über Lehm- und Kalksteingeröll bis zum Basaltgestein, das insbesondere den Forster Pechstein prägt und dessen Weinen seine rauchig-mineralische Signatur gibt, während Kalkofen und Langenmorgen in Deidesheim für kalkgeprägte Straffheit stehen.

Die 1990 begonnene gutseigene Klassifikation basiert auf geologischen und klimatologischen Erkenntnissen und kommt nach Angaben des Weinguts zu einem nahezu identischen Bild wie die historische Lagenbewertung des Königreichs Bayern von 1828.

Eine Sonderstellung nimmt das nur 3,6 Hektar große Kirchenstück in Forst ein, das 1828 als einziger Weinberg die Höchstnote von 65 Punkten erhielt und vom Gut als „Montrachet der Pfalz“ bezeichnet wird; überliefert ist zudem die Anekdote, der spanische Feldherr Frangipani habe seinen Soldaten im Dreißigjährigen Krieg befohlen, vor diesem Weinberg zu salutieren. Der Riesling dient hier als Medium, das die Unterschiede dieser Parzellen besonders präzise abbildet.

 

Kirchenstück, Pechstein, Gaisböhl: die bekanntesten Weine

Die Spitze bilden die G.C.-Rieslinge, die das Weingut als Grands Crus der Mittelhaardt versteht:

In Forst Kirchenstück (0,6 Hektar, Pflanzjahr 1985), Pechstein (1,7 Hektar, 1978), Ungeheuer (0,9 Hektar, 1985) und der 2015 neu gepflanzte Jesuitengarten, der die G.C.-Reife erst wieder erlangen muss; 

In Deidesheim Hohenmorgen, Langenmorgen und Kalkofen mit Pflanzjahren zwischen 1973 und 1979; in Ruppertsberg das 7,55 Hektar große Monopol Gaisböhl sowie Reiterpfad. Darunter stehen die P.C.-Rieslinge, unter ihnen Wachenheimer Gerümpel, Böhlig, Goldbächel, Altenburg, das Monopol Rechbächel und Ruppertsberger Hoheburg.

Die Village-Rieslinge stammen aus klassifizierten Lagen der vier Ortschaften Wachenheim, Forst, Deidesheim und Ruppertsberg; als Basis und mengenmäßige Säule des Sortiments fungiert der Gutsriesling, eine Cuvée aus allen vier Gemeinden.

Ergänzt wird das Programm um Sekt, darunter eine Cuvée Brut, sowie eine Cuvée Blanc. Bettina Bürklin-von Guradze empfiehlt als Einstieg die Ortsweine aus Wachenheim, Deidesheim oder Ruppertsberg.