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Château Giscours
Persönlichkeiten und Pionierarbeit seit 1552
Die Wurzeln von Château Giscours reichen bis ins Jahr 1552 zurück, als Pierre de Lhomme – ein wohlhabender Tuchhändler aus Bordeaux – das damalige Herrenhaus „Guyscoutz“ erwarb. Mit Weitblick und wirtschaftlichem Gespür begann er, die umliegenden Wildflächen systematisch mit Reben zu bepflanzen, womit der Grundstein für das heutige Weingut gelegt wurde.
Ihm folgten im 19. Jahrhundert ambitionierte Besitzer wie Jean-Pierre Pescatore, ein kultivierter Mäzen mit feinem Gespür für Qualität und Ästhetik. Er investierte gezielt in Weinberg und Keller und verhalf Giscours zu einer international beachteten Reputation. Im Jahr 1855 wurde Château Giscours als Troisième Grand Cru Classé klassifiziert – ein Meilenstein, der die Qualität der Weine offiziell bestätigte.
Einen besonderen Impuls erhielt das Anwesen zwischen 1875 und 1890 unter Edouard Cruse. Er modernisierte nicht nur die Kellertechnik, sondern ließ auch den berühmten Park von Eugène Bühler anlegen, einem Landschaftsarchitekten von der École Royale d’Horticulture in Versailles. Diese Phase markiert eine kulturelle Blütezeit, in der das Château nicht nur ein Zentrum der Weinherstellung, sondern auch ein architektonisches und landschaftliches Gesamtkunstwerk wurde. Im 20. Jahrhundert übernahm Nicolas Tari das Weingut und reorganisierte die 300 Hektar umfassende Domaine grundlegend.
Nach dem Zweiten Weltkrieg stellte er den Betrieb wirtschaftlich wie landwirtschaftlich neu auf. Seit 1995 ist Château Giscours im Besitz der niederländischen Familie Albada Jelgersma. Eric Albada Jelgersma, ein kunstsinniger Perfektionist, initiierte umfassende Renovierungsmaßnahmen in Keller und Weinberg. Nach seinem Tod im Jahr 2018 führen seine Kinder Dennis, Derk und Valérie – unterstützt von Geschäftsführer Alexander van Beek – das Erbe mit zeitgemäßer Handschrift weiter.
Philosophie und Innovationskraft unter der Familie Albada Jelgersma
Seit der Übernahme durch die Familie Albada Jelgersma hat Château Giscours eine neue Phase nachhaltiger Entwicklung eingeleitet, in der sich Tradition und Innovation gegenseitig befruchten. Eric Albada Jelgersma, ein leidenschaftlicher Weinliebhaber, verfolgte einen holistischen Qualitätsanspruch, der über den Wein hinausreicht. Die umfassende Restrukturierung der Rebflächen ging einher mit einer sensiblen Renovierung der Kellergebäude und der Einführung neuer Weinstilistiken, etwa beim Rosé x Giscours, der 2019 als modernes Ausdrucksmittel des Terroirs eingeführt wurde.
Die Philosophie des Hauses versteht Wein als Spiegel des Gesamtsystems – Terroir, Klima, Rebsorten und menschliche Handschrift wirken in enger Verbindung. Dies zeigt sich auch in den Initiativen zur biologischen Vielfalt: In Zusammenarbeit mit dem Conservatoire des Races d’Aquitaine wurden Bordelaiser Rinder und Landes-Schafe auf dem Anwesen angesiedelt.
Parallel dazu wurde ein großer Gemüsegarten zur Versorgung der hauseigenen Gastronomie „La Table de Giscours“ angelegt. Diese Maßnahmen fügen sich nahtlos in das Selbstverständnis eines lebendigen, vielfältigen Ökosystems ein, das mit Bedacht kultiviert wird. Das Château ist heute nicht nur ein Ort der Weinproduktion, sondern ein lebendiger Organismus mit kultureller und kulinarischer Ausstrahlung.
Die geologische Vielfalt des Giscours-Terroirs in der Appellation Margaux
Im Herzen der Appellation Margaux gelegen, profitieren die Weinberge von Château Giscours von einem außergewöhnlich strukturierten Terroir. Die Böden bestehen überwiegend aus Garonne-Kies, der in der Quartärzeit durch Flusssysteme aus den Pyrenäen hierher transportiert wurde. Diese Formationen bilden sogenannte croupes gravelleuses – kiesreiche Hügelzüge, die eine exzellente Drainage bieten und die Wurzeln der Reben tief in die Erdschichten eindringen lassen.
Das Terroir von Giscours gliedert sich in drei prägende Höhenzüge: Grand Poujeau und Petit Poujeau im Westen zeichnen sich durch große Peyrosol-Kiesel aus, die warmes Mikroklima und eine hohe Reifeleistung für Cabernet Sauvignon begünstigen. Der Höhenzug Bel Air mit 12 Metern Höhe ist kühler und mit Brunisolen durchsetzt – sandige, kiesreiche Böden, die besonders in heißen Jahren ausgleichend wirken. Cantelaude, das zentrale Plateau, vereint die Eigenschaften der beiden anderen Lagen und bringt neben vollmundigem Merlot auch strukturreiche Cabernet Sauvignons hervor.
Diese geologische Vielfalt ist die Basis für den markanten Stil der Giscours-Weine: eine kraftvolle Tanninstruktur gepaart mit Eleganz und Frische – eine typische Ausprägung des Margaux-Charakters, häufig umschrieben als „eiserne Faust im Samthandschuh“. Die Rebsorten – Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc und Petit Verdot – finden hier ideale Bedingungen für eine differenzierte und langlebige Entwicklung.
Château Giscours Weine: stilistische Vielfalt und klare Handschrift
Château Giscours präsentiert heute eine differenzierte Weinpalette, die sowohl die Ausdruckskraft der verschiedenen Lagen als auch die Präzision der Weinbereitung widerspiegelt. Der Grand Vin, Château Giscours, ist ein strukturierter, nuancenreicher Margaux mit ausgeprägtem Alterungspotenzial und brillanter aromatischer Tiefe. Seine vinifikatorische Handschrift beruht auf jahrzehntelanger Erfahrung der technischen Teams und ist eng mit dem Terroirprofil der kiesreichen Hügel verbunden.
Der Zweitwein La Sirène de Giscours trägt seit 1900 das Emblem der Sirene auf dem Etikett – ein Symbol für Eleganz und Finesse. Dieser Wein aus denselben Lagen wie der Grand Vin wird mit hohem Anspruch vinifiziert und repräsentiert die gleiche Philosophie der Detailgenauigkeit.
Seit 1992 ergänzt Haut-Médoc Giscours das Portfolio – ein Wein aus historischen Parzellen außerhalb der Margaux-Appellation, der eine aromatisch intensive Interpretation des Giscours-Stils bietet.
Der jüngste Neuzugang ist Rosé x Giscours, der gezielt aus Cabernet Sauvignon gewonnen wird. Nur die Säfte der ersten Pressung werden verwendet, was ihm eine bemerkenswerte Finesse und sensorische Präzision verleiht.
Reputation eines historisch gewachsenen Weinguts
Die Bedeutung von Château Giscours reicht weit über die Grenzen des Bordelais hinaus. Die Klassifikation als Troisième Grand Cru Classé im Jahr 1855 markierte früh den hohen Qualitätsanspruch des Hauses. Neben zahlreichen Investitionen in Weinberg und Keller ist es insbesondere das Zusammenspiel von Natur, Geschichte und Kultur, das Giscours international bekannt gemacht hat.
Legendär ist das Ereignis aus dem Jahr 1870 während des Deutsch-Französischen Kriegs, als zwei Bordeaux-Händler auf 2.500 Metern Höhe in einem Ballonflug eine Flasche Château Giscours genossen und eine zweite mit einer Notiz an die Preußen über Bord warfen: „Delicious dinner, excellent Château Giscours, and bon appetit!“ Diese Anekdote, festgehalten in der Zeitung La Gironde, ist ein Symbol für den ikonischen Status des Weines. Auch gesellschaftlich hat sich Giscours immer wieder positioniert – ob mit einer Gartenparty zur Eröffnung des Ford-Werks 1973 in Anwesenheit von Henry Ford II oder einem Cricketspiel 2011 mit der königlichen Mannschaft im Beisein von Queen Elizabeth II.
Die Kontinuität im Streben nach Qualität, verbunden mit einem Bewusstsein für Kultur, Landschaft und Biodiversität, macht Château Giscours zu einem der markantesten Weingüter in Margaux. Es steht heute gleichermaßen für historische Tiefe wie für zukunftsgewandte Innovation.
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