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Cavalchina
Das Weingut im Überblick
- Lage: Südöstlicher Rand des Gardasees
- Ursprung von „Custoza“: 1962 erster Wein unter dem Namen „Custoza“ von Luciano Piona etikettiert
- Heutige Leitung: Francesco und Giulia Piona (4. Generation)
- Rebsorten-Stilistik: Fokus auf weiße Rebsorten – insbesondere Fernanda, Trebbiano, Garganega
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Hawesko Expertenmeinung zum Weingut
Weine von Cavalchina verbinden Herkunftstreue mit technischer Präzision. Sie spiegeln das Terroir authentisch wider, zeigen strukturierte Eleganz und sind Ergebnis generationenübergreifender Expertise und selektiver Handarbeit.
Luciano Piona und die Gründung des Weinguts Cavalchina
Der eigentliche Beginn der Familiengeschichte im Weinbau ist untrennbar mit der Figur Luciano Pionas (1900–1965) verbunden – einem vielseitig interessierten Unternehmer mit Wurzeln in der Lederverarbeitung, der 1948 die ersten Weinberge erwarb und den Bau der Kellerei in Cavalchina veranlasste.
Die anfängliche Integration einer eigenen Destillerie (bis 1967 in Betrieb) zeigt, dass es Luciano weniger um wirtschaftliche Effizienz als um die Vielfalt handwerklicher Möglichkeiten ging. Seine Passion für Oper – persönliche Begegnungen mit Künstlern wie Maria Callas inklusive – und seine Begeisterung für Fußball – er stellte sogar Fußballschuhe her und agierte als Spieleragent – spiegeln eine kreative und unkonventionelle Persönlichkeit.
Im Weinbereich erwies sich Luciano als Pionier: 1962 war er der Erste, der die weiße Cuvée der Region als „Custoza“ etikettierte. Der Blend aus Fernanda, Trebbiano und Garganega wurde fortan nicht mehr als einfacher Soave verkauft, sondern als eigenständiger Wein mit eigener Identität. Zudem verfolgte Luciano gezielt den Ausbau der Vermarktung in Städten wie Rom und Mailand – für die damalige Zeit ein ambitioniertes Unterfangen, das die Marke Cavalchina nachhaltig prägen sollte.
Historische Böden mit geologischer Prägung
Die geografische Lage von Cavalchina ist nicht nur topografisch privilegiert, sondern auch geologisch besonders: Am südöstlichen Rand des glazialen Amphitheaters des Gardasees gelegen, verfügt das Weingut über Böden, die eine hohe Wasserspeicherfähigkeit besitzen – ein entscheidender Vorteil in heißen Sommern. Diese Eigenschaft war bereits den habsburgischen Kartografen aufgefallen, die 1848 das Gebiet als Weinbauregion erster und zweiter Qualität registrierten.
Doch das Terroir ist nicht nur agronomisch interessant: Die Region war auch Schauplatz der ersten und dritten italienischen Unabhängigkeitskriege. Am Eingang des Weinguts erinnert ein Obelisk aus Schieferstein an die Schlacht von 1866, in der Prinz Amedeo di Savoia verwundet wurde. So verdichten sich in Cavalchina geologische, agrarische und historische Schichten zu einem Ort mit vielschichtiger Bedeutung.
Custoza als Signaturwein
Der Custoza ist unbestritten das Aushängeschild von Cavalchina – nicht nur wegen seiner Historie, sondern auch aufgrund seiner stilistischen Präzision. Die von der Familie Piona in den 1960er-Jahren entwickelte Cuvée aus Fernanda, Trebbiano und Garganega gilt bis heute als Vorlage für die Typizität dieser Appellation. Besonders hervorzuheben ist, dass Cavalchina bereits früh die Sortenzusammensetzung nicht dem Zufall überließ, sondern gezielt eine „Rezeptur“ formulierte, die über Jahrzehnte hinweg Bestand hat.
Neben dem Custoza finden sich im Sortiment aber auch weitere Klassiker der Region am Gardasee wie Bardolino, Bardolino Chiaretto und Lugana.