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Weingut Michael Gindl
Das Weingut im Überblick
- Lage: Weinviertel, Niederösterreich
- Naturweine seit: 2010
- Bewirtschaftung: biodynamisch, Demeter-zertifiziert
- Landwirtschaft: Mischkultur mit Tieren und eigenem Wald
- Rebsorten: Grüner Veltliner, Riesling, Weißburgunder, Zweigelt, Cabernet Sauvignon
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Hawesko Expertenmeinung zum Weingut
Die Weine von Michael Gindl verbinden biodynamische Landwirtschaft, minimalen Eingriff im Keller und eine klare Herkunft aus dem Weinviertel. Besonders empfehlenswert für Liebhaber charakterstarker Naturweine mit lebendiger Struktur und individueller Handschrift.
Die Geschichte von Michael Gindl und seinem Weingut
Das Weinviertel blickt auf eine lange Weinbaugeschichte zurück, die bis ins 14. Jahrhundert dokumentiert ist. Auch in der Familie Gindl wurde seit Generationen Landwirtschaft betrieben und Wein erzeugt, meist im Nebenerwerb neben anderen landwirtschaftlichen Tätigkeiten.
Michael Gindl begann zunächst ein Agrarstudium, übernahm jedoch bereits um 2004 die Bewirtschaftung der Weinberge seiner Großeltern. In dieser Phase reifte seine Überzeugung, stärker auf traditionelle Methoden und einen möglichst naturnahen Umgang mit Wein und Landwirtschaft zu setzen. Bereits sein Großvater hatte an eine langsame Kellerarbeit und minimalen Eingriff geglaubt. Diese Idee entwickelte Michael Gindl konsequent weiter und begann 2010 mit der Produktion eigener Naturweine, die sich bewusst von konventionellen Stilistiken absetzen und Individualität in den Mittelpunkt stellen.
Philosophie und biodynamische Kreislaufwirtschaft
Im Zentrum der Arbeit steht die Vorstellung eines landwirtschaftlichen Organismus, der sich möglichst selbst reguliert. Das Demeter-zertifizierte Gut mg vom sol versteht Weinberge, Tiere, Wald und landwirtschaftliche Flächen als zusammenhängenden Kreislauf.
Die Weinberge werden unter anderem mit Pferden bewirtschaftet, während bretonische Zwergschafe zwischen den Rebzeilen grasen und so zur natürlichen Pflege beitragen. Auf dem Hof leben außerdem Hochlandrinder, Schweine und weitere Tiere, die Teil dieses Systems sind. Das Holz für die Fässer stammt aus dem eigenen Wald, wodurch ein weiterer Baustein des geschlossenen Kreislaufs entsteht. Ziel ist eine Landwirtschaft, die nicht nur Trauben hervorbringt, sondern ein funktionierendes Ökosystem bildet, in dem Bodenleben, Biodiversität und nachhaltige Nutzung im Gleichgewicht stehen.
Terroir und Weinbau im Weinviertel
Die Weinberge liegen im nordöstlichen Weinviertel, einer Region mit sehr unterschiedlichen klimatischen Bedingungen und Bodenstrukturen. Die Sommer können hier ausgesprochen heiß und trocken sein, während Niederschläge vergleichsweise selten auftreten. Die Böden bestehen aus Löss, Lehm, Sandstein und kalkhaltigen Ablagerungen, die aus dem ehemaligen Urmeer der Region stammen.
Diese Böden speichern Wasser aus Winter- und Frühjahrsniederschlägen tief im Untergrund und geben es während der Vegetationsperiode langsam an die Reben ab. Die Weinberge selbst sind keine steilen Hänge, sondern sanfte Hügel, die ein eigenständiges Mikroklima erzeugen. In diesem Umfeld gedeihen unter anderem Grüner Veltliner, Riesling, Weißburgunder, Zweigelt und Cabernet Sauvignon. Einige Rebstöcke sind rund 45 Jahre alt und tragen maßgeblich zur Komplexität der Weine bei.
Kellerarbeit und Stilistik der Naturweine
Im Keller verfolgt Michael Gindl das Ziel, die Authentizität der Trauben möglichst unverändert zu bewahren. Die Trauben werden von Hand gelesen, sehr behutsam gepresst und anschließend spontan mit natürlichen Hefen vergoren. Temperaturkontrolle wird bewusst vermieden, da die natürlichen Gärprozesse möglichst wenig beeinflusst werden sollen.
Ein wichtiger Bestandteil der Vinifikation ist die Verwendung von Holzfässern, die teilweise aus Akazien- oder Eichenholz aus dem eigenen Wald gefertigt werden. Edelstahl spielt nur eine untergeordnete Rolle. Diese Herangehensweise führt zu Weinen mit eigenständigem Charakter, die häufig mineralisch, komplex und lebendig wirken. Beispiele dafür sind die bekannten Linien „Buteo“, „Little Buteo“ oder „Flora“, die international besonders unter Naturweinfreunden große Aufmerksamkeit erhalten.
Linien, Projekte und kreative Vielfalt
Neben den etablierten Naturweinlinien entstehen auf dem Weingut immer wieder neue Projekte. Eine jüngere Initiative ist „Michi’s Farm“, eine Reihe biologisch produzierter Naturweine mit bewusst zugänglicher Preisstruktur.
Am anderen Ende des Spektrums steht die Serie „Sodalis“. Der Name verweist auf den lateinischen Begriff für Gefährten und steht sinnbildlich für die Zusammenarbeit mit Pferden im Weinberg. Zwei extreme Lagen bilden hier die Grundlage: Riesling auf sehr trockenem Schotterboden sowie Weißburgunder auf Sandstein. Diese Standorte erzeugen Weine mit ausgeprägter Spannung und eigenständigem Charakter. Perspektivisch soll die Linie durch einen Spätburgunder ergänzt werden.
Stilistische Handschrift und Ausdruck der Weine
Gindls Weine gelten als eigenständig und naturbelassen, zugleich jedoch klar strukturiert und mineralisch geprägt. Die Etiketten greifen häufig Motive aus der Tierwelt des Hofes auf und spiegeln so die enge Verbindung zwischen Landwirtschaft und Weinbau wider. Besonders bekannt ist das Bussard-Motiv der „Buteo“-Weine, das zugleich auf das ökologische Umfeld der Weinberge verweist.
Die Stilistik folgt keinem festen Schema, sondern orientiert sich an der jeweiligen Lage und den natürlichen Gegebenheiten des Jahrgangs. Dadurch entstehen Weine mit großer Individualität, die dennoch den gemeinsamen Ursprung eines biodynamisch arbeitenden Betriebes erkennen lassen.