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Masciarelli
Gianni Masciarelli – ein Pionier zwischen Vision und Tradition
Als Gianni Masciarelli 1981 mit gerade einmal 24 Jahren sein Weingut gründete, verfügte er über drei Hektar Land, praktische Erfahrungen aus einem Sommer in der Champagne und einen unbeirrbaren Willen zur Qualität. Geprägt von seinem Großvater Umberto und beeinflusst von den Praktiken französischer Winzer, distanzierte er sich frühzeitig von der in den Abruzzen weit verbreiteten Pergola-Erziehung.
Stattdessen setzte er auf den Guyot-Schnitt mit hoher Pflanzdichte, reduzierte die Erträge drastisch und baute seine Weine in französischen Barriques aus – ein Novum in der Region. Bereits 1984 stellte er mit dem Villa Gemma Rosso seinen ersten Prestigewein vor, der fortan stilbildend für das Haus sein sollte. 1987 traf er Marina Cvetic, die nicht nur seine Lebenspartnerin wurde, sondern sich auch als geschäftliche Mitstreiterin etablierte. Gemeinsam erschlossen sie neue Märkte, präsentierten ihre Weine auf internationalen Messen und positionierten Masciarelli als Botschafter abruzzesischer Weinqualität.
Kontinuität und Erneuerung durch Marina Cvetic und Miriam Lee
Nach dem plötzlichen Tod von Gianni Masciarelli im Jahr 2008 übernahmen Marina Cvetic und Tochter Miriam Lee die Leitung des Unternehmens. Trotz des persönlichen Verlusts gelang es den beiden Frauen, das Erbe nicht nur zu bewahren, sondern weiterzuentwickeln. Heute bewirtschaftet Masciarelli rund 300 Hektar Weinberge, verteilt auf mehr als 60 Lagen in allen vier Provinzen der Abruzzen: Chieti, Teramo, Pescara und L’Aquila.
Die Betriebsführung erfolgt mit einer bemerkenswert hohen Frauenquote – über die Hälfte der Mitarbeitenden sind weiblich. Miriam Lee wird von ihrer Mutter als „echte Masciarelli DOC“ bezeichnet und bringt neue Impulse ein, ohne die stilistische Linie ihres Vaters zu verlassen. Parallel dazu wurde das Sortiment erweitert: Neben Wein gehören heute auch Olivenöl, Grappa und weitere Lebensmittel zur Produktpalette. Auch das Vertriebsnetz wurde mit „Gianni’s Selection“ um internationale Etiketten ausgebaut. Besonders sichtbar ist das Engagement der Familie auch im Bereich des Weintourismus – etwa durch die Etablierung des Castello di Semivicoli als kulturelles Zentrum.
Nachhaltigkeit bei Masciarelli
Das Weingut verfolgt eine ausgeprägt umweltorientierte Unternehmensphilosophie, die sich in zahlreichen konkreten Maßnahmen widerspiegelt. Das Weingut zählt zu den ersten neun italienischen Betrieben der Branche, die sich dem freiwilligen EMAS-Umweltmanagementsystem der Europäischen Union angeschlossen haben. Zusätzlich ist das Unternehmen nach ISO 14001:2015 zertifiziert.
Der Fokus liegt auf einer kontinuierlichen Verbesserung ökologischer Standards – von der Optimierung des Energie- und Wasserverbrauchs über die systematische Abfalltrennung bis hin zur Reduktion von Emissionen. Die nachhaltige Wirtschaftsweise ist nicht nur ein Lippenbekenntnis, sondern Ausdruck eines langfristig angelegten Verantwortungsbewusstseins gegenüber Region, Umwelt und nachfolgenden Generationen. Das Bewusstsein für den Wert des lokalen Ökosystems ist tief im Selbstverständnis des Weinguts verankert, das sich als integraler Bestandteil seiner natürlichen Umgebung versteht.
Vielfalt als Grundlage
Die geografische Vielfalt der Abruzzen – zwischen Adriaküste und Apenninmassiv – schafft außergewöhnlich differenzierte mikroklimatische Bedingungen, die Masciarelli gezielt nutzt. Die Weinberge liegen teils auf bis zu 500 Metern Seehöhe und profitieren von der Interaktion zwischen maritimen und alpinen Einflüssen.
Die Böden variieren stark: von kalkhaltigen Lehmböden bis zu sandigeren Strukturen, was eine breite stilistische Bandbreite ermöglicht. Insbesondere die Rebsorten Montepulciano und Trebbiano d’Abruzzo profitieren von dieser Komplexität. Gianni Masciarelli war einer der ersten, der das Potenzial dieser autochthonen Sorten erkannte und ihnen mithilfe moderner Anbau- und Ausbauverfahren internationales Format verlieh. Noch heute entsteht ein Großteil der Spitzenweine auf historischen Parzellen rund um San Martino sulla Marrucina, dem Stammsitz des Unternehmens. Doch auch Lagen in entlegeneren Teilen der Region – über vierzehn Gemeinden hinweg – tragen zur sensorischen Tiefe und Vielfalt des Portfolios bei.
Villa Gemma und Marina Cvetic als Aushängeschilder
Innerhalb des breit aufgestellten Sortiments, das fünf Produktlinien umfasst – Classic, Gianni Masciarelli, Villa Gemma, Marina Cvetic und Castello di Semivicoli – ragen primär zwei Kollektionen hervor.
Die Serie Villa Gemma, benannt nach einem frühen ikonischen Wein von 1984, verkörpert die Essenz des Montepulciano d’Abruzzo mit Tiefgang, Struktur und Reifepotenzial. Die Etiketten dieser Linie werden regelmäßig von internationalen Fachmedien gewürdigt und gelten als Benchmark für die Rebsorte.
Marina Cvetic, die nach Giannis Partnerin benannte Linie, spiegelt das internationale Profil des Hauses wider – mit einer stilistischen Brücke zwischen abruzzesischer Identität und globalem Anspruch. Beide Linien verdeutlichen die Philosophie Masciarellis: kompromisslose Qualität, präzise Handarbeit im Weinberg und ein sensibler Ausbau, der das Terroir hörbar macht. Die restlichen Linien decken ein Spektrum ab, das von Einstiegsqualitäten bis hin zu anspruchsvollen Crus reicht, ohne dabei an Konsistenz zu verlieren.
Masciarelli Wein kaufen
Die Entscheidung für einen Wein vom Weingut Masciarelli ist eine bewusste Wahl für Herkunft, Handwerk und Charakter. Kaum ein anderes Weingut der Abruzzen verbindet regionale Identität so konsequent mit internationaler Stilistik. Die Weine spiegeln nicht nur die Vielfalt des abruzzesischen Terroirs wider, sondern auch eine kompromisslose Qualitätsphilosophie, die seit der Gründung im Jahr 1981 unverändert gilt.