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Pierre Amadieu
Das Weingut im Überblick
- Gründung: 1929 durch Pierre Amadieu in Gigondas
- Lage: 137 ha Rebfläche im Nordosten der Appellation Gigondas, Höhenlagen bis 500 m
- Terroir: Komplexe Geologie (Kalk, Mergel, Sandstein), nordwestliche Ausrichtung, alte Reben
- Rebsorten: Grenache, Syrah, Mourvèdre, Cinsault, Clairette u. a.
- Bekannte Cuvées: Domaine Grand Romane, Romane-Machotte, Le Pas de l’Aigle
- Führende Generation: Pierre Amadieu Jr. (seit 1989) mit Onkeln, Cousins und der 4. Generation
- Stilistik: Finesse, Frische, burgundische Eleganz – keine überextrahierten Weine
- Ausbau: Natürliche Keller, darunter historische Anlagen und neue Schwerkraft-Kellerei ab 2026
- Nachhaltigkeit: Bio-zertifizierte Weine seit 2023, Schafbeweidung und manuelle Bewirtschaftung
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Hawesko Expertenmeinung zum Weingut
Weine von Pierre Amadieu verbinden burgundische Finesse mit südlichem Charakter. Sie sind ideal für Kenner, die elegante, terroirgeprägte Crus mit Reifepotenzial suchen. Perfekt für gehobene Gastronomie, ambitionierte Sammler und alle, die Rhône-Weine mit Frische, Tiefe und Herkunft schätzen.
Ursprung mit Handschrift
Die Entstehung des Weinguts fällt in das Jahr 1929, als der damals 19-jährige Pierre Amadieu beschloss, die Weine aus dem kleinen, sieben Hektar umfassenden Familienweingut in Gigondas unter eigenem Namen zu vermarkten. In einer Zeit, in der Eigenabfüllung keineswegs üblich war, war dies ein bemerkenswerter Schritt, der Pierre Amadieu zu einem der ersten Winzer machte, der den Namen der Appellation direkt auf die Flasche druckte. Bereits 1932 erhielt seine Cuvée Clos de la Paillouse eine Goldmedaille im Concours Général Agricole de Paris.
In den 1950er Jahren erwarb Pierre zwei bedeutende Weingüter, Romane und La Machotte, und erweiterte damit den Besitz auf über 130 Hektar Rebfläche. Seine Söhne Jean-Pierre und Claude Amadieu übernahmen ab den 1960er Jahren zunehmend Verantwortung – Jean-Pierre strukturierte den Vertrieb, während Claude sich dem Weinberg und der Vinifikation widmete.
Seit 1989 führt Pierre Amadieu Jr., Agraringenieur und Önologe, das Weingut. Gemeinsam mit seinen Cousins Henri-Claude (Vertrieb), Jean-Marie (Keller und Vinifikation), Marie (Weinshop) sowie seit 2021 auch mit den Brüdern Marc-Pierre und Jean-Gabriel (Qualitätsmanagement und Weinbau) sichert er die Fortführung des Familienerbes. Die jüngste Generation bringt moderne Technik, internationale Erfahrungen und wissenschaftliche Ausbildung in das Unternehmen ein – ohne die Traditionen zu vernachlässigen.
Präzision im Wandel
Die Stilistik der Weine orientiert sich weniger an opulenter Konzentration, sondern vielmehr an burgundischer Eleganz – ein ungewöhnlicher Ansatz im südlichen Rhône-Gebiet. Pierre Amadieu Jr. verfolgt konsequent eine Handschrift, die sich durch Frische, Ausgewogenheit und Langlebigkeit auszeichnet.
Seit Jahrzehnten ist das Weingut Vorreiter in der nachhaltigen Bewirtschaftung. Bereits der Gründer setzte auf Schafbeweidung im Weinberg zur natürlichen Düngung und Begrünung. Heute zeigt sich dieses Umweltbewusstsein in einer Vielzahl konkreter Maßnahmen: Begrenzte Erträge durch strikte Selektion, Handlese, Umstrukturierung alter Rebanlagen, Rebschnitt nach traditioneller Art sowie die Einführung von Massenselektionen, um die genetische Vielfalt der historischen Rebbestände zu bewahren.
Auch baulich setzt man auf Nachhaltigkeit: Eine neue, in Naturstein gebaute Reifekellerei wurde 2019 in Betrieb genommen. 2026 entsteht eine weitere Kelleranlage, die vollständig auf Schwerkraft basiert und eine präzise, parzellengetrennte Vinifikation ermöglicht.
Zwischen Höhen und Marlschichten
Die Weinberge des Guts liegen in einem besonders privilegierten Teil der Appellation Gigondas – auf nord-nordwestlich ausgerichteten Hängen der Dentelles de Montmirail. Mit Höhenlagen von bis zu 500 Metern zählen die Parzellen Romane und Pas de l’Aigle zu den höchsten im gesamten Gebiet. Die kühle Exposition und Höhenlage ermöglichen eine langsame und gleichmäßige Reifung der Trauben, wodurch den Weinen Frische, aromatische Tiefe und Struktur verliehen wird.
Geologisch bietet das Terroir eine seltene Vielfalt: Kretazische Mergel, Kalkgestein, Sandstein, Tonböden und Safres aus dem Miozän bilden eine komplexe Matrix, die für die Ausdrucksstärke der Weine maßgeblich ist. Die Rebsorten Grenache, Syrah, Mourvèdre, Cinsault und Clairette entfalten auf diesen Böden sehr unterschiedliche Charaktere. Die Rebflächen im Südwesten der Appellation bringen durch sandigere Böden und Mourvèdre-Anteil eine ganz eigene, wilde Note in die Assemblagen.
Der Bodenaufbau unterstützt das Wassermanagement entscheidend: Während kalkhaltige Schichten nachts gespeicherte Wärme abgeben, sorgen Mergel und tiefe Lehmböden für eine gleichmäßige Wasserversorgung. Die Kombination dieser Elemente schafft ideale Bedingungen für aromatische Komplexität, Balance und ein langes Reifepotenzial der Weine.
Gigondas in Reinform
Drei Hauptcuvées bilden das Herzstück der Gigondas-Produktion bei Pierre Amadieu: Domaine Grand Romane, Romane-Machotte und Le Pas de l’Aigle. Diese Weine sind jeweils Ausdruck spezifischer Lagen, vinifiziert mit dem Ziel, die Singularität des Terroirs zur Geltung zu bringen.
Domaine Grand Romane kombiniert Syrah, Grenache und Mourvèdre aus alten Rebanlagen in großer Höhe und steht für Tiefe, Struktur und Lagerfähigkeit. Romane-Machotte hingegen spiegelt die kalkhaltigen, kühleren Lagen wider, in denen die Frische und Eleganz im Vordergrund stehen. Die Cuvée Le Pas de l’Aigle, aus den höchsten Parzellen bei über 500 Metern, ist eine Selektion bester Trauben – ein Wein mit markanter Mineralität, Kraft und Raffinesse.
Neben den Gigondas-Crus produziert das Haus auch Weine aus anderen Appellationen wie Cairanne, Châteauneuf-du-Pape, Vacqueyras, Ventoux, Saint-Joseph und Tavel. Besonders hervorzuheben ist die 2019 erworbene Domaine Les Hautes Cances in Cairanne, deren Rebflächen seither sorgfältig in das Qualitätskonzept des Hauses integriert wurden.