Ricasoli

Eines der ältesten Weingüter der Welt

Die Weine des Barone Francesco Ricasoli zählen zu den begehrtesten Gewächsen der Toskana. Sie entstehen auf historischem Terroir, denn das Haus verkörpert 850 Jahre Weinbautradition. In dem monumentalen Castello di Brolio schlug die Geburtsstunde des modernen Chiantis, als Barone Bettino Ricasoli vor über 100 Jahren Sangiovese als den wichtigsten Bestandteil eines Chiantis ausrief, ergänzt durch Canaiolo und Colorino. Weine wie der Chianti Castello di Brolio oder der rare Casalferro werden von den internationalen Kritikern regelmäßig hoch bewertet und gehören zur Qualitätsspitze der Toskana.

Ricasoli

Allrounder der Toskana

An der Familie Ricasoli und ihrem Weingut Castello di Brolio kommt keiner vorbei, der sich auf die Suche nach der Geschichte und der Kultur des Chiantis macht. Mehr noch: ohne den Namen Ricasoli wäre der Chianti schlicht nicht denkbar. Heute spielt Castello di Brolio herausragende Rolle in der Reihe der großen Weingüter der Toskana. Die Weine, die auf dort in Gaiole im Herzen der Chianti Classico Region produziert werden, sind vielschichtig und jeder für sich wiederum so komplex, dass es lange dauern würde, jeden von ihnen in ausreichender Weise zu würdigen.

Ein Grund dafür mag an den sehr verschiedenen Böden liegen, die den Charakter der Trauben prägen. Neben Schiefer und Galestro, also Kalkmergel, sind es auch Sandstein und ­mit Kies und Sand durchsetzte Schwemmböden, die diesem Wein ihren Stempel aufdrücken, ideale Bedingungen für einen guten Chianti Classico. Ein anderer Grund mag in dem Klima und den verschiedenen Höhenlagen liegen, die auf diesem Weingut zu finden sind, sie befinden sich zwischen 200 und 500 Metern über dem Meeresspiegel. Aber es ist nicht nur das Terroir, das diese Vielfalt erklärt. Es ist vielmehr die Tradition, die hier gepflegt wird und die geradezu obsessive Beschäftigung mit dem richtigen Verhältnis vom Boden zur Traube, die der Familie Ricasoli quasi in den Genen liegt und ihre Weine zu ganz besonderen machen. 

Castello di Brolio

Das Castello di Brolio spiegelt die Geschichte der Toskana in etwa so wieder, wie sein Wein die Geschichte des Chiantis. Es ist also naheliegend, wenn das älteste und traditionsreichste Weingut dieser Gegend seinen Flaggschiffwein Castello di Brolio nennt. Der Chianti Classico unter diesem Label, erst recht aber die Riserva und die Gran Selezione gehören Jahrgang für Jahrgang zur Spitze der Produktion im Chianti und sind stilprägend für die ganze Region.

Das Castello wird erstmals im 12 Jhd. erwähnt, seit der Mitte des 12. Jhd. ist es fast ununterbrochen im Besitz der Familie Ricasoli. Die Architektur des imposanten Castellos, das größte in der Toskana, weist auf seine jahrhundertealte Geschichte hin. Seine frühesten Mauern sind in der romanischen Bauweise des hohen Mittelalters gehalten. Dennoch ist das erste, das dem Gast hier auffällt, das neogotische Mauerwerk mit seinen charakteristischen Zinnen. Das Castello in Gaiole in Chianti liegt über 500 Meter hoch und ist aufgrund seiner Lage gut zu verteidigen. Dennoch wirkt es, anders als viele andere Castelli in dieser Gegend, sehr elegant.

Diese Eleganz könnte eine Analogie zu dem Wein sein, der hier seinen Ursprung hat.

Der hoch gelobte Spitzenwein des Hauses Ricasoli

Der Castello di Brolio Chianti Classico Gran Selezione ist in ein Cuvée einem Löwenanteil Sangiovese, ergänzt durch Cabernet Sauvignon und Petit Verdot. Er ist somit ein lebendiger Beweis für die Vielfalt, die auf dem Weingut der Ricasolis angebaut wird, schließlich verheiraten die Kellermeister hier italienische und französische Traubensorten. Er ist aber auch ein Beweis für die guten Bedingungen für die Reben. Die Trauben wachsen in südlicher und südwestlicher Ausrichtung auf einer Höhe zwischen 250 und 450 Metern über dem Meeresspiegel auf sehr steinigen aber wasserreichen Boden. Nach der offenen Maischegärung und dem biologischen Säureabbau wird der Castello di Brolio länger als 18 Monate in französischen Barriques ausgebaut. Typisch für ihn sind die rubinrote Farbe und komplexe Aromen von roter Frucht, Lakritze, Vanille und Schokolade. Mit seinen weichen Tanninen und seinem langen Abgang ist er ein klassischer Vertreter dieses Terroirs. 

Ricasoli heute

Das Castello di Brolio ist das größte und sicher eines der schönsten Schlösser im Gebiet des Chianti Classico. Es ist von 1.200 ha Ländereien umgeben. Auf 235 ha wächst Wein, 26 ha sind Olivenbäumen vorbehalten. Trotz des herausragenden Terroirs ist guter Wein selbst hier kein Selbstgänger. Die Intensivierung des Ertrags unter fremder Leitung ab den sechziger Jahren stellte nicht nur die Qualität in Frage, sondern zog auch die Rebstöcke selbst in Mitleidenschaft. Unter der Regie von Francesco Ricasoli begann man ab 1994 mit einer kompletten Neuanpflanzung der Reben. Dabei setzte man auf eine große Vielfalt, so dass heute neben dem Sangiovese, der mit 150 ha den größten Anteil hat, auch Sorten wie Cabernet Sauvignon, Canaiolo Nero, Chardonnay, Malvasia del Chianti und Merlot im Bestand sind.

Baron Francesco Ricasoli legte auch auf eine hohe Rebstockdichte Wert. Bis zu 6.600 Rebstöcke wachsen inzwischen auf einem Hektar, während die Statuten des Chianti Classico eine Mindestzahl von nur 4.000 Rebstöcken vorsehen. Die Kordonerziehung erfolgt etwa einen halben Meter über dem Boden. Acht Triebe pro Pflanze erlauben die Ernte von einem Kilo Trauben pro Rebstock, wobei die Trauben jeder Parzelle einzeln gelesen und in 200 Kilo fassenden Kisten zur Vinifikation in den Weinkeller gebracht werden. Dadurch kann bei der Vergärung auch das spezifische Bodenklima der einzelnen Parzellen berücksichtigt werden. Bei der Einlagerung der Trauben vertraut man auf die Schwerkraft, die leichte Pressung gewährt die sanfte Extraktion der edelsten Bestandteile.

Aus Tradition achtet man in Castello di Brolio sehr auf das Verhältnis von Böden und Trauben. Schon Bettino Ricasoli ging mit wissenschaftlicher Akribie an die Kreation von Weinen heran. Noch heute arbeitet das Weingut sehr eng mit den Instituten für Weinwissenschaft und Bodenkunde der Universität Florenz zusammen. Auch der Weinkeller schien dem Baron 1994 nicht mehr zeitgemäß. Heute kombiniert die Kellerei einen ausgewogenen Mix zwischen Alt und Neu, Edelstahl und Eichenholzfasslagerung. Sie ist so angelegt, dass sie den Anforderungen an die individuelle Vinifikation der einzelnen Rebsorten und Parzellen perfekt entspricht. 

Bettino Ricasolis prägender Einfluss auf das Chianti

Die bewegte Geschichte des Chiantis könnte man gut nur anhand dieses einen Weinguts schreiben. Der wichtigste Name ist allerdings der des Politikers und Wissenschaftlers Bettino Ricasoli. Mitte des 19. Jahrhunderts begann er, sich intensiv mit dem Weinanbau zu beschäftigen. Knapp 30 Jahre forschte er an einheimischen und vor allem auch französischen Trauben nach einer idealen Kombination für einen Wein, der den damals vorherrschenden französischen Kellereien Paroli bieten konnte. 1872 hatte er das Rezept fertig. Der ideale Chianti, so schrieb er seinem Freund, bekäme seine Stärke von der Sangiovese Traube und eine gewisse Lieblichkeit von der Canaiolo Traube, die die Härte der ersteren etwas abmildere. Als dritte Komponente empfahl er die Malvasia Traube, die ihn besser für das tägliche Mahl geeignet erscheinen lasse. Für eine längere Lagerung könne aber auf diese verzichtet werden.

Obwohl sich die heutige Rezeptur recht deutlich von seinem Vorschlag unterscheidet, bleibt der Chianti Classico bei einem hohen Anteil von Sangiovese. Die Statuten schreiben heute für einen Chianti Classico neben der geographischen Herkunft einen minimalen Anteil von 80% Sangiovese vor. Die übrigen Trauben können italienische aber auch andere Rotweintrauben sein, wobei es inzwischen zulässig ist, einen reinsortigen Chianti Classico anzubieten. Seit 2014 gibt es neben dem Chianti Classico DOCG und der Riserva noch eine dritte Qualitätsstufe, die Gran Selezione. Es ist sicher der Anspruch der Familie Ricasoli, auch in diesem Segment einen Wein anbieten zu können: Der Chianti Classico Castello di Brolio Gran Selezione von 2013 hätte, obwohl er auch französische Trauben enthält, sicher auch Bettino Ricasoli geschmeckt. 

Die Weingeschichte der Barone di Ricasoli

Die Geschichte der Ricasoli lässt sich bis in die Zeit Karls des Großen zurückverfolgen. Ähnlich lang ist die Geschichte des Weinbaus auf diesem Gut. Im 17. Jahrhundert produzierte man in Castello di Brolio Wein, weit über die Grenzen Italiens hinaus verschifft wurde. Allerdings verfiel durch die Wirren nach den Napoleonischen Kriegendas Exportgeschäft mit toskanischem Wein der Toskana. Gegen die Überlegenheit der französischen Weine konnten sich die italienischen Winzer nicht durchsetzen.

Das Risorgimento der italienischen Nation ging mit der Wiederbelebung des Weinbaus in der Toskana einher. Der Grund dafür liegt auch in der engen Beziehung von Bettino Ricasoli mit den politischen Protagonisten wie dem späteren König Vittorio Emanuele. Nach 1860 bekleidete Ricasoli mehrere Jahre ein Ministeramt in der jungen italienischen Regierung. Ricasoli, den man aufgrund seiner strengen und klugen Politik auch den eisernen Baron nannte, war aber nicht nur ein akribischer Forscher und umsichtiger Politiker. Der Durchbruch gelang ihm auch aufgrund der Investition in die Infrastruktur und einer cleveren, fast schon modern anmutenden Vermarktungsstrategie. Als er 1880 starb, hinterließ er seiner Familie ein erfolgreiches Weingut und dem Chianti eine vielversprechende Zukunft.

Francesco Ricasoli, der 32. Baron Ricasoli, steht deutlich in der Tradition des eisernen Barons. Als er 1993 das Weingut übernahm, war er noch Werbefotograf und hatte mit Wein nicht sonderlich viel zu tun. Trotzdem schaffte er es binnen kürzester Zeit, das heruntergekommene Weingut nach den Jahren der extensiven Misswirtschaft wieder auf den richtigen Weg zu bringen. Die Wiederbelebung der Weinkultur der Toskana vom billigen Wein in Bastflaschen zum weltweit anerkannten und viel gefragten Chianti Classico hat er zwar nicht angestoßen. Aber mit seiner umsichtigen Art, das Weingut zu führen, doch wesentlich mitgeprägt.

Das Castello di Brolio in der Weinpresse

Das Weingut und seine Produkte werden in der Presse immer wieder gefeiert. 2008 erkor der „Wine Enthusiast“ Carlo Ferrini, den Önologen des Castello di Brolio zum Winemaker of the Year. Auch „The Wine Advocate“ schrieb 2015 begeistert über den Wein der Familie Ricasoli: „The blending formula for making wines in the Chianti area was invented by Bettino Ricasoli and the beautifully imposing Castello di Brolio is an architectural symbol of the entire Chianti Classico region.“ Aber nicht nur das Weingut, sondern auch der Wein gefällt. Das deutsche Magazin „Weinkenner“ stufte 2016 gleich drei Weine vom Castello di Brolio in die Top Ten ein, wobei der Colledilà Chianti Classico Gran Selezione DOCG aus dem Jahr 2013 aus 100% Sangiovese der zweitbeste Rotwein insgesamt wurde. Das italienische Weinmagazin „Gambero Rosso“ verlieh dem Colledilà mit drei Gläsern die Höchstwertung. Auch andere Weine erreichen Spitzenbewertungen. Der Brolio Chianti Classico DOCG Reserva mit 80 % Sangiovese, 15 % Merlot und 5 % Cabernet Sauvignon bewegt sich über die Jahre hinweg auf über 90 Punkten bei allen renommierten Magazinen. Natürlich schmeckt auch der Flaggschiffwein Castello di Brolio Chianti Classico DOCG Gran Selezione den Kritikern. Er bekam 92/94 Punkte von „The Advocate“ und 92 vom „Wine Spectator“.