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Elio Altare
Das Weingut im Überblick
- Gründung: 1948 durch Giuseppe Altare, ursprünglich aus Dogliani
- Lage: La Morra, im Herzen der Barolo-Region im Piemont
- Flächen: ca. 12 ha Rebfläche
- Rebsorten: 40 % Nebbiolo, 25 % Dolcetto, 25 % Barbera, 5 % Cabernet Sauvignon, 4 % weitere rote Sorten
- Produktion: rund 60.000–70.000 Flaschen jährlich
- Philosophie: naturnahe Bewirtschaftung ohne Herbizide/Pestizide, keine Reinzuchthefen, keine Filtration
- Vinifikation: Spontangärung, malolaktische Gärung im Holz, Verzicht auf Schönung und Filtration
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Hawesko Expertenmeinung zum Weingut
Die Weine von Elio Altare verbinden Eleganz mit Tiefe und sind Ausdruck eines radikalen Qualitätsdenkens. Für Kenner, die authentische Baroli mit burgundischer Finesse suchen, sind sie ein Muss. Limitiert, präzise und charaktervoll – ideal für anspruchsvolle Genießer, die Weine mit Haltung und Herkunft schätzen.
Ein radikaler Neuanfang
Als Giuseppe Altare 1948 aus Dogliani nach La Morra übersiedelte und das heutige Weingut erwarb, war die Region wirtschaftlich gezeichnet und der Weinbau noch von der Tradition der gemischten Landwirtschaft durchzogen. Die Rebflächen – überwiegend mit Nebbiolo, Barbera und Dolcetto bestockt – teilten sich den Boden mit Obstbäumen, die damals wirtschaftlich tragender waren als der Weinbau. Der Wandel begann mit Elio Altare, geboren 1950, der sich 1976 mit einigen gleichgesinnten Barolisti aufmachte, um im Burgund zu lernen, was Qualität im Wein ausmacht.
Zurück in La Morra, ließ Elio keine Zweifel an seiner neuen Ausrichtung: Obstbäume fielen der Motorsäge zum Opfer, traditionelle Holzfässer wurden zu Brennholz verarbeitet – zugunsten der ersten Barriques. Der Umbruch war nicht ohne Konsequenzen: Sein Vater Giovanni konnte diesen Kurs nicht mittragen, was schließlich zur familiären Entzweiung und Enterbung führte.
Doch Elio gab nicht auf. Er kaufte das Weingut von seinen Geschwistern zurück und prägte fortan mit innovativer Technik, rigider Ertragsregulierung und stilistischer Klarheit einen neuen Barolo-Typus. Heute führt Silvia Altare, seine älteste Tochter, den Betrieb – unterstützt vom japanischen Kellermeister Tesu Cyo – und setzt damit konsequent fort, was Elio einst revolutionierte.
Purismus, Natürlichkeit und Verantwortung
Im Zentrum der Philosophie des Weinguts Elio Altare steht der Respekt gegenüber Natur, Mensch und Region. Die Familie verzichtet bewusst auf Bio-Zertifikate oder biodynamische Siegel, nicht aus Ablehnung, sondern aus Überzeugung: Die Bewirtschaftung folgt traditionellen Methoden, wie sie seit Jahrhunderten im Piemont praktiziert wurden – angepasst an die heutigen Anforderungen an Nachhaltigkeit und Gesundheit.
Der Verzicht auf Herbizide, Pestizide oder systemische Fungizide ist selbstverständlich; stattdessen werden ausschließlich Kupferpräparate und organischer Kuhmist eingesetzt. Die Lese erfolgt streng selektiv und ausschließlich per Hand. Auch im Keller setzt sich diese Philosophie konsequent fort: Es kommen keine Reinzuchthefen zum Einsatz, die Gärung erfolgt spontan mit den natürlichen Hefen der Trauben. Die Weine werden weder geschönt noch filtriert. Auch beim Schwefelgehalt liegt man weit unter den gesetzlichen Grenzwerten.
Dieser kompromisslose Purismus in Weinberg und Keller ist kein modischer Stil, sondern Ausdruck eines über Jahrzehnte gewachsenen Verständnisses für Terroir, Gesundheit und Authentizität. Die Altare-Weine sind somit mehr als Produkte – sie sind das Resultat eines ethischen Ansatzes, der Natur und Mensch in den Mittelpunkt stellt.
Barolo, La Morra und das Terroir der Altare-Weine
Die Lagen, auf denen Elio Altare seine Weine erzeugt, gehören zu den prestigeträchtigsten im gesamten Barolo-Gebiet. La Morra, wo das Weingut ansässig ist, steht für elegante, duftige und strukturierte Baroli – ein Stil, den Elio Altare maßgeblich geprägt und weiterentwickelt hat. Insgesamt werden rund zwölf Hektar bewirtschaftet, fünf davon sind gepachtet. Die Rebflächen verteilen sich auf 40 % Nebbiolo, 25 % Barbera, 25 % Dolcetto sowie kleinere Parzellen mit Cabernet Sauvignon und weiteren autochthonen Rebsorten.
Die Weinberge werden in der Guyot-Erziehung mit einer Pflanzdichte von 4.000 bis 6.000 Stöcken pro Hektar kultiviert. Die Bearbeitung erfolgt teils mechanisch, teils mit Einsaaten zwischen den Reihen, um Erosion zu verhindern und die Biodiversität zu fördern. Die Lese beginnt im September und endet meist Mitte Oktober. Je nach Parzelle werden zwischen 20 und 50 Hektoliter pro Hektar geerntet – ein klarer Hinweis auf die rigorose Ertragsreduktion, für die Altare bekannt ist.
Die Lagen Arborina, Cannubi und Cerretta zählen zu den Aushängeschildern des Weinguts. Besonders der Barolo Cerretta Vigna Bricco aus Serralunga d’Alba überzeugt durch kräftige Tannine und ausgeprägte Mineralität – ein Wein, der erst nach zwei Jahren zusätzlicher Flaschenreife den Keller verlässt. Die Weine tragen so nicht nur die Handschrift der Familie, sondern auch den Charakter ihrer Herkunft.
Kultweine mit klarer Handschrift
Das Weingut Elio Altare ist heute vor allem für seine Baroli bekannt, deren Stil – elegant, zugänglich, gleichzeitig langlebig – maßgeblich das moderne Verständnis dieser Weine geprägt hat. Im Zentrum stehen dabei der Barolo Arborina, Barolo Cannubi, Barolo UnoPerUno sowie der Barolo Cerretta Vigna Bricco.
Der Arborina stammt aus der gleichnamigen Lage in La Morra und ist ein Paradebeispiel für die geschliffene, präzise Handschrift der Altare-Schule. Der Cannubi-Barolo, seit 2011 im Sortiment, entstammt der vielleicht berühmtesten Lage des gesamten Barolo-Gebiets und wird in kleinster Menge – nur rund 1.500 Flaschen jährlich – produziert. Der UnoPerUno ist ein radikal handwerklicher Ansatz: Hier werden die Trauben einzeln von Hand entrappt – eine Methode, die bereits 1986 beim Barbera „Larigi“ erprobt wurde.
Der Langhe Rosso „Larigi“ (100 % Barbera), der „La Villa“ (Barbera & Nebbiolo) sowie der reinsortige Langhe Nebbiolo ergänzen das hochwertige Portfolio. Der frühere Brunate-Barolo wurde 2011 zum letzten Mal vinifiziert – ein Rückzug, der Platz für neue Projekte machte. Mit der Cuvée „L’Insieme“ bietet das Weingut auch einen Wein ohne Herkunftsbezeichnung an – Ausdruck kreativer Freiheit in einem sonst regulierten System.
Elio Altare als Ikone des modernen Barolo
Kaum ein Name ist so eng mit dem Aufbruch des Piemont in die Moderne verbunden wie jener von Elio Altare. Was mit einer Kettensäge und dem Mut zur Veränderung begann, entwickelte sich zu einer Bewegung, deren Impulse bis heute nachwirken. Altare war der erste, der Barolo radikal reduzierte, in Barriques reifen ließ und somit früh zugänglicher machte – eine Revolution in einer Region, die sich bis dahin über Langlebigkeit und Strenge definierte.
Elio Altare ist längst mehr als nur Winzer – er ist Symbolfigur, Mentor und Legende. Und auch wenn er sich heute neuen Projekten widmet – vom Weinbau in Ligurien über Käseherstellung in Castelmagno bis hin zur Sektproduktion aus der autochthonen Rebsorte Liseiret – bleibt sein Einfluss ungebrochen. Mit Silvia an der Spitze ist die Kontinuität des Weinguts gesichert, und die nächste Generation steht bereit, um das Altare-Erbe in die Zukunft zu tragen.