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Robbe & Berking Silbermanufaktur
Die Flensburger Silbermanufaktur im Überblick
- Gründung: 1874 in Flensburg durch Nicolaus Christoph Robbe
- Führung: Oliver Berking (5. Generation), seit 2023 gemeinsam mit Lilli Berking (6. Generation)
- Materialien: 925/000 Sterlingsilber und 150g-Massivversilberung, ergänzend Edelstahl
- Kollektion: über 4.000 silberne und versilberte Arbeiten, mehr als 25 Besteckmodelle
- Bekannte Modelle: Alta, Alt-Kopenhagen, Art Deco, Belvedere, Martelé, Navette, Riva, Sphinx
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Von der Werkstatt in der Angelburger Straße zum Familienunternehmen in sechster Generation
Als sich der damals arbeitslose Gold- und Silberschmied Nicolaus Christoph Robbe (1843–1916) nach Gesellenjahren 1874 in Flensburg selbstständig machte, lebte er mit seiner Frau Luise von Reparaturen und Gravuren für Juweliere der Umgebung. Der entscheidende Impuls kam 1897 mit dem Silberschmiedemeister Robert Berking (1872–1908) aus Braunschweig, der sich in Robbes Tochter Henriette verliebte, sie heiratete und sich mit seinem Erbe von 3.000 Mark zur Hälfte beteiligte; von ihm stammt der Leitsatz „Andere mögen billiger, aber niemand darf besser sein als wir“.
Nach seinem Badeunfall in der Flensburger Förde führten Henriette Berking, ihr Vater und ihr Bruder Arnold Robbe das Haus weiter, bis 1925 Theodor Berking (1899–1964) übernahm und die Werkstatt zu einer Manufaktur mit etwa 100 Mitarbeitenden ausbaute. Robert Berking (1931–2022) machte das Unternehmen ab 1958 zu Europas größtem Hersteller silberner Bestecke, ehe 1985 Oliver Berking (*1962) einstieg, 1997 die Leitung übernahm und 2023 Lilli Berking (*1994) als sechste Generation an seine Seite trat.
Manu factum: Wie in Flensburg aus Silberblech ein Besteck entsteht
Der Anspruch der Manufaktur formuliert sich in zwei Worten: manu factum, mit der Hand gemacht. Nicht die Taktzeiten einer Großserienfertigung, sondern die Arbeit der Silberschmiedemeister bestimmt Form und Qualität, weshalb bis zu einem fertigen Besteckteil mehr als 40 Arbeitsgänge nötig sind – ausstanzen, walzen, schmieden, schleifen, polieren und von Hand gravieren, vielfach mit Werkzeugen und Abläufen, die sich seit Generationen kaum verändert haben. Oliver Berking beschreibt das so: „Wenn mein Ururgroßvater heute durch den Betrieb ginge, würde er das Allermeiste wiedererkennen.“
Entgegen dem Branchentrend wurde die handarbeitsintensive Fertigung nie in Niedriglohnländer verlagert; alle silbernen und versilberten Arbeiten entstehen in Flensburg. Konsequent ist auch die Materialwahl: Seit 1998 verzichtet das Haus auf 800er Silber und die verbreitete 90g-Versilberung und fertigt ausschließlich in 925er Sterlingsilber oder in der 1969 selbst entwickelten 150g-Massivversilberung mit um zwei Drittel stärkerer Silberauflage. Die seit 1991 schriftlich zugesagte Nachkaufgarantie – inzwischen bis 2040 – hält jedes Modell über Jahrzehnte ergänzbar.
Flensburg an der Förde: Standort, maritime Prägung und der Weg zur Werft
Der Standort ist mehr als eine Adresse. Nach Stationen in der Angelburger Straße und der Sophienstraße zog die Manufaktur 1956 in ein größeres Gebäude in der Straße Zur Bleiche, wo sie bis heute ihren Hauptsitz hat und 1992 Verwaltung und Präsentationsräume erweiterte; 1992 kam zudem eine eigene Corpus-Werkstatt für Tafelgeräte hinzu.
Flensburg liegt an der Förde, und diese maritime Umgebung hat das Haus sichtbar geformt: Seit 1995 richtet Robbe & Berking den Sterling Cup für klassische Yachten aus, aus dem 2008 die Yachtwerft Robbe & Berking Classics hervorging, in der ausschließlich Holzyachten gebaut und restauriert werden. Zu dieser maritimen Welt gehören das 2016 eröffnete Yachting Heritage Centre mit der größten Yachtsportbibliothek der Welt und der Yachtmakler Baum & König. Seit 2025 öffnet die Manufaktur ihre Türen für Führungen, 2021 entstand der von den Bootsbauern der Werft gefertigte Barwagen.
Die bekanntesten Kollektionen von Robbe & Berking
Das Sortiment umfasst über 4.000 silberne und versilberte Arbeiten, doch einige Besteckmodelle prägen das Bild des Hauses besonders. Aus der Feder von Robert Berking stammen Alt-Kopenhagen, Arcade, Avenue, Belvedere, Classic-Faden, Dante, Eclipse, Martelé und Navette; Belvedere und Martelé gelten heute als Klassiker der Nachkriegszeit und sind unverändert gefragt. Theodor Berking entwarf das Muster Art Deco, das die Formensprache seiner Zeit aufnimmt.
Mit Alta begann 1983 die Zusammenarbeit mit dem Hamburger Silberschmied Wilfried Moll, aus der weitere Besteck- und Tafelgerätentwürfe hervorgingen. Hinzu kommen Modelle wie 12", Alt-Chippendale, Alt-Faden, Alt-Spaten, Französisch-Perl, Gio, Hermitage, Metropolitan, Ostfriesen, Riva, Rosenmuster, Spaten, Sphinx und Viva sowie Edelstahllinien wie Atlantic, Baltic, Pax oder Scandia. Ergänzt wird das Programm durch Tafelgeräte, Bar-Kollektionen, Jahreslöffel als Sammelobjekte und seit 2020 die Box als neue Form der Silberaufbewahrung.
Weltmarktführer, Partner des Jahres und Silber für Maybach: die Reputation von Robbe & Berking
Die Arbeiten der Manufaktur gelten unter Kennern als Maßstab der Silberschmiedekunst, und die Belege dafür sind konkret: Seit 1990 wird Robbe & Berking vom Fachhandel für den schön gedeckten Tisch regelmäßig zum „Partner des Jahres“ gewählt, das Lexikon der deutschen Weltmarktführer führt das Haus, und in Studien zu deutschen Luxusmarken belegt es seit Jahren vordere Plätze. Silber aus Flensburg liegt in Luxushotels, Botschaften, Residenzen, auf Kreuzfahrtschiffen und in mehr als der Hälfte der 200 größten Privatyachten der Welt.
Der seit 2008 erscheinende hauseigene Restaurantführer DIE BESTEN versammelt über 300 Adressen mit mehr als 170 Michelin-Sternen. Marken wie Mercedes-Maybach setzen seit 2002 auf Silber der Manufaktur, 2013 entstand mit BMW ein silberverziertes 7er-Fahrzeug, und 2025 folgte ein limitierter Barkoffer mit RIMOWA. Auch Film und Presse griffen zu: Riva neben Cate Blanchett in der New York Times, das silberne Schachspiel im Spielfilm „Inside“.