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Col d'Orcia

Col d’Orcia ist eines der ältesten Weingüter Montalcinos und seit 2010 vollständig biologisch zertifiziert. Mit 108 Hektar Sangiovese-Reben zählt es zu den größten Produzenten der Region. Das Weingut verbindet historische Tiefe, nachhaltige Bewirtschaftung und wissenschaftlich fundierte Innovation auf höchstem Niveau.

 

Col d'Orcia

Das Weingut im Überblick

  • Gilt als eines der historischsten Weingüter in Montalcino
  • Seit 1973 im Besitz der Familie Cinzano aus dem Piemont
  • Seit August 2010 komplett biologisch zertifiziert, bezeichnet sich selbst als „Organic Island in Montalcino“
  • Mediterranes Klima, sonnig, trocken, mit Meeresnähe (ca. 35 km zur Küste)
  • 144 Hektar Fläche mit Reben bepflanzt, 100 davon mit Sangiovese
  • Alle Trauben werden ausschließlich von Hand geerntet


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Hawesko Expertenmeinung zum Weingut

Die Weine von Col d’Orcia vereinen die Kraft des toskanischen Terroirs mit präziser Handwerkskunst und nachhaltiger Überzeugung. Wer charaktervolle, tiefgründige Brunelli mit Herkunft und Haltung sucht, findet hier authentische Klassiker.


Von den Ursprüngen bis zur Gegenwart

Die Wurzeln von Col d’Orcia reichen bis in das Jahr 1890 zurück, als die Familie Franceschi aus Florenz das Anwesen, damals bekannt als Fattoria di Sant’Angelo in Colle, erwarb.

Bereits 1933 präsentierte das Weingut seine Brunelli auf der Weinmesse von Siena – Jahrzehnte bevor Brunello als Spitzenwein internationale Anerkennung fand. Im Jahr 1958 kam es zur Teilung des Familienbesitzes zwischen den Brüdern Leopoldo und Stefano Franceschi. Letzterer benannte seinen Teil des Weinguts nach der geographischen Lage über dem Fluss Orcia: Col d’Orcia.

Nach einer Heirat in das spanische Königshaus veräußerte Stefano Franceschi das Gut 1973 an die piemontesische Familie Cinzano, die zu dieser Zeit bereits im Spirituosengeschäft aktiv war. Unter der Leitung von Graf Alberto Marone Cinzano begann eine sukzessive Expansion der Rebflächen, die sein Sohn Francesco Marone Cinzano ab 1992 fortführte. Heute zählt Col d’Orcia zu den größten Besitzern von Brunello-Rebflächen und gilt als bedeutende Instanz in der Weinlandschaft von Montalcino.


Col d’Orcia als biologische Insel

Das Jahr 2010 markiert einen Wendepunkt in der Philosophie des Hauses: Seitdem ist das gesamte Anwesen – einschließlich Weinberge, Olivenhaine, Felder und Gärten – offiziell als biologischer Betrieb zertifiziert.

Man bezeichnet sich zu Recht als „organic island in Montalcino“, denn kein anderes Weingut in der Toskana wirtschaftet auf dieser Fläche vollständig biologisch. Die Landwirtschaft erfolgt ausschließlich nach ökologischen Richtlinien, wodurch Biodiversität, Bodengesundheit und nachhaltige Kreisläufe gefördert werden. Begrünung, selektive Lese, reduzierte Erträge und das vollständige Ausreifen der Trauben am Rebstock sind Teil eines ganzheitlichen Konzepts, das auf Langlebigkeit und Qualität abzielt.

Diese Herangehensweise findet auch in der Vinifikation ihren Ausdruck: Vom streng kontrollierten Handerntezeitpunkt über die temperaturgesteuerte Gärung bis hin zur Fassreifung unterliegt jeder Schritt einem präzisen Regelwerk.


Geografie und Terroir

Die Weinberge liegen auf den südlichen Hängen des Montalcino-Gebiets in der Toskana, erstrecken sich bis zum Dorf Sant’Angelo in Colle und reichen hinunter zum Fluss Orcia. In Höhenlagen von bis zu 450 Metern über dem Meeresspiegel profitieren die Reben von einem ausgewogenen Mikroklima.

Der Monte Amiata im Osten dient als natürliche Wetterschutzbarriere, während vom Westen milde Einflüsse des Tyrrhenischen Meeres spürbar sind. Die Böden sind locker, kalkreich, arm an Ton und durchsetzt mit mineralischen Bestandteilen – ideale Voraussetzungen für komplexe, strukturierte Weine.

Die Region ist weitgehend frei von Nebel, Spätfrost und extremer Witterung, während stetige Luftbewegungen für gesunde Rebanlagen sorgen. Die mediterrane Klimazone mit konzentrierten Niederschlägen im Frühjahr und Spätherbst sowie einer langen Sonnenscheindauer während der Vegetationsperiode unterstützt eine gleichmäßige Reifung der Trauben.


Brunello, Poggio al Vento und mehr

Mit einer Gesamtfläche von 144 Hektar Rebfläche, davon allein 100 Hektar mit Sangiovese für Brunello und Rosso di Montalcino bepflanzt, stellt Col d’Orcia ein beachtliches Sortiment her. Flaggschiff des Hauses ist der Brunello di Montalcino Riserva „Poggio al Vento“, dessen Name und Herkunft – ein einzelner Weinberg – bereits auf höchste Selektion und Terroir-Ausdruck hinweisen.

Weitere Rebsorten wie Cabernet Sauvignon (11 ha), Merlot (5 ha), Chardonnay (3 ha) und Moscadello (3 ha) ergänzen das Portfolio. Besonderes Augenmerk gilt auch autochthonen Sorten wie Ciliegiolo und experimentellen Anpflanzungen wie Petit Verdot und Syrah.

Die Vinifikation erfolgt ausschließlich mit eigenen Trauben oder unter strenger Kontrolle auf Partnerflächen. Jeder Schritt – von der Reberziehung bis zur Flaschenreife – zielt auf die Wahrung der Herkunft und die Definition eines unverwechselbaren Weinstils ab. Die Kellertechnik kombiniert moderne Gärtechnologie mit traditioneller Holzreifung in großen Fässern aus slawonischer und französischer Eiche sowie Barriques in unterschiedlichen Größen.


Innovation im Dienste der Rebe

In enger Zusammenarbeit mit der Universität Florenz betreibt das Weingut seit Jahrzehnten Forschung zur Optimierung des Weinbaus. Im Fokus steht insbesondere die Rebsorte Sangiovese, deren klonale Vielfalt das Weingut systematisch analysiert. Bereits 1980 begann im Weinberg Poggio al Vento ein langfristiges Projekt zur Klonenselektion, das 2003 zur Zulassung der Klone SG-CDO-4 und SG-CDO-5 führte, gefolgt von SG-CDO-8 im Jahr 2011.

Diese Klone wurden der gesamten Brunello-Gemeinschaft zur Verfügung gestellt, als Beitrag zur qualitativen Weiterentwicklung der Region. Weitere Forschungsprojekte beschäftigen sich mit Pflanzdichte, Unterlagenauswahl und Begrünungsstrategien. Ziel ist stets, das Gleichgewicht zwischen Rebe und Standort zu maximieren. Auch Themen wie Grüne Lese, Kronenmanagement, Schnitttechniken im Winter und die klonale Selektion von Moscadello werden aktiv untersucht.