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Weingut St. Antony

Riesling vom Roten Hang

„Wer ein von Steillagen geprägtes Weingut zertifiziert ökologisch bearbeitet, muss ein bisschen verrückt sein“, sagt Dirk Würtz, Geschäftsführer von St. Antony – und bringt damit den Pioniergeist des Weinguts auf den Punkt. Seit den 1960er Jahren ist St. Antony stilprägend für Spitzenweine aus Rheinhessen. Heute bewirtschaftet das Team um Dirk Würtz rund 60 Hektar Rebfläche, darunter 15 Hektar spektakuläre Steillagen am Roten Hang. Nahezu alle Weinberge sind nach Demeter-Richtlinien klassifiziert, die Hälfte davon sind Große Lagen. Auf renommierten Parzellen wie Pettenthal und Orbel entstehen Rieslinge von Weltrang, die St. Antony zu einem der angesehensten Weingüter in Deutschland machen.

 
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St. Antony Weingut

Von der Eisenhütte zum Weingut

Die Geschichte von St. Antony beginnt lange vor dem ersten Wein – im Jahr 1758 mit der Gründung einer Eisenhütte südlich von Nierstein. Das kalkreiche Terroir am Roten Hang lieferte damals den Rohstoff für die „Gute Hoffnungshütte“, aus der später das Weingut hervorging. Nach dem Ersten Weltkrieg brach die Nachfrage nach Eisen massiv ein. Gleichzeitig erkannte man das enorme Potenzial Rheinhessens für den Weinbau: 1920 wurde das Weingut offiziell gegründet.

Heute zählt St. Antony zu den traditionsreichsten Weingütern der Region und bewirtschaftet rund 60 Hektar Rebfläche, vor allem in den Spitzenlagen des Roten Hangs. Seit 1990 ist St. Antony VDP-Mitglied, seit 2006 arbeitet das Gut zertifiziert ökologisch,. Mitdem Jahrgang 2018 folgte die Demeter-Zertifizierung. 

„Innovation ist ohne Tradition nicht möglich. Die Tradition ist das Wertgerüst und die Erfahrung“, sagt Geschäftsführer Dirk Würtz, der im Weinberg auf Handarbeit setzt – seit 2019 vollständig in den Steillagen. Im Keller entstehen spontan vergorene Weine mit minimalinvasiver Handschrift, um den Herkunftscharakter zu bewahren.

 

Reben lieben Rotschiefer

Der Rote Hang ist berühmt für charakterstarke Gewächse, die Tiefe, Eleganz und eine bemerkenswert moderate Säure vereinen. Besonders der Riesling zeigt hier seine ganze Klasse: Die spät reifende Rebsorte bringt die mineralischen und geologischen Besonderheiten der Steillagen präzise zum Ausdruck. Wer St. Antony kennenlernen möchte, beginnt am besten mit dem Rotschiefer-Riesling – der mineralischen Visitenkarte des Hauses aus den Grand-Cru-Lagen Niersteins.

Neben Riesling spielen Spätburgunder und Blaufränkisch eine zentrale Rolle. Vor allem der Blaufränkisch entfaltet auf dem roten Schiefer eine faszinierende Verbindung aus Finesse, Würze und Konzentration. Die Pinot Noirs überzeugen mit kraftvoller Eleganz und feiner Rauchigkeit. 

 

Mosaik einzigartiger Spitzenlagen

Der Rote Hang ist eine geologische Ausnahmeerscheinung direkt am Rhein – geprägt von rotem Schiefer, Kalk, Ton, Schluff und Sandstein. Kein anderes Weingut besitzt hier so umfassende Flächen wie St. Antony: Von Nackenheim mit dem Rothenberg über Pettenthal, Brudersberg, Hipping und Ölberg bis hin zu Orbel und Schloss Schwabsburg bewirtschaftet das Gut ein Mosaik einzigartiger Spitzenlagen.

Im Zentrum steht der Riesling. Er liebt die kargen, steilen Hänge, in denen sich der rote Schiefer stark erwärmt und zusammen mit der Ost- bis Südostexposition eines der wärmsten und trockensten Mikroklimata Deutschlands schafft. Besonders das Pettenthal – mit rund 10 Hektar wichtigster Besitz und einer der steilsten Weinberge Rheinhessens – liefert kraftvolle, lagerfähige Rieslinge, die wegen ihrer Struktur oft als „Burgunder unter den Rieslingen“ beschrieben werden.

Der Brudersberg als Monopollage zeigt trotz voller Südausrichtung erstaunliche Eleganz und Langlebigkeit, während der kühle Hipping – besonders die Lage „Käferberg“ – präzise Weine hervorbringt. Der Orbel wiederum sorgt mit nächtlicher Kaltluftzufuhr für eine markant lebendige Säure und besondere Frische.

Auch Kalklagen wie der Zehnmorgen oder windoffene Bereiche wie der Paterberg ergänzen das Portfolio und erweitern die stilistische Bandbreite. So entstehen am Roten Hang Weine mit unverwechselbarer Herkunft, geprägt von Spannung, Mineralität und außergewöhnlicher Tiefe.

 

Ausgezeichnete Ausstrahlung

St. Antony zählt seit Jahren zu den am meisten ausgezeichneten Weingütern Rheinhessens und ist in nahezu allen führenden Weinführern fest etabliert. Bereits früh bestätigten renommierte Kritiker den Aufstieg des Betriebs: Gault Millau vergab 2010 drei Trauben mit dem Hinweis, das Weingut gehöre „zweifelsohne zu den Aushängeschildern am Roten Hang“. Im selben Jahr würdigte der Eichelmann die „starke Kollektion“ mit vier Sternen. Internationale Stimmen wie die Jancis Robinson sowie die Financial Times zählten St. Antony zu den besten Weingütern Deutschlands.

Die Weine selbst werden regelmäßig hoch bewertet und in Fachmedien wie Falstaff oder Der Feinschmecker als Referenzen für Herkunft und Stilistik hervorgehoben. Besonders der Blaufränkisch sorgt seit Jahren für Aufmerksamkeit und wird als eigenständige Interpretation dieser Rebsorte in Rheinhessen gewürdigt, während Rieslinge aus Grand-Cru-Lagen immer wieder Spitzenbewertungen erzielen.

In aktuellen Verkostungen und Wettbewerben bleibt St. Antony konstant im Spitzenfeld vertreten. Der Vinum-Weinguide zeichnet das Weingut seit der Ausgabe des Jahres 2023 mit vier von fünf Sternen aus. Die anhaltende Anerkennung basiert dabei nicht nur auf den großen Lagen am Roten Hang, sondern generell auf der konsequenten Handschrift und kompromisslosen Qualitätsphilosophie. 

 

Die Philosophie von St. Antony

Große Weine entstehen dort, wo Haltung und Konsequenz den Weg bestimmen. St. Antony hat sich genau diesem Anspruch verschrieben: Dirk Würtz und sein Team wollen die originäre Herkunft jeder Lage sichtbar machen und die Eigenheiten der Weinberge unverfälscht im Wein erlebbar machen. Jegliche Form von Manipulation wird konsequent vermieden – im Mittelpunkt stehen das Terroir, das Handwerk und die Signatur des Jahrgangs.

Diese Philosophie basiert auf einer klaren Produktionsethik, der sich alle Mitarbeitenden verpflichtet fühlen. Nachhaltigkeit spielt dabei eine zentrale Rolle, um den Roten Hang langfristig zu bewahren und seine natürliche Kraft zu erhalten. Die ökologische Bewirtschaftung folgt dem Prinzip der natürlichen Reife. Mut zu Entwicklung und Risiko – etwa bei der Einführung neuer Rebsorten wie Blaufränkisch – gehört ebenso dazu wie ein fairer Umgang im Team und gute Arbeitsbedingungen. So entstehen Weine, die ihre Herkunft verkörpern.

 

Im Einklang mit der Natur

Seit 2018 arbeitet St. Antony nach Demeter-Richtlinien und verbindet nachhaltigen Weinbau mit kompromisslosem Qualitätsanspruch. Das Weingut setzt konsequent auf ökologischen Pflanzenschutz, arbeitet mit der Verwirrmethode gegen Schädlinge und verzichtet vollständig auf Herbizide. Mineralische Dünger kommen nicht zum Einsatz – stattdessen steht die schonende Entwicklung der Trauben im Mittelpunkt, damit sie in Ruhe und voller Balance reifen können.

Regelmäßig werden die Produktionsbedingungen von der Gesellschaft für Ressourcenschutz überprüft. Auch im Weinberg bleibt St. Antony bewusst traditionell: Vieles geschieht in Handarbeit, etwa die Pflege der Rebflächen und die Unkrautbekämpfung.

Das Team um Dirk Würtz versteht sich als Bewahrer und Interpreten des Roten Hangs und seiner einzigartigen Steillagen. Entscheidend ist dabei der Faktor Zeit – er gilt als zentrale Voraussetzung für große Weine. Biodynamisches Arbeiten bedeutet für die Winzer, die Gegebenheiten des Bodens zu aktivieren und den Lebensraum Weinberg zu stärken, um Weine mit Tiefe und Reifepotenzial auf natürliche Weise zu gewinnen.