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Benjamin Leroux

Burgunds moderner Klassizist mit präziser Handschrift

Seit der Gründung seines eigenen Weinguts im Jahr 2007 vinifiziert Benjamin Leroux in Beaune rund 30 Hektar Rebfläche, davon acht in eigenem Besitz. Seine Arbeitsweise verbindet organische und biodynamische Prinzipien mit einem fundierten Verständnis für das jeweilige Terroir. Mit Erfahrung aus internationalen Stationen und einer beeindruckenden Laufbahn im Burgund steht Leroux für eine nuancierte Stilistik, die gleichermaßen von handwerklicher Sorgfalt, intellektueller Tiefe und terroirgeprägter Präzision geprägt ist.

 

Benjamin Leroux

Die frühe Laufbahn von Benjamin Leroux

Dass Benjamin Leroux heute zu den angesehensten Persönlichkeiten der burgundischen Weinwelt zählt, wirkt rückblickend wie eine logische Konsequenz, war jedoch alles andere als vorgezeichnet. Geboren 1975 in Beaune, wuchs er in einer Floristenfamilie auf – die Weinberge lagen zwar in Sichtweite, doch nicht in familiärem Besitz. Bereits als Jugendlicher entwickelte er eine tiefe Faszination für Wein, die weniger mit romantisierten Vorstellungen, als mit sensorischer Neugier zu tun hatte. Mit 15 Jahren schrieb er sich gegen den Widerstand seiner Großmutter am Lycée Viticole in Beaune ein – ein Schritt, der in jenen Jahren nur selten von Schülern ohne Winzerfamilie gewagt wurde.

Seine Ausbildung kombinierte sowohl handwerkliche Praxis als auch wissenschaftliche Neugier. Früh lernte er von Persönlichkeiten wie Pascal Marchand und Jean-Claude Rateau, die bereits in den 1990er Jahren über Biodynamie und Schwefelreduktion sprachen. Ergänzend absolvierte Leroux ein Praktikum bei der staatlichen Forschungseinrichtung ITV, das ihn für die ökologischen Konsequenzen chemischer Methoden sensibilisierte.

Stationen in Oregon bei Domaine Drouhin, und bei Cos d’Estournel in Bordeaux sowie ein kurzer Aufenthalt in Neuseeland rundeten seine internationale Ausbildung ab. Spätestens mit seinem Amtsantritt als technischer Leiter des Domaine Comte Armand im Alter von nur 24 Jahren manifestierte sich, was bis heute gilt: Benjamin Leroux verbindet Intellekt, praktische Erfahrung und ein unermüdliches Streben nach Qualität in bemerkenswerter Weise.


Überzeugung statt Dogma

Die Anbauphilosophie von Benjamin Leroux lässt sich nicht auf einfache Slogans oder plakative Begriffe reduzieren – vielmehr basiert sie auf einem durchdachten, anpassungsfähigen System, das sowohl ökologische Prinzipien als auch agronomische Pragmatik berücksichtigt. Auf den eigenen acht Hektar setzt Leroux konsequent auf zertifizierten ökologischen Anbau und biodynamische Praktiken. Seine Herangehensweise bleibt dabei stets kontextbezogen: „Biodynamik ist eine Philosophie, kein Rezept“, sagt er – ein Leitsatz, der seine Arbeitsweise prägt.

Die Weinberge, die nicht in seinem Besitz sind, jedoch den Großteil seiner Produktion ausmachen, stammen aus Partnerschaften mit nachhaltig, biologisch oder biodynamisch arbeitenden Winzern. Der Zustand neu übernommener Flächen variiert erheblich, und Leroux weist darauf hin, dass eine tiefgreifende Erneuerung oft mehrere Jahre in Anspruch nimmt, wenngleich die offizielle Umstellung nur drei Jahre dauert.

Was ihn von dogmatisch arbeitenden Betrieben unterscheidet, ist seine Bereitschaft zur Differenzierung: Je nach Parzelle, Jahresverlauf, Bodenbeschaffenheit, Alter und Gesundheitszustand der Reben trifft er individuelle Entscheidungen. Die Begrünung etwa variiert nicht nur zwischen den Weinbergen, sondern auch innerhalb eines Zyklus, und Schwefel wird nur in genau dosierten Mengen eingesetzt – bei Weißweinen 50–70 ppm, bei Rotweinen 40–50 ppm. Leroux’ Philosophie ist geprägt von der Überzeugung, dass eine offene Denkweise kein Verzicht auf Prinzipien ist, sondern deren konsequente Weiterentwicklung.


Zwischen Kalk, Marl und Höhenlagen

Das Weingut befindet sich in Beaune, einem der historischen Zentren des burgundischen Weinbaus, mitten in der Côte de Beaune gelegen. Diese Region ist bekannt für ihre geologischen Kontraste und ein besonders facettenreiches Terroir, das sich von den flachen Böden rund um Meursault bis zu den höheren Lagen von Blagny erstreckt. Leroux bearbeitet Rebflächen entlang der gesamten Côte – von Chassagne-Montrachet im Süden bis Gevrey-Chambertin im Norden.

Besonders charakteristisch für seinen Stil ist der Fokus auf oft unterschätzte Lagen, die aufgrund ihrer geologischen oder klimatischen Besonderheiten ein großes Entwicklungspotenzial besitzen. Ein Beispiel hierfür ist Blagny, eine hoch gelegene Appellation mit weißen Mergelböden, deren kühle Bedingungen Weine mit ausgeprägter Frische und mineralischer Spannung hervorbringen. Diese terroirbezogene Vielfalt spiegelt sich sowohl in seinen Weiß- als auch in seinen Rotweinen wider.

Die Komplexität des Terroirs verlangt nach Flexibilität im Ausbau und in der Weinbergsarbeit – Prinzipien, die Leroux in seiner täglichen Arbeit verinnerlicht hat. Jeder Rebberg wird als eigenständige Persönlichkeit betrachtet, deren Bedürfnisse nicht von generellen Anbaukonzepten, sondern von präziser Beobachtung und differenziertem Handeln bestimmt werden.


Pinot Noir, Chardonnay und Aligoté in differenzierter Interpretation

Die Domaine Benjamin Leroux konzentriert sich auf die drei klassischen Rebsorten Burgunds: Pinot Noir, Chardonnay und Aligoté. Innerhalb dieses Spektrums verfolgt er eine differenzierte Ausbaustrategie, die Jahrgang, Herkunft und Rebsortencharakter gleichermaßen berücksichtigt. Die Weißweine werden in ganzen Trauben gepresst, meist mit sanftem Druck in pneumatischen Pressen, und spontan vergoren. Der Ausbau erfolgt über 12 bis 22 Monate in einem Mix aus Edelstahl, Holzfässern, Foudres, Amphoren und Glaskugeln. Der Anteil neuer Eiche liegt bei maximal 30 %. Filtration ist selten, Schwefel wird kontrolliert eingesetzt.

Bei den Rotweinen variiert der Anteil ganzer Trauben stark – von null bis über achtzig Prozent, abhängig vom Reifegrad und der genetischen Struktur des Leseguts. Die Gärung erfolgt mit natürlichen Hefen; die Extraktion wird sensorisch gesteuert und durchdacht dosiert. Der Ausbau findet über bis zu 22 Monate hinweg vorwiegend in Fässern statt, wobei auch hier der Anteil neuer Eiche moderat bleibt. Die Rotweine werden in der Regel nicht geschönt und nur sehr selten filtriert. Verschlossen werden sie mit Naturkork, während die Weißweine seit 2019 mit Diam-Korken abgefüllt werden.

Die Bandbreite seiner Weine reicht von Village-Weinen bis hin zu bedeutenden Premier Crus – darunter auch rare Lagen in Batard-Montrachet und Meursault, deren Entwicklung er seit 2009 mit gezielten Zukäufen stetig ausgebaut hat.


Zwischen Reputation und Reflektion

Heute zählt Benjamin Leroux zu den anerkanntesten Weinmachern seiner Generation – nicht nur wegen der Qualität seiner Weine, sondern auch aufgrund seiner reflektierten Haltung gegenüber Tradition und Innovation. Seine Fähigkeit, klassische Burgunderstile mit einer modernen, nicht dogmatischen Herangehensweise zu verbinden, hat ihm eine treue Anhängerschaft unter Sommeliers, Händlern und Sammlern eingebracht.

Die Achtung, die ihm in der Branche entgegengebracht wird, zeigt sich auch daran, dass Persönlichkeiten wie Dominique Lafon frühzeitig seine Arbeit verfolgten und unterstützten. Die Tatsache, dass seine Kellerei in Beaune zwischenzeitlich auch Produzenten wie Nicolas Rossignol, Nicolas Potel oder Evening Land beherbergte, spricht für das Vertrauen und den Respekt, den ihm Kollegen entgegenbringen.

Dass Leroux heute nicht nur als Produzent, sondern auch als intellektuelle Stimme im burgundischen Weinbau gilt, verdankt er seiner Fähigkeit, Komplexität nicht zu scheuen, sondern zu strukturieren – sei es im Umgang mit Reben, Menschen oder Meinungen. Seine Weine sind Ausdruck dieser Haltung: klar, differenziert, tiefgründig – ohne sich einem Stil anzubiedern. Die Ernsthaftigkeit seines Tuns ist dabei stets von einem Augenzwinkern begleitet, das ihn nicht nur respektiert, sondern auch geschätzt macht.


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