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Weingut Seckinger
Drei Brüder, eine Idee
Was heute als einer der viel beachteten Aufsteigerbetriebe der Pfalz gilt, begann 2012 mit einem einzigen Hektar Rebfläche, einem alten Kartoffelkeller und der festen Überzeugung, kompromisslose Terroirweine zu erzeugen. Jonas, Lukas und Philipp Seckinger – Anfang zwanzig, voller Tatendrang und mit dem unbedingten Willen zur Eigenständigkeit – wagten den Schritt in die Selbstständigkeit, noch bevor die familiären Weinberge aus der Pacht zurückkehrten.
Der Vater, Josef Seckinger, hatte über Jahrzehnte hinweg Flächen für andere Deidesheimer Spitzenbetriebe bewirtschaftet. 2016, mit dem Auslaufen dieser Pachtverträge, vergrößerte sich der eigene Besitz schlagartig – und mit ihm die Möglichkeiten. Doch nicht nur die Quantität stieg, sondern vor allem die Ambition. Früh schon wandte sich das Trio der biologischen Bewirtschaftung zu, 2015 folgte die offizielle Umstellung, ab 2019 dann die vollständige Integration biodynamischer Methoden.
Während Philipp für die Weinberge verantwortlich ist, übernimmt Jonas den Ausbau im Keller und Lukas die organisatorische Leitung. Die Aufgabenverteilung ist klar – und dennoch bleibt alles ein kollektives Projekt, das in enger Abstimmung mit Familie und Freunden getragen wird. Diese enge Gemeinschaft bildet das Rückgrat eines Weinguts, das in kürzester Zeit Maßstäbe setzen konnte.
Nachhaltigkeit als Fundament
Im Zentrum des Schaffens der drei Brüder steht ein tiefes ökologisches Verständnis, das weit über eine bloße Zertifizierung hinausgeht. Die Brüder betrachten den Weinberg als ein lebendiges Ökosystem, das gepflegt, aber nicht manipuliert werden soll. Seit der Umstellung auf Biodynamie im Jahr 2019 – inspiriert unter anderem durch Andreas Schumann vom Weingut Odinstal – arbeiten sie konsequent daran, Monokulturen aufzubrechen und die Biodiversität in ihren Parzellen zu fördern.
Begrünungen, ob eingesät oder natürlich entstanden, spielen dabei eine zentrale Rolle, ebenso wie ein achtsamer Umgang mit dem Boden, der weder ausgelaugt noch überdüngt werden darf. Im Keller verzichtet man auf Schönungsmittel, Schwefel wird nur in minimaler Dosis eingesetzt, filtriert wird kaum. Spontangärung, Vollhefelager und ein bewusster Umgang mit der Zeit geben den Weinen jene eigenständige Textur, die sie prägt.
Die Familie verfolgt keinen ideologischen Dogmatismus, sondern einen pragmatischen Zugang: Was der Wein braucht, bekommt er – und nicht mehr. Die Biodynamie ist für sie kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug, um Authentizität und Herkunft erlebbar zu machen. So entstehen Weine, die nicht nachgebaut, sondern begleitet werden.
Zwischen Petershöhle und Maikammer
Die Weinberge des Weinguts Seckinger Niederkirchen liegen in einigen der spannendsten Parzellen der Pfalz. Das Herzstück bildet die Mittelhaardt mit berühmten Einzellagen wie Kieselberg, Kirchenberg, Langenmorgen oder Kalkofen. Ergänzt wird das Portfolio durch Lagen in Königsbach und Ruppertsberg, aber auch im südlich gelegenen Maikammer, das mit seinen kalkhaltigen Böden besonders für Burgundersorten optimale Bedingungen bietet.
Eine besondere Stellung nimmt die Petershöhle ein – eine historische Terrassenlage, die Vater Josef Seckinger vor über 30 Jahren in mühsamer Handarbeit rekultivierte. Der steinige Buntsandsteinboden, das waldnahe Mikroklima und die kaum mechanisierbare Topografie machen sie zur Signature-Lage des Betriebs.
Geologisch zeichnen sich die Weinberge durch komplexe Substrate aus: Buntsandstein, Kalk, Löss, Mergel, dazu Sedimente aus Flüssen, Wind und vergangenen Meeren. Diese geologische Vielfalt spiegelt sich unmittelbar im Geschmack der Weine wider.
Jeder Jahrgang, jede Parzelle erzählt eine andere Geschichte – nicht stilisiert, sondern genau so, wie es das Jahr und die Lage vorgeben. Und weil viele Lagen direkt am Waldrand liegen, ist der Faktor Mikroklima entscheidend: Kühlende Winde, späte Reife, hohe Säurestabilität – beste Voraussetzungen für lagerfähige und spannungsgeladene Weine.
Die Weine von Seckinger im Überblick
Die Kollektion von Seckinger folgt einer klaren Systematik, in der sich Herkunft und Stilistik in mehreren Stufen entfalten. Die Basisweine – etwa der Riesling vom Löss, Weißburgunder vom Kalkstein oder der Nero Bianco – zeichnen sich durch Zugänglichkeit und Frische aus. Sie sollen „drinky“ sein, wie es die Brüder nennen, dabei aber stets Herkunft zeigen.
Die „PURE“-Linie – unfiltriert, mit minimalem Schwefel, ohne Zuckerzugabe – markiert den Übergang zu konsequent naturbelassenen Weinen. Hier entstehen Weine wie der Riesling PURE King, der R Pinot Gris PURE oder der R Rosé PURE, die vor allem durch Reduktion, Mineralität und ein eigenständiges Aromenspektrum überzeugen.
Den Höhepunkt bilden die Einzellagenweine: Rieslinge aus dem Deidesheimer Kieselberg, Ruppertsberger Reiterpfad, Königsbacher Ölberg oder der Petershöhle gehören zum besten, was die Pfalz derzeit zu bieten hat.
Besonders erwähnenswert ist der Chardonnay aus dem Kapellenberg in Maikammer, der exemplarisch zeigt, wie gut Burgundersorten auf Kalk in der Südpfalz gedeihen können. Der konsequente Fokus auf geringe Erträge, langes Hefelager und möglichst unmanipulierten Ausbau verleiht diesen Weinen Tiefe, Textur und Ausdruckskraft. Jeder Wein bei Seckinger ist Ausdruck eines Terroirs – nicht einer Idee davon.
Zwischen Avantgarde und Tradition
In weniger als zehn Jahren ist es dem Weingut Seckinger gelungen, sich als eine der spannendsten Stimmen der neuen Pfälzer Winzergeneration zu etablieren. Die Kombination aus kompromissloser Herkunftstreue, handwerklichem Minimalismus und experimenteller Offenheit hat nicht nur Fachpublikum und Sommeliers überzeugt, sondern auch die führenden Weinkritiker.
Der Falstaff Weinguide 2025 vergibt 4 Sterne, der Eichelmann kührt das Weingut zu dem „Aufsteiger des Jahres“ und zeichnet es ebenfalls mit 4 Sternen aus. Der Vinum Weinguide reiht Seckinger mit 3 Sternen unter die besten Produzenten Deutschlands. In der internationalen Fachwelt wird Seckinger zunehmend wahrgenommen – etwa durch die Journalistin Paula Sidore (JancisRobinson.com), die notiert: „If this is the future of Pfalz, I’m in.“
Das zeigt: Das Seckinger Weingut ist kein kurzfristiges Phänomen, sondern ein Betrieb mit Perspektive. Die Brüder haben einen Stil entwickelt, der sowohl avantgardistisch als auch regional verankert ist – puristisch, aber nie dogmatisch. Ihre Weine sind anspruchsvoll, aber nie abgehoben, voller Ecken und Kanten, aber immer zugänglich in ihrer Struktur. Damit liefern sie nicht nur einen Beitrag zur Pfälzer Weinkultur, sondern schreiben auch ein Kapitel ihrer Zukunft.
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