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Paul Jaboulet Aîné

Köstlichkeiten vom Hermitage-Hügel

Paul Jaboulet Aîné steht seit 1834 für große Rhône-Weine und ikonische Lagen wie Hermitage La Chapelle. Unter Caroline Frey, die 2006 die Leitung übernahm, wurde das Weingut auf biodynamischen Anbau umgestellt. Heute verbindet das Haus Tradition, Terroirtreue und Nachhaltigkeit auf höchstem Niveau – mit internationaler Anerkennung.

 
2020 Jaboulet Les Grandes Terrasses Cornas AOP
2020 Jaboulet Les Grandes Terrasses

Paul Jaboulet Aîné

Das Weingut im Überblick

  • Gründung: 1834 durch Antoine Jaboulet in Tain l’Hermitage
  • Lage: Nördliche Rhône, bedeutendste Lage ist Hermitage unterhalb der Kapelle Saint-Christophe
  • Rebsorte: Fokus auf Syrah, insbesondere kleinbeerige Petit Syrah (Sirene)
  • Leitung: Caroline Frey, Önologin und Biodynamie-Expertin
  • Anbau: Seit 2016 biozertifiziert, vollständig biodynamisch bewirtschaftet
  • Top-Weine:  Hermitage „La Chapelle“ – weltbekannter Kultwein und  Crozes-Hermitage „Thalabert“ – einer der besten Weine der Appellation
  • Philosophie: Terroir im Fokus, naturnahe Bewirtschaftung, Biodiversität, nachhaltige Produktion
  • Ausbau: Schonende Vinifikation mit reduzierter Holzverwendung; Einsatz von Beton-Eiern, Clayvers, Demi-Muids
  • Innovation: Klimaangepasste Reberziehung („Bridge Braiding“), Förderung von Mikroklimata durch gezielten Laubwuchs


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Hawesko Expertenmeinung zum Weingut

Die Weine von Paul Jaboulet Aîné sind für ihrer außergewöhnlichen Terroirtreue, Struktur und Eleganz berühmt. Sie sind ideal für Kenner, die Tiefe und Reifepotenzial schätzen, aber auch für Neugierige, die authentische Rhône-Weine entdecken möchten – besonders in der Hermitage-Klasse einzigartig.


Pionierarbeit an der Rhône

Als Antoine Jaboulet im Jahr 1834 das Haus Paul Jaboulet Aîné in Tain l’Hermitage gründete, legte er den Grundstein für eine der renommiertesten Weindynastien Frankreichs. Unter der Leitung seiner Söhne Paul und Henry, später dann unter Louis Jaboulet, entwickelte sich das Weingut zu einem der zentralen Akteure der nördlichen Rhône.

Besonders bemerkenswert ist die lange familiäre Kontinuität: Über Generationen hinweg wurden die Weine mit einer Konsequenz und Überzeugung vinifiziert, die dem Haus früh weltweite Anerkennung sicherten. Legendäre Jahrgänge wie der Hermitage „La Chapelle“ 1961 belegen die historische Bedeutung des Hauses eindrucksvoll.

Mit dem Tod Gérard Jaboulets 1997 endete die Ära der Familie Jaboulet, doch ein neuer Abschnitt begann 2006 mit dem Einstieg der Familie Frey. Jean Jacques Frey, bekannt als erfolgreicher Unternehmer und passionierter Weinsammler, übernahm das Haus und übertrug die Leitung an seine Tochter Caroline Frey.

Die studierte Önologin war zu diesem Zeitpunkt bereits durch die Übernahme und Führung von Château La Lagune im Médoc etabliert. Ihre Handschrift sollte das Weingut Paul Jaboulet Aîné grundlegend erneuern – mit bemerkenswerter Konsequenz und großem Respekt vor der Geschichte.


Caroline Frey und die biodynamische Renaissance von Paul Jaboulet Aîné

Caroline Frey steht exemplarisch für den Paradigmenwechsel im Weinbau des 21. Jahrhunderts. Ihr Ansatz verbindet wissenschaftliche Präzision mit biodynamischem Denken. Mit der Übernahme der Domaine im Jahr 2006 begann eine sukzessive Umstellung des gesamten Betriebs – zunächst auf biologischen Anbau, später auf biodynamische Prinzipien.

Dieser Wandel gipfelte 2016 in der Bio-Zertifizierung und der vollständigen Umsetzung biodynamischer Methoden. Für dieses Engagement wurde Frey mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Orden „Officier du mérite agricole“ im Jahr 2023.

Die konsequente Erhaltung der Bodenstruktur, der Verzicht auf synthetische Pflanzenschutzmittel, das Pflanzen von über 500 Bäumen und Sträuchern sowie die Schaffung von Biodiversitäts-Refugien – etwa im Clos Gounon und auf dem Domaine de Roure – sind Ausdruck eines tiefgreifenden Verständnisses für nachhaltige Weinproduktion.

Besonders innovativ ist die sogenannte „Bridge-Braiding“-Technik: Ein bewusst nicht beschnittener Rebaustrieb bildet natürliche Brücken, die das Mikroklima der Rebanlage verbessern und Wasserstress reduzieren. Diese Maßnahmen dienen nicht nur der Resilienz der Reben in Zeiten des Klimawandels, sondern fördern zugleich die authentische Ausdruckskraft der Weine.


Hermitage als Ursprung

Die Seele des Weinguts liegt auf dem legendären Hügel von Hermitage, unterhalb der Kapelle Saint-Christophe. In den Lagen Le Méal und Les Bessards wurzeln uralte Syrah-Reben – in der kleinbeerigen Variante „Petit Syrah“, lokal auch „Sirene“ genannt. Diese Weinberge zählen zu den herausragendsten weltweit: ein Mosaik aus Granit, Mergel und Kies, perfekt ausgerichtet, um Weine von immenser Tiefe und Ausdruckskraft hervorzubringen.

Die Parzellen profitieren von einem Mikroklima, das durch die Hanglage, Winddurchlässigkeit und intensive Sonneneinstrahlung geprägt ist. Hinzu kommt der Fluss Rhône, der durch seine Reflexion und Luftströmungen ein ausgewogenes Reifeklima schafft. Caroline Frey betont wiederholt die zentrale Bedeutung des Terroirs: Nicht der Keller, sondern der Weinberg ist Ursprung der Qualität.

Entsprechend wird jede Parzelle separat vinifiziert, um den Charakter des jeweiligen Bodens möglichst unverfälscht ins Glas zu bringen. Die Weine sind keine stilistische Inszenierung, sondern präzise Übersetzungen ihres Ursprungs.


Ikonen der Rhône

Zentraler Referenzpunkt des Hauses ist ohne Frage der Hermitage „La Chapelle“. Dieser stammt ausschließlich aus den besten Lagen des Hügels: Le Méal, Les Bessards und Les Rocoules. Mit 21 Hektar eigener Reben gelingt es dem Weingut, Jahr für Jahr eine Cuvée zu erzeugen, die in ihrer Struktur und Lagerfähigkeit international Maßstäbe setzt. Robert Parker sprach vom „fast unsterblichen Wein“ – ein Ausdruck, der die Aura dieses Hermitage treffend beschreibt.

Der Crozes-Hermitage „Thalabert“, oft als „Hermitage des kleinen Mannes“ bezeichnet, ist ein weiterer Fixpunkt im Sortiment. Aus dem gleichnamigen, historisch bedeutenden Weinberg stammend, ist er ein Paradebeispiel für die Qualität dieser oft unterschätzten Appellation. Heute beträgt der Syrah-Anteil in den südlicheren Weinen des Hauses bis zu 40 Prozent – eine bewusste Entscheidung, die der Frische und Finesse der Cuvées zugutekommt.

Auch im Keller wird höchste Sorgfalt angewendet: Die Auswahl von Fässern erfolgt individuell, das Spektrum reicht von Betoneiern über Demi-Muids bis hin zu Clayvers. Die Vinifikation bleibt stets zurückhaltend, um den Charakter der Traube und des Bodens nicht zu überdecken, sondern zu akzentuieren. 

Erwähnenswert sind auch die Châteauneuf du Pape Weine des Hauses unter dem Namen Jaboulet Les Cèdres.