Gardasee

Wir Deutschen haben schon immer von Italien geträumt. Das Land hinter den Alpen ist schon seit Jahrhunderten unser locus amoenus, die idealisierte Landschaft, wie wir sie aus Goethes Italienreise kennen. Es mag dort passieren was will, Italien bleibt unser Ziel. Natürlich ändern sich immer wieder die Regionen, die gerade en vogue sind, ein Flecken Erde ist allerdings konstant beliebt, und das seit den Zeiten des Wirtschaftswunders. Denn Italiens größter See, der Lago di Garda, war schon in den 50er-Jahren vor allem von Süddeutschland aus gut zu erreichen – selbst mit einem für die Jahre typischen vollbepackten Kleinwagen. Sobald man die Alpenausläufer Südtirols und Trentinos hinter sich gelassen hat und in der Tiefebene des Veneto angekommen ist, hat man das Gefühl, wirklich im Süden angekommen zu sein. Hier beginnt das Land, in dem die Orangen blühen. Neben den geschätzten Zitrusfrüchten, die hier eher dekorativen Charakter haben, wachsen vor allem Obstbäume und Reben.

Ein vertraut klingender Name: Bardolino

Auch wenn die Toskana als Urlaubs- und Investorenziel zwischenzeitlich trendiger gewesen sein mag, hat das der Attraktivität des Gardasees und seiner teils pittoresken Örtchen keinen Abbruch getan. Im Rücken der zum See gewandten Orte wie Sirmione, Bardolino, Lazise oder Peschiera wachsen Weine, die teils seit Jahrzehnten zu den beliebtesten auf unseren Weinkarten gehören. Ein Klassiker ist der Bardolino. Der DOC-Bereich, der mit dem gleichnamigen Ort am Südostufer des Sees verbunden ist, erstreckt sich vom Seeufer über die dahinter liegenden Hügel bis zur Etsch (Adige), die dem Alto Adige (Südtirol) ihren Namen gegeben hat. Bardolino bezeichnet übrigens sowohl einen Rotwein, als auch einen Rosé. Als Rotwein ähnelt der Bardolino, den es auch als Bardolino Superiore und als Bardolino Classico Superiore gibt, dem Valpolicella. Es werden die gleichen Sorten wie Corvina, Rondinella, Corvivone oder Molinara genutzt. Als Rosé verwendet man den Chiaretto, von dem es in Bardolino auch einen Spumante, also eine Schaumwein-Version gibt. Der Bardolino, der früher äußerst populär war, erfährt gerade eine Renaissance und das zu Recht, denn es gibt eine steigende Anzahl ausgezeichneter Erzeuger dieser beiden Spezialitäten.

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Reben am Gardasee. © istock.com

Beliebte Weiße: Lugana und Custoza

Voll im Trend, und das schon seit vielen Jahren, sind die spritzigen Weißweine der Gegend, die vor allem aus den Gebieten Custoza und Lugana stammen. Beide Gebiete liegen im hügeligen Hinterland von Lazise und Peschiera, etwas weiter südlich von Bardolino. Der Bianco ist eine Cuvée aus Trebbiano Toscano, Garganega, Trebbianello/Friulano und einer kleineren Menge zusätzlicher Sorten wie Malvasia oder Chardonnay. Der Lugana dagegen wird reinsortig aus Trebbiano di Lugana (Verdicchio Bianco) ausgebaut. Somit ist er eng mit dem Soave verwandt, der ebenfalls in der Region um Verona aus der gleichen Sorte angebaut wird. Während der Soave ein nachhaltiges Image-Problem hat, klingt der Name Lugana jedoch nach Sonne und Sommer und der mineralisch wirkende Weißwein ist zu einem der beliebtesten italienischen Weißweine avanciert. Und das nicht nur im Heimatland und rund um München, sondern längst in der ganzen Republik. Selbst in Londons Sterne-Gastronomie ist er der letzte Schrei und die wenigen Erzeuger auf den begrenzten 700 Hektar können gar nicht so viel liefern, wie verlangt wird.

Berühmte Rote: Valpolicella und Amarone

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Amarone Risotto. © istock.com

Der wohl berühmteste Bereich im Hinterland des Gardasses ist das Gebiet Valpolicella. Hier werden unter dem Namen Amarone di Valpolicella langlebige, starke und äußerst komplexe Rotweine erzeugt, deren beste Vertreter auf einer Ebene mit dem Brunello di Montacino, Chianti Classico Reserva oder Barolo stehen. Die Weine aus den Sorten Corvina und Rondinella werden aus rosinierten Trauben hergestellt. Dazu trocknet man sie vier bis sechs Monate auf Strohmatten und erhält dadurch äußerst konzentrierte Trauben. Dieses Verfahren stammt ursprünglich aus der Herstellung eines Süßweins. Der so genannte Recioto della Valpolicella soll seit der Antike so erzeugt werden.

Wesentlich häufiger anzutreffen ist der trockene Valpolicella Classico oder Superiore. Dieser fruchtige Rotwein zeichnet sich durch ein Bouquet von Bittermandeln aus. In einer etwas konzentrierteren Form wird dem Wein nach der ersten Gärung ein Anteil Maische vom Amarone oder Recioto hinzugegeben, der eine zweite Gärung auslöst. Das Ergebnis ist ein Valpolicella Ripasso, der wesentlich körperreicher und dichter ist, als der einfache Valpolicella, der jedoch immer eine köstliche Bereicherung fast jedes Pasta- und Pizza-Gerichtes darstellt.

Neben diesen traditionellen Spezialitäten werden in der DOC Garda eine ganze Menge einfacher, doch schmackhafter Weine erzeugt, die die lebendige Leichtigkeit widerspiegeln, die am See herrscht. Der See und sein Hinterland bieten nicht nur ein besonderes Lebensgefühl und viele Möglichkeiten der Entspannung, auch der Wein dieser Gegend ist eine Klasse für sich, für jeden Geschmack und für jeden Geldbeutel.

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