Weinbau seit mehr als 2.500 Jahren
Der 800 Kilometer lange Fluss, der sich von der Schweiz bis zum Mittelmeer zieht, gehört zu den traditionsreichsten Weinbaugebieten Frankreichs. Kelten, Griechen und Römer betrieben dort bereits Weinbau. Zur Zeit der Päpste von Avignon wurden vor allem die Weine der Südrhône bekannt. Doch der eigentliche Aufstieg der Region begann im 20. Jahrhundert.
Griechen, Kelten, Römer & Päpste
Wie so oft im südlichen Europa waren es vor allem die Griechen, die den Weinbau gebracht haben. Ob in Italien, in Spanien, Portugal oder Frankreich – die Griechen haben früh, das heißt um 1.000 bis 400 vor Christus, die ersten Siedlungen an den Küsten des Mittelmeeres gegründet. Mit der Ansiedlung brachten die Griechen die Edelreben mit, aus denen sich Wein kultivieren ließ. Das heutige Marseille am Flussdelta der Rhône wurde um 600 v. Chr. gegründet und dürfte somit zu den frühesten Stätten des Weinbaus in Frankreich gehören. Zwar pressten auch die Kelten seit der Jungsteinzeit Wein aus Reben, allerdings waren dies um 600 vor Christus mit ziemlicher Sicherheit noch Wildreben. Die Züchtung und Nutzung von Edelreben bei den Kelten sind erst seit gallorömischer Zeit nachweisbar.
Während die Griechen vor allem an der Mittelmeerküste siedelten, stießen die Römer bei der Eroberung Galliens tief ins Landesinnere vor und eroberten schließlich das gesamte heutige Frankreich. Den Bereich der Rhône besiedelten sie sowohl vom Mittelmeer kommend als auch von der heutigen Schweiz aus. Römische Siedlungsfunde an der Nordrhône reichen bis ins 2. Jahrhundert v. Chr. zurück. Der Ort, der das Weinbaugebiet Rhône im Norden begrenzt, ist Vienne. Die Weine aus diesem Bereich gelangten zu früher Berühmtheit. Die Appellationen dieser Weine heißen heute Condrieu, Côte-Rôtie und Château-Grillet.
Eine kurze Hochzeit erlebte der Weinbau der Südrhône im 14. Jahrhundert. Der aus Bordeaux stammende Papst Klemens V. verlegte den Hauptsitz der Päpste kurzerhand vom düsteren und heruntergekommenen Rom ins helle und warme Avignon. Sein Nachfolger, Johannes XII., ließ sich dann eine Sommerfrische im Norden von Avignon bauen. Der Name des damals entstandenen Ortes steht heute für einige der besten Weine Frankreichs: Châteauneuf-du-Pape. (Mehr dazu in dieser Ausgabe von Wein am Sonntag: Châteauneuf-du-Pape).
Erwähnt werden sollten im geschichtlichen Abriss die 1930er-Jahre. Denn der Visionär Baron Le Roy, damals Winzer und Eigner des heute noch existierenden Château Fortias in Châteauneuf-du-Pape setzte sich dafür ein, bestimmte gebietstypische Merkmale und Qualitätsstandards für Châteauneuf-du-Pape festzusetzen. Diese Richtlinien wurden 1933 gerichtlich anerkannt und bildeten die Grundlage für das System der Appellation Controlée, der geschützten Herkunftsbezeichnung, die heute für alle Qualitätsweine gilt.
Nordrhône und Südrhône
Der 250 Kilometer lange Flusslauf umfasst zwei gänzlich unterschiedliche Weinregionen mit einer Fülle von einzelnen Appellationen. Die Nordrhône reicht von Vienne bis Valence, ist eher kontinental geprägt, mit Böden von Granit und Schiefer. Die meist terrassierten Hänge neigen sich mit bis zu 65 Grad Neigung zum Fluss. Hier dominiert die rote Rebsorte Syrah, die von den weißen Rebsorten Viognier, Roussanne und Marsanne ergänzt wird. Weitere Sorten sind nicht zugelassen. Der Syrah aus diesen Bereichen ist besonders langlebig und findet seine Vollendung im Hermitage-Weinberg von Tain. Weine wie der Hermitage La Chapelle von Jaboulet-Aîné gehören in den guten Jahren zu den besten Weinen der Welt. Doch nicht nur die Hermitages sind berühmt. Auch Condrieu, Château-Grillet oder Côte-Rôtie oberhalb von Tain sowie Cornas unterhalb von Tain sorgen bei Kennern für Begeisterung. Während diese Weine nicht nur rar, sondern auch verhältnismäßig teuer sind, erhält man in Saint-Joseph, Crozes-Hermitage, Saint-Péray oder Brézème ebenfalls ausgezeichnete und typische Syrah für den kleineren Geldbeutel.