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Das Neuseeland Tagebuch – Teil 1

Die am weitesten entfernte Weinanbauregion von Hamburg aus dürfte in Central Otago auf der Südinsel Neuseelands liegen. Obwohl Neuseeland so weit entfernt liegt, ist es dennoch kein exotisches Weinland. Die klassischen europäischen Sorten spielen hier die größte Rolle. Weltbekannt geworden ist das Land dabei mit einem ganz eigenen Sauvignon Blanc-Stil. Doch Neuseeland hat viel mehr zu bieten: fruchtbetonte Pinot Noirs, elegante Chardonnays und eigenständige Rieslinge und Grauburgunder. Die kommenden zwei Wochen stehen ganz im Zeichen dieses noch jungen Weinlandes und ich bin mir sicher, es stehen einige Entdeckungen an.

Von Auckland zum Waiheke Island

Wenn es um neuseeländische Weine geht, wird das Land meist mit Sauvignon Blanc aus Marlborough in Verbindung gebracht. In der Tat ist die Weinregion, die im Osten der Südinsel liegt, für den Weinboom des Landes verantwortlich und ca. 80% der Weinproduktion stammen aus dieser Gegend. Doch Neuseeland ist vielfältiger. Pinot Noir wird zunehmend bekannter und Chardonnay und Syrah haben mindestens die Qualität. In den nächsten zwei Wochen werde ich aus dem Weinland berichten und beginne mit dem Weinanbaugebiet des Landes, das am weitesten im Norden liegt, denn dort bin ich auch gelandet. Auckland, die Metropole des Landes gibt dem Gebiet seinen Namen. Während Wellington am südlichen Ende der Nordinsel als Hauptstadt fungiert, ist Auckland mit ca. 1.5 Millionen Einwohnern (von insgesamt ca. 4.5 Millionen). Das macht die Bedeutung dieser Stadt klar, die sich weit um ins Land hinein zieht und sich um mehreren Buchten windet.

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Auckland Downtown wirkt mondän. Rund um diesem begrenzten Bezirk jedoch wird das Stadtbild von ein- bis zweistöckigen Holzhäusern geprägt. Foto: © C.Raffelt

In den kommenden Folgen dieser Reise wird klar werden, wie europäisch der neuseeländische Weinbau einerseits ist, und wie deutlich er sich letztlich doch unterscheidet. Ähnlich wie die meisten anderen Weinbauländer der südlichen Hemisphäre, hat Neuseeland vor allem auf französische Rebsorten gesetzt. Sie kamen, wie in Südafrika, Australien, Chile oder Argentinien auch mit den Einwanderern und Missionaren ins Land. Während sich in den anderen genannten Ländern der Weinbau stetig entwickelt hat, gab es im 20. Jahrhundert über Jahrzehnte ganz ähnliche Prohibitionsgesetze wie in den USA, die den Weinbau in Neuseeland komplett zum Erliegen gebracht haben. Der Neubeginn wurde unter anderem von der Weinbaufachschule und Forschungsanstalt aus Geisenheim begleitet und man setzte, wie in Deutschland auch, auf den Massenträger Müller-Thurgau. Erst in den 1980er Jahren besann man sich auf die französischen Sorten, die letztlich den Erfolg brachten.

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Rund um Auckland gibt es viele kleine, vulkanisch geprägte Inseln. Foto: Copyright C.Raffelt

Das Klima im Norden der Insel ist warm und relativ feucht, so dass es ziemlich aufwendiger Weinbergsarbeit bedarf, damit es keinen Fäulnis- und Krankheitsdruck gibt. Die Sonnenstunden liegen bei ca. 2.000 Stunden, der Niederschlag bei etwa 1.250 mm pro Jahr. Im Laufe der Reise durch die verschiedenen neuseeländischen Anbaugebiete wird schnell klar werden, dass die klimatischen Bedingungen in jeden Anbaugebiet ausgesprochen unterschiedlich sind und die Idee, Jahrgänge wären in den Weinbauländern des Südens mehr oder weniger konstant gleich, nicht der Realität entsprechen.

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Birdpressure ist der Fachausdruck, den die Winzer in Neuseeland benutzen. Viele der Weingärten werden in Netze verpackt, damit die reifen Trauben nicht noch vor der Lese von Staren und anderen Vögeln gepickt werden. Foto: © C.Raffelt

Ähnlich verhält es sich mit den Böden. Die Böden variieren nicht nur von Gebiet zu Gebiet erheblich, sondern auch innerhalb der jeweiligen Anbaugebiete. Das mussten übrigens auch die Kiwis, wie sich die Einwohner Neuseelands selbst nennen, erst lernen. Das ist kein Wunder, ist die Weinbaugeschichte Neuseelands doch letztlich erst dreißig Jahre alt,während die mitteleuropäische mindestens tausend Jahre zählt und man hier ebenfalls noch nicht aufgehört hat, weiter zu probieren. So redet auch hier jeder Winzer von Terroir, bzw. davon, zum jeweiligen Bodentypus in Kombination mit dem richtigen Mikroklima die passenden Rebsorten zu finden. Während man in Neuseeland zu Beginn vor allem in der Ebene gepflanzt hat, geht man nun zunehmend auch in die Hügel.

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Auf den sanft geschwungenen Hügeln wieden Schafe oder Rinder, durchsetzt mit vereinzelten Weinbergen. Das warme Wasser der versteckten Buchten lädt zum Baden ein: Waiheke Island. Foto: © C.Raffelt

Ein gutes Beispiel hierfür ist Waiheke Island. Die Insel erreicht man mit der Fähren in etwa 40 Minuten von Auckland. Das Klima unterscheidet sich hier erheblich von der Metropole, während Insel wie Festland mit einer Vielfalt von Bodentypen durchzogen werden. Alles hier rund um Auckland ist stark vulkanisch geprägt. Es finden sich Kalkstein, Sandstein und Silite.

Das gesamte Anbaugebiet umfasst einige Weingärten westlich von Auckland, das Gebiete Matakana, etwa eine Stunde nördlich von Auckland gelegen (bei Kumeu River gibt es einen der besten Chardonnnays in Neuseeland) und schließlich das erwähnte Waiheke Island. Die Gebiete umfassen insgesamt gerade einmal 416 Hektar und machen 0,4% der Gesamtproduktion Neuseelands aus. Vor allem die ehemalige Hippie-Insel Waiheke ist bekannt für Bordeaux-Blands mit Merlot, Cabernet, Malbec und Petit Verdot sowie reinsortigen Syrah. Einmal auf Waiheke angekommen, möchte man diesen Ort, der von rollenden Hügeln und kleinen Buchten geprägt ist, eigentlich nicht mehr verlassen.

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Die Reise erfolgt auf Einladung von New Zealand Wines.
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