Die Geschichte der Marke “Gérard Bertrand” ist vor allen Dingen eine Familiengeschichte, wobei Gérard, der im Alter von 10 Jahren bei seiner ersten Weinlese dabei war, eigentlich eine Karriere als Rugby Spieler gestartet hatte. Nach dem frühen Tod seines Vaters widmete er sich aber ganz dem Weingut der Familie. Heute leitet der “Prinz des Languedoc” mehrere Weingüter in der Region, gilt als Vorreiter des biodynamischen und ökologischen Weinbaus und führt bereits die vierte Generation der Familie in das Weingut ein.

Was ist Ihre erste mit Wein verbundene Erinnerung?

Meine frühste Erinnerung an Wein ist eng verbunden mit meinem Vater. Seit ich 10 Jahre alt war, hat mein Vater mir seine Vision beigebracht: die Tugenden von harter Arbeit, auf jedes kleinste Detail zu achten und immer den Stolz über seine Herkunft zu bewahren. Ich kann mich noch genau an seine Worte erinnern: “Weißt du, Gérard, du hast wirklich Glück. Wenn du irgendwann 50 Jahre alt bist, hast du schon 40 Jahre Erfahrung”.

Damals habe ich diese tiefgreifende Botschaft noch nicht verstanden – dabei hatte er so Recht! Heute verstehe ich, dass er mir zeigen wollte, was einen guten Winzer ausmacht: eine Langzeit-Vision zu haben. Man muss sich einfach bewusst machen, dass das was wir heute tun, unseren Wein auch in Zukunft immer beeinflussen wird.

Was ist Ihre Philosophie als Winzer?

Ich bin fest davon überzeugt, dass Weinbau, der in Harmonie mit der Natur betrieben wird, ganz besondere Weine hervorbringt, die die Exzellenz ihres Terroirs widerspiegeln. Aus diesem Grund habe ich im Jahr 2002 die Umstellung auf biodynamischen Weinbau angestoßen. Zuerst haben wir dies in der Domaine Cigalus ausprobiert und es dann auf alle anderen Ländereien übertragen.

Weinbau muss exemplarisch sein. Wein ist keine lebenswichtige Ressource; deswegen müssen wir beim Kultivieren unserer Trauben die Umgebung und die Biodiversität respektieren. Das versuchen wir mit unseren verschiedenen Labels zu erreichen (“bienenfreundlich”, Vegan, Demeter, Organisch, “Frei von Sulfaten” und “Noch in der Umstellung”) und arbeiten dabei mit anderen Winzern der Region zusammen.

Was macht Ihnen an der Arbeit mit Wein die größte Freude?

Ich liebe alles an meiner Arbeit als Winzer. Dazu gehört, die Weinberge hinab zu laufen und jeden Tag des Kreislauf des Lebens zu beobachten. Ich liebe die Ernte, den Moment, wenn wir den Erfolg sehen, der aus der Arbeit eines ganzen Jahres entstanden ist. Was ich jedoch am meisten liebe, ist das “Blending”, das Verschneiden der Weine – immer wieder ein ganz besonderer Moment.

Was war Ihr bisher größtes Erfolgserlebnis als Winzer?

In 2020 wurde ich vom Drinks Business Magazin zur “Green Personality of the year” gewählt. Diese Auszeichnung ehrt mich und mein Team. Wir arbeiten seit 30 Jahren Seite an Seite an nachhaltigen und umweltbewussten Projekten. Ich strebe immer danach, einen positiven Einfluss zu hinterlassen und bin mir meiner Verantwortung als Winzer gegenüber der Biodiversität vollkommen bewusst. Für dieses Engagement die Anerkennung in einem der größten Wettbewerbe zu bekommen ist eine wahre Errungenschaft.

Womit sollen Weintrinker den Namen Gérard Bertrand verbinden?

Wein ist mehr als nur ein simples Getränk, es ist ein multidimensionales Geschmackserlebnis, eine Lebensart, vor allem hier in Frankreich. Wir versuchen mit unseren Weinen eine Vielfalt von Emotionen an unsere Konsumenten zu vermitteln, damit es eine besondere Erfahrung für sie wird. Wein hat die Macht, Menschen zu vereinen und lädt zum Teilen ein – egal ob Anfänger oder Kenner!

Gibt es eine Anekdote aus Ihrem Winzerleben, die Sie gerne erzählen?

Da gibt es viele! Jeden Morgen nehme ich mir die Zeit um in der Natur zu sein und gehe in den Familien-Ländereien von Cigalus mit meinen Hunden spazieren. Ich sehe, wie der Wein über die Jahreszeiten hinweg morgens aufwacht. Von diesem Anblick werde ich nie genug kriegen.

Gibt es einen Gérard Bertrand Wein, der Ihnen besonders am Herzen liegt?

Es ist ziemlich schwierig, diese Frage zu beantworten. Das ist, als würden Sie mich fragen, wer mein Liebling unter meinen Kindern ist! Sie sind mir alle sehr wichtig, da ich meine ganze Leidenschaft in diese Weine stecke. Aber wenn ich jetzt mal mitspielen soll, würde ich mich für den Clos du Temple Rosé entscheiden. Ein außergewöhnlicher Roséwein, der aus dem einzigartigen Terroir von Cabrières stammt. Es ist der erste Wein, der mir in den Sinn kommt, da wir den neusten Jahrgang erst vor ein paar Tagen zusammengestellt haben.

2019 Clos du Temple Rosé

Gibt es einen anderen Winzer, den Sie besonders schätzen?

Da gibt es ebenfalls einige, Aubert de Villaine (Anmerkung der Redaktion: Mitinhaber des weltweit bekannten Weingutes Domaine de la Romanée-Conti), Jean-Claude Berrouet (Anmerkung der Redaktion: Französischer Winzer und bekannt für seine Arbeit mit Jean Pierre Moueix im berühmten Chateau Petrus and Dominus Estate). Wenn ich einen nennen müsste, dann wäre das Michel Chapoutier (Anmerkung der Redaktion: Französischer Winzer und Pionier des biodynamischen Weinanbaus), da wir uns nahe stehen und dieselben Werte teilen. Glücklicherweise gibt es immer mehr Winzer, die auf die Harmonie zwischen der Natur und ihrer Arbeit achten – darüber bin ich sehr froh!

Haben Sie für Ihre Projekte eine Vision für die kommenden Jahre?

Wir wollen die biologische Vielfalt im gesamten biodynamischen Weinbau weiter fördern und die Ausweitung der ökologischen Weinproduktion im Languedoc fördern.

Gibt es einen Traum, den Sie als Winzer noch verwirklichen möchten?

Mein größter Traum als biodynamischer Winzer ist, dass “Bio” zur neuen Normalität wird.

Entdecken Sie alle Weine von Gérard Bertrand.

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