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Deutscher Riesling: Jahrgänge ab 2015 im Überblick

Welche Jahrgänge wirklich überzeugen – und warum die Herkunft entscheidend ist

Veröffentlicht am 20. August 2026
Über den Riesling-Wein wird in Deutschland gern in Superlativen gesprochen. Kaum eine Rebsorte reagiert so sensibel auf Klima, Lesezeitpunkt und Herkunft, kaum eine übersetzt einen Jahrgang so präzise ins Glas. Genau deshalb führt bei der Frage nach der Qualität deutscher Rieslinge seit 2015 kein Weg an einem Blick in die Regionen vorbei. 

Denn ein warmer Jahrgang bedeutet für Mosel-Riesling etwas anderes als in der Pfalz, und ein kühles Jahr spielt beim Rheingau-Riesling oft andere Stärken aus als in Rheinhessen. Die wichtigsten Riesling-Herkünfte sind dabei klar: Pfalz, Rheinhessen, Mosel, Rheingau und Nahe.  

Reife Jahre gegen klassische Jahre 

Rückblickend lassen sich die Rieslingjahrgänge seit 2015 grob in zwei Gruppen einteilen. Da sind zum einen die reiferen, sonnigeren, substanzstärkeren Jahre wie 2015, 2018, 2019 und 2020, in denen vor allem Pfalz und Rheinhessen oft besonders überzeugten. Zum anderen stehen die klassischeren, kühleren, spannungsreicheren Jahre wie 2016, 2017, 2021 und in gewisser Weise auch 2024, die besonders gut zu Mosel, Nahe und Rheingau passen. Diese Einteilung ist keine starre Regel, erklärt aber sehr gut, warum derselbe Jahrgang je nach Herkunft völlig unterschiedlich wahrgenommen wird.  

Der schnelle Überblick über die Rieslinge seit 2015 

  • Für klassische, straffe Rieslinge: besonders auf Mosel, Rheingau und Nahe in 2021, 2023 und 2024 achten.  
  • Für reifere, kraftvollere trockene Rieslinge: besonders Pfalz und Rheinhessen in 2018, 2019 und 2020 im Blick behalten.  
  • Für die vielseitigste Empfehlung insgesamt: 2023 ist über viele Regionen hinweg einer der überzeugendsten Rieslingjahrgänge der jüngeren Zeit.  
  • Für Liebhaber klassischer Stilistik: 2021 gehört zu den stärksten Jahrgängen der letzten Dekade.  
  • Für Entdecker eines kleineren, aber charaktervollen Jahrgangs: 2024 verspricht gerade in den klassischen Rieslingregionen sehr viel Profil.  


Ein tieferer Blick auf die letzten Riesling-Jahrgänge 

2015: Kraft, Reife, große Geste 

2015 war ein Jahrgang mit viel Reife und Substanz. In der Pfalz und in Rheinhessen entstanden daraus vielfach kraftvolle, trockene Rieslinge mit Schmelz, Dichte und sehr guter innerer Balance. Auch der Rheingau profitierte von dieser Reife, weil strukturierte Rieslinge dort oft besonders überzeugend ausfallen. An der Mosel gerieten die Weine in vielen Fällen etwas voller und wärmer als in klassisch kühlen Jahren, ohne ihre Herkunft ganz zu verlieren. 2015 ist damit kein filigraner, sondern ein souveräner, reifer und häufig sehr beeindruckender Rieslingjahrgang.  

2016 und 2017: Die stilleren, feineren Jahre 

Nach dem opulenteren 2015 zeigen 2016 und 2017 ein anderes Gesicht. Beide Jahre liegen stilistisch näher an dem, was viele Weinfreunde als klassischen deutschen Riesling schätzen: mehr Frische, mehr Zug, mehr Präzision. Gerade Mosel, Nahe und Rheingau konnten das besonders gut ausspielen. Dort entstanden oft feine, geradlinige Weine mit klarer Säurestruktur und viel Finesse. In Pfalz und Rheinhessen wirkten diese Jahrgänge insgesamt etwas weniger breit und weniger üppig, dafür häufig sehr ausgewogen. Wer Riesling eher wegen seiner Eleganz als wegen seiner Kraft liebt, findet hier spannende Jahrgänge.  

2018 bis 2020: Drei starke Jahre für die wärmeren Kernregionen 

Mit 2018, 2019 und 2020 folgte eine Phase, in der reife, substanzreiche und häufig sehr zugängliche Rieslinge das Bild prägten. Vor allem Pfalz und Rheinhessen traten in diesen Jahren stark hervor. 2018 brachte oft besonders offene, fruchtbetonte und früh charmante Weine hervor, 2019 wirkte vielfach etwas strukturierter und präziser, und 2020 zeigte sich sehr zuverlässig mit klarer Frucht und überzeugendem trockenem Ausbau. An der Mosel gelangen ebenfalls starke Weine, doch dort wirkte diese Trilogie häufig weniger klassisch als 2021 oder 2023. Für Liebhaber trockener, reiferer Rieslinge aus deutscher Herkunft gehören diese drei Jahre zu den interessantesten der jüngeren Vergangenheit.  

2021: Der klassischste Rieslingjahrgang der jüngeren Zeit 

Wenn ein Jahrgang der letzten Dekade besonders deutlich zeigt, warum Riesling in Deutschland Weltklasse sein kann, dann ist es 2021. Das Deutsche Weininstitut beschreibt ihn als aromatisch, mit weniger Alkohol als die Vorjahre, aber keineswegs mit weniger Ausdruck. Genau das spielt Mosel, Nahe und Rheingau in die Karten. Dort, wo Riesling von Kühle, Präzision und Länge lebt, war 2021 nahezu ideal. Auch in Rheinhessen und in der Pfalz entstanden sehr gute Weine, doch sein größter Reiz liegt klar in den klassischen Regionen. 2021 ist ein Jahrgang für alle, die Riesling nicht als Volumenwein, sondern als Herkunftswein trinken möchten.  

2022: Ein heißes Jahr

2022 war warm, trocken und deutlich heterogener. Genau deshalb verbietet sich beim Riesling jede pauschale Bewertung. An der Mosel wurde der Jahrgang als gut, aber weniger homogen beschrieben; in Rheinhessen kam der Riesling vergleichsweise gut durch die Hitze und bewahrte Frische und moderate Alkoholwerte. Die Nahe meldete gute bis teils sehr gute Qualitäten in eher filigranem Stil, und auch der Rheingau brachte klare, präzise Weißweine hervor. 2022 ist also weniger ein Jahr der großen Einheitlichkeit als eines der gelungenen Einzellösungen. Wer gezielt einkauft, kann sehr gute Rieslinge finden – muss aber stärker auf Erzeuger, Lage und Region achten als etwa 2021.  

2023: Der bislang vielseitigste Rieslingjahrgang der letzten Jahre 

2023 ragt in regionaler Perspektive besonders heraus. Das DWI nennt den Riesling ausdrücklich einen der Gewinner des Jahrgangs. Für die Mosel wurde sogar wörtlich von „einem Jahr für die Mosel“ gesprochen, und auch der Rheingau trat mit besonders starken Rieslingaussagen hervor. An der Nahe wurden hervorragende Qualitäten gemeldet, und in der Pfalz gelangen vielfach Top-Ergebnisse. Stilistisch verbindet 2023 vieles, was Riesling attraktiv macht: Frische, Frucht, Schlankheit und Präzision. Genau deshalb dürfte dieser Jahrgang rückblickend als einer der vielseitigsten und verlässlichsten der jüngeren Zeit gelten.  

2024: Klein, klassisch, charaktervoll 

2024 war wetterbedingt schwierig und mengenmäßig klein, qualitativ aber überraschend stark. Besonders interessant ist der Jahrgang dort, wo Riesling ohnehin von Frische und Feinheit lebt. An der Mosel sprechen die regionalen Einschätzungen sogar von einem Kabinett- und Spätlese-Jahr. Die Nahe meldete frische, fruchtige, eher schlanke Weine, und in der Pfalz wurden vor allem die nördlichen Rieslinge mit klassischem Profil und prägnanter Säure hervorgehoben. Auch der Rheingau erwartet fruchtige und terroirgeprägte Weine aus sehr reifen, aromatischen Rieslingtrauben. 2024 dürfte deshalb weniger durch Wucht als durch Stil überzeugen.  

2025: Noch jung, aber mit sehr positiver Tendenz 

Über 2025 lässt sich im August 2026 noch nicht abschließend urteilen, weil viele Spitzenrieslinge noch sehr jung sind. Die ersten Signale fallen jedoch klar positiv aus. Das DWI beschreibt kleinere, aromatische und fruchtbetonte Weine, teils bis hin zu sehr starken edelsüßen Qualitäten. Besonders aus der Pfalz wurden außergewöhnlich gesunde Trauben und Weine mit Struktur, Finesse und Lagerpotenzial gemeldet. Für ein endgültiges Urteil ist es früh, doch alles deutet darauf hin, dass 2025 ein ernstzunehmender Rieslingjahrgang werden könnte.  


Fazit: Worauf man bei der Riesling-Auswahl heute besonders achten sollte 

Wer heute nach besonders überzeugenden deutschen Rieslingjahrgängen seit 2015 sucht, sollte nicht nach dem einen besten Jahr fragen, sondern nach dem passenden Zusammenspiel von Jahrgang und Herkunft. 2021 ist der große klassische Jahrgang für Mosel, Nahe und Rheingau. 2023 ist der bislang vielseitigste und regional breit überzeugende Jahrgang. 2018 bis 2020 sind besonders spannend für Pfalz und Rheinhessen, wenn man reifere, substanzstärkere trockene Rieslinge schätzt. 2024 wiederum könnte sich als kleiner, aber charaktervoller Jahrgang für Liebhaber klassischer Stilistik erweisen. Die eigentliche Stärke des deutschen Rieslings liegt damit nicht in der Gleichförmigkeit, sondern in seiner Herkunftstreue: Jeder große Jahrgang erzählt nicht eine, sondern mehrere Geschichten.  

 

Orientierung für den Kauf: Diese Kombinationen aus Region und Jahrgang lohnen sich besonders 

Mosel + 2021 

Eine besonders starke Wahl für alle, die Riesling in seiner klassischen Form suchen: kühl wirkend, präzise, fein und von spannungsreicher Säure getragen. Gerade an der Mosel konnte 2021 seine Stärken besonders überzeugend ausspielen.  

Mosel + 2023 

2023 gehört an der Mosel zu den auffälligsten Rieslingjahren der jüngeren Zeit. Das Jahr brachte dort viel Frische, klare Frucht und jene Leichtigkeit hervor, die große Mosel-Rieslinge so unverwechselbar macht.  

Mosel + 2024 

Wer klassische Kabinett- und Spätlese-Stilistiken schätzt, sollte die Mosel aus 2024 im Blick behalten. Die Region selbst spricht von einem Kabinett- und Spätlese-Jahr mit gesunden, aromatischen Trauben.  

Rheingau + 2021 

Im Rheingau zeigte sich 2021 besonders attraktiv für strukturierte, geradlinige und langlebige Rieslinge. Ein Jahrgang für Leserinnen und Leser, die Herkunft, Kontur und klassische Strenge schätzen.  

Rheingau + 2023 

2023 war auch im Rheingau ein starkes Rieslingjahr. Wer ausdrucksstarke, gleichzeitig präzise und elegante Weine sucht, findet hier eine der spannendsten Kombinationen der letzten Jahre.  

Rheingau + 2024 

2024 dürfte im Rheingau vor allem für harmonische, fruchtige und terroirgeprägte Rieslinge interessant werden. Ein Jahrgang mit klassischer Handschrift und viel regionalem Profil.  

Nahe + 2021 

Die Nahe ist immer dann besonders spannend, wenn Frische, Feinheit und Präzision im Mittelpunkt stehen. 2021 war dafür ein nahezu idealer Jahrgang.  

Nahe + 2023 

2023 brachte an der Nahe hervorragende Qualitäten hervor. Besonders beim Riesling passte am Ende vieles zusammen, sodass der Jahrgang dort zu den besonders lohnenden jüngeren Kaufempfehlungen zählt.  

Nahe + 2024 

An der Nahe verspricht 2024 frische, fruchtige und eher schlanke Weine mit moderatem Alkohol. Wer elegante Rieslinge mit klarer Linienführung bevorzugt, sollte hier genauer hinsehen.  

Pfalz + 2018 

In der Pfalz brachte 2018 besonders reife, zugängliche und substanzreiche Rieslinge hervor. Ein sehr guter Jahrgang für alle, die mehr Fruchtfülle und Druck im Glas mögen.  

Pfalz + 2019 

2019 verbindet in der Pfalz Reife mit Struktur und wirkt häufig etwas präziser als 2018. Eine starke Empfehlung für trockene Rieslinge mit Substanz und Balance.  

Pfalz + 2020 

2020 war in der Pfalz ein sehr verlässlicher Jahrgang für klare, sauber gearbeitete und trockene Rieslinge. Wer Stilistik mit Präzision und Reife verbinden möchte, ist hier gut aufgehoben.  

Pfalz + 2023 

Auch 2023 gelangen in der Pfalz sehr überzeugende Rieslinge. Der Jahrgang verbindet Frische und Frucht mit einer für die Region bemerkenswert klaren Kontur.  

Rheinhessen + 2018 

2018 zählt in Rheinhessen zu den besonders interessanten Jahren für reifere, offene und früh zugängliche Rieslinge. Ideal für alle, die Fülle und Charme höher gewichten als strenge Kühle.  

Rheinhessen + 2019 

2019 brachte in Rheinhessen vielfach substanzreiche und zugleich gut balancierte Rieslinge hervor. Eine sehr stimmige Wahl für alle, die Kraft und Präzision zusammen suchen.  

Rheinhessen + 2020 

2020 steht in Rheinhessen für moderne, trockene Rieslinge mit Klarheit, Struktur und überzeugender Reife. Ein Jahrgang mit hoher Verlässlichkeit.  

Rheinhessen + 2023 

Auch Rheinhessen gehört 2023 zu den spannenden Adressen für Riesling. Wo die Selektion gut gelang, entstanden frische, ausgewogene und sehr gelungene Weine.
REDAKTIONSTEAM

Das Redaktionsteam des Wein-Magazins besteht aus den Mitarbeitern des Hanseatischen Wein & Sekt Kontors, die in den unterschiedlichsten Bereichen tätig sind. Hier schreiben Wein-Einkäufer, Mitarbeiter des Marketings und studierte Oenologen. Aber auch Kolleginnen und Kollegen, die einfach ganz viel Spaß am Wein haben.