Frei nach dem Motto „Weniger ist mehr“ und dem großen Fokus auf die Qualität seiner Weine, bewirtet Martin Korrell heute in 6. Generation die Weinberge des Familien Weingutes in Bad Kreuznach in der Region Nahe. Sein Anspruch ist es, großartige Tropfen hervorzubringen und dabei ganz auf klassische, anspruchsvolle Rebsorten zu setzen. Längst sind die Kollektionen von Martin Korrell kein Geheimtipp mehr, sondern erzählen von der Leidenschaft der spanisch-stämmigen Familie für ihr Terroir und ihre weiße Rebsorten.

Was ist Ihre erste mit Wein verbundene Erinnerung?

Wenn man ehrlich ist, gehört Wein in unserer Familie einfach schon immer zum Leben. Er war einfach immer da, der Jahresablauf im Weinberg bestimmte das Familienleben. Die ersten schönen Erinnerungen für mich sind hauptsächlich von der intensiven Zeit der Lese geprägt. Da saßen früher schon morgens um 7.00 die Lehrlinge und Helfer mit am Tisch zum Frühstück und zu Mittag durfte ich mit meiner Mutter das Essen in den Weinberg fahren. Abends versammelten sich oft alle Helfer in unserem ehemaligen Kelterhaus, um gemeinsam zu essen und Federweißer zu trinken. Dann kam ich langsam auf den Geschmack.

Familie Korrel in ihrem Weinberg
Familie Korrell in ihrem Weinberg
Was ist Ihre Philosophie als Winzer?

Meine Philosophie ist, dass ich mich nicht als Mensch oder Entertainer vermarkten oder verkaufen will, sondern dass mein Produkt für sich sprechen und überzeugen soll. Ich bin der Meinung, dass einbisschen zu viel Show in der Branche gemacht wird- was doch wirklich zählt ist die Grundqualität des Produkts. Die entsteht in Weinberg und Keller und dafür braucht man Zeit, Liebe zur Natur, zum Detail und Konsequenz. Ich werde nie die Arbeit als Kellermeister aufgeben, um für den Vertrieb durch die Welt zu reisen, dafür sehe ich mich viel zu sehr als Winzer mit Leib und Seele. Ich möchte den Ursprung von allem, die Rebe, nie aus der Hand geben, sondern sie so nachhaltig und naturnah wie möglich zu einem großen Wein führen. Dafür muss ich eben auf andere Dinge bisweilen verzichten- aber weniger ist mehr.

Was macht Ihnen an der Arbeit mit Wein die größte Freude?

Wie schon oben angedeutet machen mir die ursprünglichen und einfachen Dinge die größte Freude. Ich bin zum Beispiel gerade dabei, auf den biologischen Anbau umzustellen und hier Experimente  durchzuführen. Wenn dann ein Weinberg nach der Bearbeitung perfekt daliegt und auch noch die Bienenwiesen aufgehen, die ich gesät habe- erfreut das meine Seele und macht mich glücklich. Und wenn ich im Herbst früh morgens durch die Weinberge fahre und die Trauben hängen an den entblätterten Stöcken, als könnte man sie auf dem Markt verkaufen- das gibt mir innere Zufriedenheit.

Was war bis jetzt Ihr größtes Erfolgserlebnis als Winzer?

Größter Erfolg war bisher zweifelsohne der doppelte Gewinn des Riesling Cups. Beim ersten Mal 2005 waren wir noch absoluter Newcomer, niemand hat damit gerechnet, dass wir das „Ding holen“ und es war unser Sprungbrett in die Liga der deutschen Top Rieslingerzeuger. Denn der Riesling Cup des Feinschmecker ist im Gegensatz zu ganz vielen Verkostungen eine Blindprobe, bei der die Fachjury einfach nichts weiß, außer dem Geschmack des Weines im Glas. Das heißt, man lässt sich nicht von den großen Namen beeinflussen und jeder erhält die gleiche Chance. Zudem schicken zu diesem Wettbewerb alle hoch renommierten Betriebe eine Probe- und dann auch mal eine Nasenlänge vor Dönnhoff , Keller oder Wittmann zu sein ist schon ein außergewöhnlicher Erfolg. Denn ich schätze diese Aushängeschilder des deutschen Weines sehr. Außerdem kam noch hinzu, dass beim 2. Gewinn des Riesling Cups in München 2018 ein Wein gewonnen hat, der ein total mutiges Konzept hat und wenn man ehrlich ist aus der Reihe tanzt. Denn mit der Umstellung von 30 auf nur 12 Weine haben wir 2015 erstmals nicht mehr viele Einzellagen ausgebaut, sondern einen Riesling, der unsere gesamten Spitzenlagen an der oberen Nahe vereint, 2017 Riesling VON DEN GROSSEN LAGEN.

Womit sollen Weintrinker den Namen Korrell verbinden?

Mit dieser Lagencuvée haben wir einen sehr mutigen Schritt getan- hin zu einer ganz klaren, präzisen Konzentration. Das war nicht immer einfach. Wir haben am Anfang sehr viel Gegenwind verspürt- aber durch den Gewinn des Riesling Cups und die spätere Auswahl des Weines für Lufthansa ist dieser Wein mittlerweile unser erfolgreichster Riesling. Mut tut eben doch manchmal gut. Da kann ich kurz und knapp antworten. Mit Genuss , Lebensfreude und dem Spaß an einer guten Flasche Wein ! Wein ist nach wie vor zum Trinken da, er soll den Menschen Freude und Entspannung bringen, ein gutes Gespräch und Geselligkeit im Kreise von Menschen, bei denen man sich einfach wohlfühlt. Er muss nicht verkopft und schwierig sein und man muss auch kein Buch dazu lesen, bevor man eine Flasche öffnen darf.Korrell steht wie der Anfangsbuchstabe für Klassische Weine, kompromisslose Qualität und Konzentration auf das Wesentliche.

Gibt es eine Anekdote aus Ihrem Winzerleben, die sie gerne erzählen?

Ja…. Vielleicht mein Einstieg ins „richtige“ Berufsleben. Denn der war wirklich wie ein Sprung ins kalte Wasser. Ich war zum Praktikum in Australien, damals war ich 20. Es war die interessanteste und aufregendste Zeit meines Lebens und ich schwärme heute noch davon. Als ich zurückkam und aus dem Flugzeug ausstieg, holte mich meine Schwester ab und sah schon so komisch aus. Sie sagte mir, dass mein Vater von einer hohen Leiter gefallen sei und für mindestens 3 Monate im Rollstuhl säße- 2 Wochen vor Beginn der Lese. Das war 1995 und mein erster eigenverantwortlicher Herbst. Seitdem bin ich dabei.

Gibt es einen Korrell Wein, der Ihnen besonders am Herzen liegt?

Ja, das ist mit Sicherheit unser Herzstück Paradies. Dieser Wein hat den ersten Rieslingpreis damals gewonnen und ist unser einziger Einzellagen Riesling. Er wächst in Blickweite zum Weingut in einem Steilhang, der von Anfang an seit nach dem Krieg zum Weingut gehört. Dort steht auch die Bruchsteinmauer mit dem Namen Korrell, die mein Vater vor 20 Jahren gebaut hat.  Die Reben sind hier teilweise über 40 Jahre alt. Dort steht auch ein kleines Steinhaus, in das ich mich manchmal in stressigen Zeiten für ein paar Stunden zurückziehe, um Kraft zu schöpfen. Paradies Riesling steht für den Namen Korrell wie kein anderer Wein.

Gibt es einen anderen Winzer den Sie besonders schätzen?

Ja, mehrere, aber ich wähle mal zwei aus. Einmal unseren Nahe- Kollege und Legende Helmut Doennhoff, dessen Weinstil ebenso klassisch und unaufgeregt ist wie der, den wir anstreben und der einfach durch seine Qualität überzeugt. Zudem ist Helmut Doennhoff trotz seines weltweiten Erfolges total auf dem Boden geblieben und immer für ein freundschaftliches Gespräch haben. Konträr dazu haben wir immer wieder guten Kontakt zu Markus Schneider, der ja die absolute Erfolgsgeschichte hingelegt hat. Er hat uns im letzten Jahr mit seinem Team besucht und es war so ein herzliches und unkompliziertes Treffen, das mir nach wie vor in toller Erinnerung ist. Ich bewundere es, wenn erfolgreiche Winzer nicht arrogant werden, sondern auch noch die einfachen Dinge zu schätzen wissen, wie ein Abend mit einem guten Steak, einer außergewöhnlichen Flasche Wein und einem guten Gespräch. Markus ist da nach wie vor ein richtiger Kumpel geblieben.

Haben Sie für das Weingut eine Vision für die kommenden Jahre?
Sonnenaufgang Weingut Korrell
Ein Sonnenaufgang wie im Paradies

Ja, das ist auf jeden Fall die Umstellung auf nachhaltigen Weinbau mit der Prämisse, nichts an Qualität einzubüßen. Wir alle müssen umdenken, das soll und muss in allen Bereichen des Lebens kommen. Die letzten Sommer haben uns gezeigt, dass es so nicht weitergehen kann, die Natur rächt sich. Wir haben 4 Kinder- unser größtes Glück. Aber sie sollen auch noch in einer funktionierenden Umwelt groß werden, daran muss jeder von uns arbeiten

Gibt es einen Traum, den Sie als Winzer noch verwirklichen möchten?

Mein Traum- wenn es irgendwie im Leben mal mehr Zeit für solche Dinge gäbe, wäre es, noch einmal nach Australien zu kommen und dort vielleicht gemeinsam mit meinem ehemaligen Arbeitgeber einen Wein zu produzieren, den ich hier mitverkaufen könnte. Die Lese dort findet ja sowieso zu einem komplett anderen Zeitpunkt statt als bei uns. Die deutschen Rieslinge sind und bleiben unser Herzstück- aber ein richtig gehaltvoller, tiefgründiger Rotwein ist auch etwas Tolles. Gibt es schon einen Wein mit dem Namen down under? Den Namen müsste ich mir zumindest mal sichern.  Man muss ja träumen dürfen : )

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