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Wie wird Roséwein erzeugt?

Ein Blick auf die Methoden für die Erzeugung von Roséweinen

Veröffentlicht am 18. Juni 2026
Roséwein gehört zu den beliebtesten Weinstilen der Welt. Seine Farben reichen von zartem Lachsrosa bis hin zu kräftigem Himbeerrot, sein Geschmack von leicht und frisch bis hin zu komplex und strukturiert. Doch wie entsteht eigentlich die charakteristische Farbe eines Roséweins? Und stimmt es wirklich, dass Rosé einfach eine Mischung aus Rot- und Weißwein ist?

Die Antwort liegt in der Herstellung. Denn Roséwein entsteht durch präzise Entscheidungen im Weinberg und Keller. Die Dauer des Schalenkontakts, die Wahl des Herstellungsverfahrens und der Stil des Winzers prägen den späteren Charakter des Weins entscheidend.

Das Wichtigste zur Herstellung von Roséwein in Kürze

  • Roséwein wird überwiegend aus roten Trauben hergestellt.
  • Seine Farbe entsteht durch den kurzen Kontakt des Traubensafts mit den Beerenschalen.
  • Die wichtigsten Herstellungsverfahren sind Mazeration (Maischestandzeit), Direktpressung und Saignée.
  • Das Verfahren beeinflusst Farbe, Aroma und Struktur des Weins maßgeblich.
  • Direktpressung erzeugt helle, elegante Rosés, während Mazeration und Saignée für mehr Kraft und Intensität sorgen.

Die Herstellungsverfahren für Roséwein im Überblick

Roséwein wird fast immer aus roten Rebsorten hergestellt. Eine Ausnahme bildet der Rotling, die Erzeugung von Schaumweinen wie beispielsweise Champagner und Grauburgunder/Pinot Grigio – obwohl es sich um eine "weiße" Traube handelt, schimmern die Schalen leicht rötlich und ermöglichen die Erzeugung von Roséweinen.

Da sich die Farbstoffe überwiegend in den Beerenschalen befinden, entscheidet vor allem die Art und Dauer des Schalenkontakts darüber, wie intensiv die Farbe später ausfällt. Grundsätzlich haben sich drei Verfahren etabliert.

Mazeration (Maischestandzeit)

Die häufigste Methode zur Herstellung von Roséwein ist die kurze Mazeration, auch Maischestandzeit genannt.

Nach dem Entrappen und Anquetschen der Trauben bleibt der Most für einige Stunden mit den Schalen in Kontakt. Während dieser Zeit lösen sich Farbstoffe, Aromen und weitere Inhaltsstoffe aus den Beerenhäuten. Sobald die gewünschte Farbe erreicht ist, wird der Most von den Schalen getrennt und anschließend wie ein Weißwein vergoren.

Je länger die Maischestandzeit dauert, desto intensiver fallen Farbe, Fruchtaromen und Struktur aus.

Auswirkungen des Verfahrens auf den Weinstil: Rosés aus einer längeren Mazeration zeigen häufig kräftigere Rosatöne, mehr Körper und eine ausgeprägtere Aromatik. Neben roten Beerenfrüchten können auch würzige und kräuterige Noten stärker hervortreten. Die Weine wirken oft komplexer und eignen sich hervorragend als Speisenbegleiter.

Direktpressung

Bei der Direktpressung werden die roten Trauben unmittelbar nach der Lese gepresst. Der Kontakt zwischen Most und Schalen ist dabei extrem kurz. Dadurch gelangen nur geringe Mengen an Farbstoffen in den Saft, was zu den typisch blassrosa Weinen führt, für die die Provence weltweit bekannt ist.

Die Direktpressung bringt besonders elegante, frische und feinfruchtige Rosés hervor.

Auswirkungen der Direktpressung auf den Weinstil: Rosés aus Direktpressung zeichnen sich durch ihre helle Farbe, ihre Leichtigkeit und ihre klare Frucht aus. Typisch sind Aromen von Zitrusfrüchten, Pfirsich, Erdbeere oder weißem Steinobst. Durch den geringen Schalenkontakt wirken die Weine meist filigran, frisch und besonders animierend. Sie gelten als Inbegriff des modernen Provence-Stils.

Dazu zählen unter anderem der Whispering Angel von Château d'Esclans der Miraval Rosé von Château Miraval, der AIX Rosé von Maison Saint Aix sowie die Rosés von Château Minuty wie Minuty Prestige Rosé oder Rosé et Or. Sie alle stehen für den modernen Provence-Stil mit seiner hellen Farbe, feinen Frucht und lebendigen Frische.

Saignée-Verfahren

Das Saignée-Verfahren – französisch für „Aderlass“ – stammt ursprünglich aus der Rotweinproduktion. Nach einer kurzen Mazeration wird ein Teil des Mostes aus dem Gärbehälter abgezogen und separat vergoren. Gleichzeitig konzentriert sich die verbleibende Maische für den späteren Rotwein.

Auswirkungen auf den Weinstil: Rosés aus dem Saignée-Verfahren besitzen meist eine tiefere Farbe, mehr Extrakt und eine intensivere Frucht als Weine aus der Direktpressung. Häufig erinnern sie aromatisch an Himbeeren, Kirschen oder Brombeeren und zeigen eine spürbare Struktur am Gaumen. Dadurch wirken sie oft kraftvoller und können sogar leicht gekühlt zu herzhaften Speisen serviert werden.

Auch in Deutschland gibt es erfolgreiche Vertreter dieses Stils. Der Rosé Saigner von Markus Schneider zeigt eindrucksvoll, wie kraftvoll und aromatisch ein Rosé aus dem Saignée-Verfahren ausfallen kann.

Roséwein entsteht durch Präzision

Ob Direktpressung, Mazeration oder Saignée-Verfahren – Roséwein ist weit mehr als ein Wein zwischen Rot und Weiß. Jedes Herstellungsverfahren bringt einen eigenen Stil hervor und eröffnet unterschiedliche geschmackliche Facetten.

Vereinfacht gesagt entstehen durch die Direktpressung die hellsten und elegantesten Rosés, durch die Mazeration die vielseitigsten und strukturiertesten Vertreter und durch das Saignée-Verfahren die kraftvollsten und intensivsten Roséweine.

Während die Direktpressung für die hellen, eleganten Rosés der Provence steht, sorgen längere Maischestandzeiten für mehr Struktur und Tiefe. Das Saignée-Verfahren wiederum erzeugt besonders charaktervolle Rosés mit intensiver Frucht. Genau diese Vielfalt macht Roséwein heute zu einer der spannendsten und beliebtesten Weinkategorien überhaupt.

Mythen rund um die Herstellung von Roséwein

Mythos: Rosé entsteht durch das Mischen von Rot- und Weißwein.
Dieser Mythos hält sich hartnäckig. Tatsächlich werden die meisten Roséweine ausschließlich aus roten Trauben hergestellt. Das Verschneiden von Rot- und Weißwein ist in der Europäischen Union grundsätzlich nicht erlaubt. Eine bekannte Ausnahme bildet die Herstellung einiger Rosé-Champagner.

Mythos: Rosé ist einfach ein leichter Rotwein.
Rosé besitzt seinen ganz eigenen Stil. Die Weine vereinen die Frische eines Weißweins mit den fruchtigen Aromen roter Trauben und unterscheiden sich dadurch deutlich von Rot- und Weißwein.

Mythos: Die Farbe verrät, wie süß ein Rosé ist.
Ob ein Rosé trocken oder fruchtig ausgebaut wird, hängt von der Vinifikation ab. Die Farbintensität wird dagegen vor allem durch die Dauer des Schalenkontakts bestimmt.
REDAKTIONSTEAM

Das Redaktionsteam des Wein-Magazins besteht aus den Mitarbeitern des Hanseatischen Wein & Sekt Kontors, die in den unterschiedlichsten Bereichen tätig sind. Hier schreiben Wein-Einkäufer, Mitarbeiter des Marketings und studierte Oenologen. Aber auch Kolleginnen und Kollegen, die einfach ganz viel Spaß am Wein haben.