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Recioto della Valpolicella
Recioto della Valpolicella im Überblick
- Süßwein aus dem Anbaugebiet Valpolicella
- Trocknung der Trauben für mindestens 120 Tage
- Wasserverlust führt zu Zucker- und Aromenkonzentration
- Die Gährung wird vorzeitig gestoppt, die Restsüße bleibt erhalten
- Passt Hervorragend zu Desserts, dunkler Schokolade und Nussgebäck und ideal zu gereiftem Käse wie Blauschimmel oder Hartkäse
- Serviertemperatur: 14–16 °C
- Ideales Glas: Großvolumiges Rotweinglas mit leicht verengter Öffnung
- Lagerung: Dunkel, konstant kühl – sehr gutes Reifepotenzial
- Unterschied zu Amarone: Beide nutzen dasselbe Traubenmaterial und Trocknungsverfahren. Beim Recioto wird die Gärung gestoppt, es entsteht ein süßer Wein, Amarone wird vollständig durchgegoren, es entsteht ein trockener, kräftiger Wein
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Der Vorfahre des Amarone della Valpolicella
Recioto della Valpolicella gilt als der älteste Wein der Appellation Valpolicella und als direkter Vorfahre des heute international bekannteren Amarone. Seine Ursprünge reichen tief in die antike Weingeschichte der Region zurück, und er gehört zu den wenigen italienischen Weinen mit dem Prädikat Denominazione di Origine Controllata e Garantita (DOCG), das seit 2010 offiziell besteht und zuletzt 2014 aktualisiert wurde.
Die Herkunft ist geografisch streng geregelt: Ausschließlich Trauben aus ausgewählten Gemeinden in der Provinz Verona – darunter Fumane, Negrar, Marano di Valpolicella und weitere – dürfen für die Produktion verwendet werden. Die Bezeichnung „Classico“ darf nur dann geführt werden, wenn die Trauben aus dem ursprünglichen Kerngebiet der Valpolicella stammen. Recioto ist dabei nicht nur ein Name, sondern Ausdruck einer jahrhundertealten, handwerklich geprägten Weintradition, die sich konsequent dem Erhalt von Stilistik, Terroir und önologischer Identität verschrieben hat.
Ein aromatisches Profil voller Tiefe und Ausgewogenheit
Sensorisch präsentiert sich der Recioto als tief rubinroter Wein mit violetten Reflexen, die im Reifeverlauf in granatfarbene Nuancen übergehen. In der Nase offenbart er eine charakteristische, akzentuierte Aromatik, geprägt von balsamischen Noten, getrockneten Früchten und typischen Anklängen von Maraschino-Kirsche.
Am Gaumen zeigt sich der Wein vielschichtig und weich, mit einer vollmundigen Struktur, samtigen Tanninen und einer integrierten Süße, die dank seiner frischen Säure niemals überladen wirkt. Die sensorischen Eindrücke reichen von Vanille und Röstaromen bis hin zu zarten, warmen und eleganten Geschmacksfacetten, die lange nachhallen. Die feine Balance zwischen Fruchtsüße, Alkoholstruktur und Säure macht den Recioto zu einem in seiner Stilistik einzigartigen Dessertwein – opulent, aber stets harmonisch.
Aufwändige Herstellung mit Konzentration aufs Wesentliche
Die Herstellung des Recioto della Valpolicella beruht auf einem aufwändigen Verfahren, das Geduld und Präzision erfordert. Nach der Lese werden die Trauben – zu 45–95 % Corvina (gegebenenfalls ersetzt durch Corvinone), 5–30 % Rondinella sowie einem variablen Anteil weiterer autochthoner Sorten – für mindestens 120 Tage auf speziellen Trocknungsgestellen gelagert.
Dieser Prozess im sogenannten fruttaio, einem gut belüfteten Raum, führt zur Wasserverdunstung in den Beeren und zur Konzentration von Zucker, Aromen und Extraktstoffen. Erst danach erfolgt die Pressung und kontrollierte Gärung, die gezielt vorzeitig gestoppt wird, um den natürlichen Restzuckergehalt zu bewahren. Dadurch entsteht ein Wein mit mindestens 12 Vol.-% Alkohol, einem Säuregehalt von mindestens 5 g/l und einem bemerkenswert hohen Trockenextrakt von mindestens 28 g/l – Zahlen, die die Dichte und Fülle des Recioto dokumentieren.
Kulinarisches Zusammenspiel
Sein süßer und gleichzeitig frischer Charakter prädestiniert ihn als Begleiter zu feinsten Desserts – insbesondere mit dunkler Schokolade oder Schokoladentörtchen entfaltet er seine volle Wirkung. Auch mit Blauschimmelkäsen oder lang gereiftem Hartkäse wie Grana Padano oder Parmigiano Reggiano bildet er spannende Kontraste. Seine Aromenstruktur erlaubt darüber hinaus Kombinationen mit Feigen, Trockenobst und Nussgebäck. In der gehobenen Küche ist Recioto nicht bloß ein Nachspeisenwein, sondern Teil einer feinsinnig komponierten Speisenfolge, die aromatische Tiefe und Strukturreichtum ins Zentrum stellt.
Recioto und Amarone – Zwei Weine, ein Ursprung, zwei Wege
Obwohl Recioto und Amarone della Valpolicella denselben Ursprung und nahezu identische Herstellungsschritte teilen, trennen sie sich an einem entscheidenden Punkt: der Gärung. Während beim Amarone der gesamte Zucker durchgegoren wird und dadurch ein trockener, kraftvoller Rotwein entsteht, bleibt beim Recioto ein bedeutender Anteil unvergorener Zucker erhalten.
Das Ergebnis ist ein süßer Wein mit weicher Struktur und lebendiger Frucht, der jedoch nie schwer wirkt. Beide Weine stammen aus denselben Rebsorten und durchlaufen die gleiche Trocknungsphase, doch der Recioto verkörpert die ursprüngliche, traditionelle Form der Vinifikation. In gewisser Weise ist der Amarone eine moderne Weiterentwicklung, während der Recioto die klassische Eleganz des Süßweins bewahrt.
Optimale Genussbedingungen
Für den vollkommenen Genuss des Recioto della Valpolicella empfiehlt sich eine Serviertemperatur zwischen 14 und 16 °C. In diesem Temperaturbereich entfalten sich die komplexen Aromen in ihrer ganzen Tiefe, ohne dass der Wein seine Frische einbüßt.
Das ideale Glas ist ein bauchiges Rotweinglas mit leicht verengter Öffnung, das die Konzentration der Duftstoffe unterstützt.
Bei richtiger Lagerung – dunkel, ruhig und mit gleichmäßiger Temperatur – lässt sich Recioto über Jahre hinweg aufbewahren, wobei er mit der Zeit an Komplexität und Finesse gewinnt. Insbesondere Flaschen aus guten Jahrgängen profitieren von geduldiger Reifung und belohnen diese mit einer noch intensiveren Aromatik und geschmeidigeren Struktur.