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Madeira

Das Gold der Seefahrer – Wein aus Madeira

Die portugiesische Insel Madeira ist der Ursprungsort für den berühmten, gleichnamigen Dessertwein. Bereits seit Ende des 16.Jahrhunderts wird der Rebensaft mit dem süßen Charakter und einem Alkoholgehalt von 17 bis 22 Prozent durch die Zugabe von Zuckerrohr gewonnen. Sein Geschmack ähnelt dem Sherry, Portwein oder Marsala. Heute dominiert die Tinta negra Mole die steilen Anbauflächen, aber auch die Rebsorten Bastardo, Malvasia, Sercial, Boal und Verdelho werden kultiviert. Je nach Süßungsgrad eignet sich der daraus gekelterte Madeira immer noch als Dessertwein, zum Beispiel zu Früchten, Käse oder Schokolade, oder als Aperitif zu Vorspeisen und zu Fisch.

Madeira

Die besten klimatischen Voraussetzungen für Weinanbau

Madeira liegt im Atlantik etwa 650 Kilometer vor der Küste Marokkos und 1.000 Kilometer vom heimischen, portugiesischen Festland entfernt. Der Ursprung des Weinanbaus geht auf die historische Vernichtungslust der Eroberer zurück: Die Portugiesen steckten die Insel nach ihrer Entdeckung 1419 in Brand. Sieben Jahre wütete das Feuer und vernichtete die gesamte Vegetation. Aber es schuf auch die Grundlage für den bis heute andauernden Weinbau: der vulkanische Boden und die zurückbleibende Holzasche bildeten ideale Voraussetzungen für große Rebflächen.

Hinzu kommen die perfekten klimatischen Bedingungen: Die subtropische Atmosphäre lässt die Reben hier ausgezeichnet gedeihen. Selbst in den kühlen Wintermonaten fällt das Thermometer kaum unter 20 Grad. Es kommt immer wieder zu Regenschauern, die sich aber selten lange halten. Der Niederschlag ist dabei im Süden der Insel noch seltener als im Norden. Heute finden sich auf Madeira 2.000 Hektar Weinberge, die von etwa 4.000 Winzern kultiviert werden. Die Anbauflächen liegen bis zu 1.000 Meter über dem Meeresspiegel an steilen Terrassen. Deshalb ist die Ernte auf der Insel auch bis in unsere Zeit größtenteils Handarbeit.

Wie Madeira zur Insel der Weinliebhaber wurde

Madeira war im 6. Jahrhundert vor Chr. bereits den Phöniziern, später auch den Römern bekannt. Hinweise über eine dauerhafte Besiedlung aus dieser Zeit gibt es jedoch nicht. Bei ihrer (Wieder-)Entdeckung 1419 durch den portugiesischen Seefahrer João Gonçalves Zarco war die Insel komplett von Wäldern bedeckt (Madeira = „Insel des Waldes“). Nur aufgrund der Brände konnte sie sich zu einem der wichtigsten Weinanbaugebiete des 17.Jahrhunderts entwickeln. Die mit Zuckerrohr destillierten Weinbrände Madeiras begleiteten viele Seefahrer über den Atlantik in die neue Welt.

Erste historische Erwähnungen

Das erste Mal wird der Dessertwein „Madeira“ in einer Legende aus dem Jahr 1478 erwähnt. Der Bruder des englischen Königs Edward IV., George Plantaganet Herzog von Clarence, soll wegen Gewalttätigkeit, Habgier und Verrat zum Tode verurteilt worden sein. Angeblich konnte er seine Todesart aber selbst wählen und entschied sich für das Ertränken in einem mit Malmsey (die süßeste Variante des Madeiras) gefüllten Fass im Tower. Ob er tatsächlich ertrunken ist oder nur zu viel des guten Weines trank, ist heute nicht mehr nachweisbar. Eine späte Exhumierung brachte allerdings Gewissheit darüber, dass er nicht durch die übliche Todesstrafe der Hinrichtung starb.

Die „Madeirisierung“ der Welt

Den ausgefallenen Herstellungsprozess des Madeiras, der als Madeirisierung bezeichnet wird, verdankten die Portugiesen einem Zufall:

·         Im 17. Jahrhundert schifften die Niederländer viele Liter Madeira von Funchal aus in die neuen Kolonien in Südamerika und Asien.

·         Dabei stellten sie fest, dass der Wein immer besser wurde, je länger er auf der Überfahrt lagerte.

·         Der Gärungsprozess lässt sich heute auf die extremen Temperatur-Schwankungen zurückführen – damals vermuteten die Seefahrer, dass das Schaukeln der Wellen dem Wein gut täte.

·         Nach dieser Entdeckung ließ die portugiesische Krone Schiffe, die Madeira geladen hatten, extra nach Ostindien und zurückfahren, um den typischen Geschmack zu erzeugen.

Die daraus resultierenden Weine wurden „Vinho da roda“ (Wein im Umlauf) oder „Vinhos de torna-viagem“ (Weine machen eine Reise) genannt. Bis Anfang des 20.Jahrhunderts behielten die Madeirer diesen aufwendigen Herstellungsprozess bei – dann wurden spezielle Weinlager erfunden (Estufa = Ofen), unter deren sonnenbeschienenen Blechdächern die hohen Temperaturen nachgeahmt werden konnten. Heute wird der madeirische Wein durch das Estufagem-Verfahren hergestellt, das ebenfalls auf Hitzeunterschieden basiert.

Der Siegeszug des Madeira setzte schließlich mit der Eroberung Amerikas ein. Schnell wurde der süße Wein an der dortigen Ostküste sehr beliebt. Selbst George Washington, der erste US-Präsident, trank täglich einen Madeira zum Abendessen. Und auch die Gründung der amerikanischen Hauptstadt wurde mit dem begehrten Rebensaft aus dem fernen Portugal gefeiert. Im 19. Jahrhundert veranstalteten die Amerikaner gerne Madeira-Partys. Erst mit dem Einfall des Mehltaus und der Reblaus in den 1870er Jahren erlebte der Weinanbau der Insel einen Einbruch. Heute tauchen immer wieder vereinzelt sehr alte Flaschen des Madeiras auf, die davon zeugen, wie langlebig sein Herstellungsprozess diesen süßen Tropfen macht.

Die außergewöhnliche Natur Madeiras

Madeira besticht durch seine beeindruckenden Naturlandschaften und die vielfältige Kultur seiner Einwohner. Der Weinanbau und andere landwirtschaftliche Zweige, wie zum Beispiel der Zuckerrohr-Anbau, prägen auch heute noch das Bild der Insel durch die raffiniert angelegten Terrassenfelder. Daneben gibt es zahlreiche Naturschutzgebiete, in denen sich Flora und Fauna der Insel bestaunen lassen. Besonders beeindruckend sind die seltenen Lorbeerwälder. Weitere Highlights für einen Urlaub auf der sonnenverwöhnten Atlantikinsel sind:

·         Die Klippen des Cabo Girão – die höchste Klippenwand der Welt

·         Die Alleen von Funchal – Jakarandas (Tropenbaumgewächse mit großen Blüten) säumen die Straßen

·         Die Capela de São Vicente – beispielhaft für die zahlreichen wunderschönen Kirchen und Klöster der Insel

·         Die Sandstrände von Porto Santo – Karibik-Feeling mitten im Ozean

Die Madeirer lieben aber nicht nur die Natur, sie feiern auch gerne. Deshalb gibt es über das Jahr verteilt viele spektakuläre Feste, die begeisterte Touristen aus aller Welt anlocken. Zu den bekanntesten zählen:

·         Das Silvesterfeuerwerk von Funchal – laut dem Guinness-Buch der Rekorde das größte der Welt ist.

·         Der Karneval – Mit seinen farbenfrohen Umzügen und Samba-Tänzen erinnert er an Rio

·         Das Blumenfestival – m Mai wird mit großen Paraden dieses bezaubernde Fest der Blüten gefeiert

Außerdem kommen Besucher bei vielen kleinen kulinarischen Festen zu einem besonderen Gaumenschmaus.

Die traditionellen Weinfeste von Madeira

Im August und September wird die Insel zu einem Paradies für Weinliebhaber. Dann ist nicht nur Erntezeit, sondern die edlen Tropfen werden auch ausgiebig gefeiert. Den Beginn macht Anfang August die Wein-Rallye von Madeira, bei der Touristen die Fahrkünste von Rallye-Fahrern aus ganz Europa auf den bergigen Strecken bewundern können. Die malerische Landschaft der Insel bildet die zauberhafte Kulisse für dieses Spektakel.

 

Vom 27. August bis zum 10. September findet dann das große Weinfest von Madeira statt. Dabei können Touristen die alten Traditionen des Weinbaus nachempfinden. Die Feierlichkeiten beginnen im Dorf Câmara de Lobos mit dem Traubenpflücken. Anschließend können Besucher den Umzug der Pflücker und andere alte Bräuche bestaunen. In Funchal wird die Prozession der Weinarbeiter mit einem Straßenfest begrüßt. Während des ganzen Monats finden zahlreiche Folklore-, Licht- und Klang-Shows statt. Alleine die dort angebotenen Köstlichkeiten sind eine Reise wert. Die jahrhundertealte Weingeschichte der Insel wird so weitergepflegt und gelebt.