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Valle de Colchagua

Aufstrebende Rotweinregion Chiles

Etwa 150 Kilometer südlich der Landeshauptstadt Santiago liegt eines der vielversprechendsten Weinanbaugebiete des Landes. Valle de Colchagua bietet vor allem den roten Weinreben ideale Bedingungen, da hier ein kontinentales Klima mit maritimen Einflüssen herrscht. Im Colchagua-Tal ist es warm und überwiegend trocken, zugleich sorgen die pazifischen Winde für die Luftfeuchtigkeit. Der durch das Tal fließende Tinguiririca-Fluss bringt klares Schmelzwasser von den Gletschern. In der Valle de Colchagua gedeihen unter hervorragenden Bedingungen Rebsorten wie Cabernet Sauvignon, Shiraz und Carmenère. Zu den erfolgreichsten Weingütern dieser Weinregion zählen unter anderem Casa Lapostolle und Viña Casa Silva.

 

Valle de Colchagua

Das Weingebiet der ganz Großen: Das Valle Colchagua

Die ganz Großen aus dem Valle Colchagua sind gleichzeitig auch die ganz Jungen: Unter ihnen finden sich Namen wie Viñas Montes, Los Vascos und Lapostolle. Sie hat es in den Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts noch nicht gegeben. Das Ende der Diktatur Pinochets und noch mehr das Ende der seit 1938 währenden Prohibition im Jahre 1974 brachten Chile einen veritablen Weinboom, der in den Achtzigerjahren begann und immer noch anhält. 1979 begann der Spanier Miguel Torres mit der Weinproduktion in Curicó. 1988 zog die französische Domaine de Rothschild mit der Gründung von Los Vascos nach. Im selben Jahr gründeten die vier Weinspezialisten Montes, Murray, Grand und Vidaurre Viña Montes S.A. 1994 zog es die Tochter des Marnier Konzerns nach Chile. Alexandra Marnier Lapostolle gründete zusammen mit Cyril de Bournet im Jahr 1994 das Weingut Lapostolle, eine weitere gute Adresse für einen hervorragenden Rotwein. Dass diese Pioniere auf das Valle Colchagua setzten, ist kein Zufall. Das Terroir ist einfach zu gut, um es links liegenzulassen. 2005 vergab der „Wine Enthusiast“ den Titel für das beste Weingebiet der Welt an das Valle Colchagua. Bis dahin hatten die Weinbauern nicht nur einen Großteil der Weinberge neu gepflanzt, sondern auch massiv in die Infrastruktur investiert, was der Weinwirtschaft und dem Tourismus jetzt zugutekommt.

 

Merken sollte man sich auf jeden Fall Les Dix von Los Vascos, eine Linie, den das französische Weingut zu seinem zehnten Geburtstag auflegte. Darunter finden sich zum Beispiel eine Cuvée aus Cabernet Sauvignon, Carmenère und Syrah in bester Bordeaux-Manier. Eine schöne Weise, den Geschmack des Valle Central kennenzulernen, ist aber auch der Montes Alpha M, die Premiumlinie der Viña Montes, eine Cuvée aus Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot und Petit Verdot. Wenn man schon mal bei Montes angelangt ist, sollte man auf jeden Fall einen Syrah aus diesem Haus probieren. Denn diese gelten als die besten, die man in Chile kaufen kann. 

Zwischen Anden und Kordilleren

Das Valle de Colchagua bildet zusammen mit Cachapoel den südlichen Teil der Region Rapel. Diese wiederum ist eine der vier Regionen, die zusammen die Weinbauregion Valle Central bilden, das größte Weinbaugebiet Chiles. Auch wenn es sich nur um eine Subregion handelt, sind die Dimensionen riesig. Allein das Valle de Colchagua umfasst 20.000 Hektar an den Ufern des Río Tinguiririca bis zu den Ausläufern der Anden. Hier geht es bis auf 1.000 Metern über Null hinauf.

 

Wie viele Regionen Chiles ist auch dieses Gebiet durch ein besonders warmes Klima geprägt. Dass es hier überhaupt Weinbau gibt, ist der künstlichen Bewässerung durch das Wasser des Río Tinguiririca und anderer Flüsse aus den Anden zu verdanken. Und den frischen Winden, die sich vom Pazifik über die Kordilleren bis weit ins Landesinnere ziehen und für eine entsprechende Abkühlung sorgen. Die Böden in der Region sind lehmig bis sandig und sehr mineralstoffreich. Damit eignen sie sich hervorragend für die Bordeaux-Cuvée. Auf 80 % der Weinberge stehen die Rotweinsorten Cabernet Sauvignon, Merlot, Syrah, Carmenère und Malbec. Nur 20 % der Fläche und eher im Westen beheimatet sind Weißweintrauben wie Chardonnay und Sauvignon Blanc.

 

Angebaut werden die Trauben auf riesigen Weingütern. Ein Weingut mit knapp 100 Hektar gilt hier wie auch in anderen Regionen Chiles als klein. Allein Viña Montes besitzt im Valle Colchagua und im nicht weit entfernten Curicó 200 Hektar Anbaufläche, das Gut Los Vascos verfügt sogar über 480 Hektar Anbaufläche, wobei sie auch in der Region Aconcagua, also nördlich von Santiago de Chile große Flächen gepachtet hat, auf denen es Weißweine anbaut. Viña Santa Rita, ein Weingut, das praktisch überall in Chile zu finden ist, wo man Wein anbaut, bewirtschaftet ganze 2.500 Hektar. Zum Vergleich: Das größte deutsche Weingut, Kloster Eberbach, besitzt gerade mal 220 Hektar Anbaufläche. Die Größe der chilenischen Weingüter und die geringen Lohnkosten lassen vermuten, dass sich europäische Weinproduzenten auch weiterhin in dem südamerikanischen Land engagieren werden.

 

Urlaub zwischen Reben

Das Weingut Los Vascos begann sofort nach seiner Etablierung auf dem chilenischen Markt, auch in den Tourismus zu investieren. Sichtbar wird das, wenn man das großzügig angelegte Weingut besucht und gleich auf ein im chilenischen Stil erbautes Gasthaus stößt. Eine gute Gelegenheit hier vorbeizukommen ist die Ruta del Vino, die Weinstraße, die einmal quer durch das Colchagua verläuft und an allen großen Gütern Halt macht. Auf den Weg machen kann man sich im Auto, es werden aber auch Touren auf dem Pferd angeboten. Und wer es ganz romantisch will, steigt in den kleinen Zug, der von der Hauptstadt San Fernando durch die Weinberge des Colchagua bis nach Peralillo, der Heimat von Los Vascos fährt.

 

Das Colchagua hat in den vergangenen zwanzig Jahren viel Geld und noch mehr Sorgfalt in die Entwicklung eines nachhaltigen Tourismus investiert. Das Weingut Montes zum Beispiel investierte allein 5 Millionen Dollar in den Bau seiner im Feng-Shui-Stil gehaltenen Bodega zum Probieren der Weine. Kleine Hotels sowohl in der Metropole San Fernando als auch auf dem Land laden zu einem längeren Aufenthalt ein. Viele Weingüter, wie zum Beispiel auch Lapostolle, bieten auf ihren Ländereien auch exklusive Übernachtungsmöglichkeiten an. Die chilenische Kultur kann man quasi an jeder Ecke entdecken, während Museen wie in San Fernando von der Geschichte des Landes und den Expeditionen Charles Darwins erzählen. Und dann gibt es natürlich noch das alltägliche Leben der Chilenen: Sie lieben Rodeos, die traditionelle Musik und das Tanzen. Und sie haben eine große Vorliebe für eine deftige Küche mit herzhaften Gerichten wie Fleisch vom Grill und jeder Menge Empanadas. Natürlich ist es bis zum nächsten Weingut gewissermaßen immer nur ein Katzensprung.   

Cabernet Sauvignon, Carmenère und Co.

Der Weinbau in Chile, gerade der im Valle Central im Süden von Santiago de Chile, kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Vom einfachen Wein der Conquistadoren, der vor allem für den Gebrauch in Gottesdiensten gedacht war, bis zum heutigen Premium-Wein, war es ein langer Weg, mit vielen Schwierigkeiten sowohl politischer als auch wirtschaftlicher Natur.

 

Den ersten Winzern war schnell klar, dass ihnen hier ein hervorragendes Terroir zur Verfügung stand. Die ersten Reben waren neben wilden Trauben die aus Spanien importierte Criolla Chica, die heutzutage praktisch nur für Tafeltrauben und den chilenischen Schnaps, den Pisco verwendet wird. Aber es sollte noch drei Jahrhunderte dauern, bis Bertrand Silvestre Ochagavia Echazareta erstmals edle Rebsorten aus der Region von Bordeaux mitbrachte. Unter ihnen befanden sich auch Cabernet Sauvignon, Chardonnay und Merlot. Den Europäern hat das nicht immer gefallen. Gerade die Spanier fürchteten die Konkurrenz aus der Neuen Welt und beschränkten den Weinbau drastisch. Die Reblaus-Epidemie bewirkte allerdings das Gegenteil. Wein aus Übersee war nach dem Zusammenbruch der europäischen Weinproduktion im späten 19. Jhd. gefragt wie nie. Dass ein chilenischer Wein bei der Weltausstellung in Paris 1889 einen Grand Prix gewann, war ein erstes Anzeichen dafür, dass hundert Jahre später mit Chile ein wirklicher Konkurrent den Weltmarkt betreten sollte.

 

 

Das Valle Central und die Region Aconcagua stellten sich als besonders prädestiniert für europäische Trauben heraus. Gerade die Bordeaux-Cuvée mit Cabernet Sauvignon, Merlot, Carmenère und Cabernet Franc kommt mit dem mediterranen Klima, der vielen Sonne und den kühlenden Winden vom Pazifik besonders gut klar. Die Carmenère ist inzwischen so etwas wie eine chilenische Traube geworden, da sich ihr Bestand in Frankreich nach der Reblaus-Epidemie nie wieder erholen konnte. Die kühlen Nächte in den Weinbauregionen Chiles sorgen darüber hinaus dafür, dass der Alkoholgehalt der Weine nicht ins Unermessliche steigt und die Trauben eine Finesse entwickeln, die an ihre französische Herkunft erinnert. Dennoch musste der Siegeszug der chilenischen Winzer noch bis 1974 warten, bis die Regierung die letzten Prohibitions-Gesetze abschaffte. Jetzt konnten auch europäische Weinproduzenten in den Weinbau des Andenstaates einsteigen. Ihre Expertise, die chilenische Tradition und das hervorragende Terroir machen die „französischen Weine aus Chile“ zu einer ernst zun ehmenden Konkurrenz für die europäischen Winzer. 

Valle de Colchagua und Aconcagua im Vergleich

Auf den ersten Blick sind die beiden Gebiete Aconcagua und das Valle Colchagua gar nicht so unähnlich, in beiden Regionen werden Spitzenweine kreiert, die man locker in die Kategorie Boutique einordnen könnte, wäre da nicht die schiere Größe der Weingüter. Auf den zweiten Blick gibt es aber zwei Unterschiede, die ins Gewicht fallen. Das Aconcagua-Gebiet blickt auf eine viel längere Tradition zurück. Das wird schon deutlich, wenn man das Weingut Viña Erráduriz heranzieht, das auf eine ununterbrochene Geschichte von über 140 Jahren zurückblicken kann. Die Rolle der Newcomer, besonders aus dem europäischen Ausland, spielt hingegen im Valle de Colchagua eine größere Rolle, wie die Beispiele von Los Vascos, Montes und Lapostolle zeigen.

 

 

Der zweite und wohl gewichtigere Unterschied liegt in der Westküste von Aconcagua. Sie ist gerade prädestiniert für den Anbau von Chardonnay und Cabernet Blanc, also klassischen Weißweinreben. Das haben die Önologen von Los Vascos natürlich auch verstanden und recht große Gebiete im Valle de Casablanca gepachtet, um ihr Angebot um hochklassige Weißweine erweitern zu können. Man kann also sagen, dass Aconcagua mehr die Vielfalt des südamerikanischen Landes verkörpert. Und wenn man an den Seña denkt, den Premium-Rotwein von Erráduriz und Mondovi aus dem Aconcagua, ist es tatsächlich schwierig zu sagen, aus welcher Region nun der beste rote Chilene kommt. Die Entscheidung wird, wie so oft auf diesem Gebiet, nur ein direkter Vergleich entscheiden können. Gewinnen werden dabei in jedem Fall die glücklichen Weinkenner in der Jury.