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Roman Josef Pfaffl im Gespräch mit No & Low

Wenn das Leben sich ändert, ändert sich der Wein – Verjus statt Entalkoholisierung: ein nachhaltiger Zugang zu alkoholfreiem Genuss.

Veröffentlicht am 24. Februar 2026
Im Jahr 1996 wurde Roman Pfaffl vom Falstaff zum „Winzer des Jahres“ gekürt – die erste große Auszeichnung für das Weingut Pfaffl und ein Traum, der wahr wurde. 10 Jahre später folgte im Jahr 2016 die internationale Adelung mit der Auszeichnung „European Winery of the Year“ durch das US-Magazin „Wine Enthusiast“, die sein Sohn Roman Josef Pfaffl gemeinsam mit seiner Schwester Heidemarie in Miami Beach entgegennahm. Weitere 10 Jahre (und unzählige Prämierungen) später ist die Weinwelt im Wandel und wir treffen Roman Josef Pfaffl zum Gespräch über die erste alkoholfreie Alternative der Familie Pfaffl, den Primo Grüner Veltliner 0 %.   
In welchem Jahr hast du zum ersten Mal Wein gemacht?

Das war 2004. Ich kam gerade von der Weinbauschule. Mein Vater hat mich direkt in den Weinkeller gestellt und gemeint: „So, das ist jetzt Dein Bereich.“ Das war schon fordernd, aber auch sehr motivierend, dass man gleich so viel Verantwortung bekommt. Ich habe ihn daher auch immer – auch heute noch – gerne um Rat gefragt.


Kannst du dich daran erinnern, welches Image alkoholfreier Wein damals hatte?

Also ich kann mich nicht erinnern, dass das damals überhaupt ein Thema war. 



Warum habt ihr euch mit der Lese 2025 erstmalig dazu entschieden, eine alkoholfreie Alternative zum Wein zu erzeugen? Gab es einen konkreten Auslöser oder Moment für diese Entscheidung?

Es ist natürlich in der Branche mittlerweile ein ständiges Gesprächsthema. Aber wirklich zu interessieren begonnen hat es mich durch ein sehr erfreuliches Ereignis, nämlich Julias Schwangerschaft (Anm. d. Redaktion: Julia ist die Partnerin von Roman und arbeitet ebenfalls auf dem Weingut Pfaffl). Selbstverständlich hat sie sofort aufgehört, mit dem Weintrinken, und somit waren unsere schönen gemeinsamen Abende mit viel Weinprobieren mal ad acta gelegt. Da wir das aber sehr lieben, haben wir uns mal nach Alternativen umgeschaut. 


Wie war der Entscheidungsprozess und warum habt ihr euch für die Variante mit Verjus entschieden? 

Ich habe mich viel mit den unterschiedlichen Technologien auseinandergesetzt und mir da zeigen lassen, was es so gibt. Üblicherweise ist ja der Zugang, Weine zu entalkoholisieren. Aber da hat mich der unglaubliche Energieaufwand abgeschreckt. Wir machen im Weingut extrem viel für die Nachhaltigkeit. Ein neues Produkt zu entwickeln, das da komplett in die Gegenrichtung steuert, hat mir nicht gefallen. Dann bin ich auf die Idee gestoßen, dass man diese uralte Methode, Verjus zu erzeugen, nutzen könnte. 


Erzähl uns bitte vom Primo Grüner Veltliner.

Der Primo ist bei weitem der erste Grüner Veltliner, den wir ernten. Schon im Juli!!!! Da sind die Trauben wirklich noch grasgrün und ziemlich hart! Die Trauben werden dann gepresst und diesen Saft verwenden wir unvergoren für unseren Primo. Er ist also bei weitem nicht so süß wie Traubensaft und hat sehr frische Aromen. 


Wieviel Winzer-Handwerk steckt im Primo im Vergleich zu einem Wein?

Bis auf die alkoholische Gärung, die wegfällt, fällt mir kein wesentlicher Unterschied ein. Das Winzer-Handwerk ist hier genauso gefragt. 


Würdest du das Projekt rückblickend insgesamt als große Herausforderung bezeichnen?

Es ist immer eine Herausforderung, wenn man etwas das erste Mal macht. Wir waren auch sehr gespannt, wie sich das entwickelt, denn es war ja gar nicht sicher, was da rauskommt. Extrem spannend und ich freue mich schon auf die zweite Ernte!


Wem und für welche Gelegenheiten würdest du den Primo besonders empfehlen?

Allen, die aus irgendeinem Grund gerade keinen Alkohol trinken und trotzdem dieses Flair rund um Wein lieben. 


Welche Resonanz habt ihr auf den Primo bekommen?

Fulminant! Ich dachte nicht, dass wir gleich auf Anhieb so viel davon brauchen werden. Wir haben nach so kurzer Zeit bereits viele Stammkunden, die regelmäßig einkaufen. 


Was würdest du jemandem sagen, der Verjus als Essig abtut? 

Es gibt natürlich Verjus, der so ausgebaut ist, dass man ihn zum Säuern von Salaten etc. verwenden kann. In unserem Fall ist er bewusst als Getränk ausgebaut, das wirklich ins Weinglas kommen soll und bei weitem nicht den Säuregehalt hat. Mir geht es darum, dass ich Julia am Abend ein gutes Glas einschenken kann und wir anstoßen und genießen können. 


Plant ihr aktuell für die Zukunft weitere alkoholfreie Projekte?

Wir werden das jetzt beobachten und vielleicht gibt es auch mal andere alkoholfreie Sorten von uns. Das lassen wir mal auf uns zukommen. 


Habt Ihr im Familienkreis auch schon bei einer Gelegenheit zu alkoholfreien Alternativen gegriffen, oder kommt das in einer Winzerfamilie nicht vor?

Also wie am Anfang erwähnt, greift Julia durch Schwangerschaft und Stillzeit gerne zu und ich probiere da auch gerne mit. Es tut sich sehr viel auf dem Sektor und probieren ist immer interessant. 
REDAKTIONSTEAM

Das Redaktionsteam des Wein-Magazins besteht aus den Mitarbeitern des Hanseatischen Wein & Sekt Kontors, die in den unterschiedlichsten Bereichen tätig sind. Hier schreiben Wein-Einkäufer, Mitarbeiter des Marketings und studierte Oenologen. Aber auch Kolleginnen und Kollegen, die einfach ganz viel Spaß am Wein haben.