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Bodentyp

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Bodentyp
In Landwirtschaft und Weinbau bezeichnet der Begriff "Boden" die mineralische äußere Schicht der Erdoberfläche. Er entsteht bei der Verwitterung des darunterliegenden Grundgesteins und/oder von abgelagerten Sedimenten. Von seinem Ausgangsmaterial unterscheidet sich der Boden durch die Anreicherung mit organischer Substanz, die sich beim Zerfall von pflanzlichen und tierischen Überresten bildet. Boden befindet sich unentwegt in der Entwicklung: Je nach Klima, Vegetation, Lage, Zeitraum und Zusammensetzung verwischt sich die Grenze zwischen der Oberfläche - dem eigentlichen Boden - und den zugrundeliegenden Gesteinsschichten.

Die Struktur und die mineralische Zusammensetzung des Bodens wirken sich unmittelbar auf die Qualität der Trauben aus. Wie genau sich dieser Einfluss im Charakter und Geschmack eines Weins auswirkt, ist längst nicht zur Gänze erforscht. Die traditionelle Faustregel besagt, dass magere Böden hochwertige Weine hervorbringen, weil sie die Rebstöcke zwingen, auf der Suche nach Nährstoffen tiefe Wurzeln zu schlagen. Auf fruchtbaren Ackerböden mit dicker Humusschicht dagegen wachsen eher anspruchslose Massenweine. Andererseits verfügen gerade Toplagen nur selten über homogene Bodenstrukturen. Meistens finden sich selbst auf kleinen Rebflächen unterschiedliche Böden in divergierender Zusammensetzung. Natürlich beeinflusst auch das Klima die Qualität des Untergrunds. Immerhin lässt sich festhalten: Manche Böden taugen besser für den Weinanbau als andere. 

Übersicht wichtiger Bodentypen im Weinbau

Erstarrungsgesteine: Vulkanite, Granit
Wenn Magma beziehungsweise Lava in tieferen Schichten oder auf der Erdoberfläche abkühlt und fest wird, bildet sich Erstarrungsgestein.

Vulkanite
Vulkanische Böden bestehen aus erstarrter, verwitterter Lava. Sie sind karg, meistens feinkörnig, durchlässig, speichern Wasser sowie Wärme und strahlen letztere wieder ab. Ihrem relativ hohen Eisengehalt verdankt vulkanische Erde die charakteristischen Schwarz- oder Rottöne. Als typisch für Weine solcher Provenienz gelten rostige und aschige Töne.
Beispiele/Appellationen: Sizilien, Kanarische Inseln, Burgenland (Basalt)

Granit
Magma, das sich unter der Erdoberfläche allmählich abkühlt und dabei mit Quarz mischt, erstarrt zu Granit. Er ist Bestandteil der unterschiedlichsten Böden und in vielerlei Texturen zu finden. Der relativ hohe pH-Wert des Gesteins sorgt meist für ausgeprägte Säure. Granit ist porös, was die Wurzeln des Rebstocks tief in den Boden austreiben lässt. So bauen sich vielschichtige, breit gefächerte und subtile Aromenstrukturen auf, die sich in den besten Weinen jahrelang weiterentwickeln.
Beispiele/Appellationen: Hessische Bergstraße, nördliche Rhône, Rías Baixas (Galicien)

Umwandlungsgesteine
Über Jahrmillionen können tektonischer Druck und Hitze einen Gesteinstyp zu einem anderen transformieren. Auf diese Weise entsteht Umwandlungs- oder metamorphes Gestein.

Tonschiefer
Das durchlässigste unter den metamorphen Gesteinen ist der vor 350 bis 400 Millionen Jahren entstandene Tonschiefer. Unter dem Druck von Gebirgsverschiebungen verfestigte sich feinkörniger Tonschlamm zu dieser geschichteten Gesteinsform. Es gibt schwarzblauen, dunkelgrauen Tonschiefer, gelegentlich kommen auch gelbe oder grünliche, rote oder violette Töne vor. Schiefer bricht beziehungsweise blättert leicht, ist aber relativ witterungsbeständig. Seine wärmespeichernden und gleichzeitig reflektierenden Eigenschaften fördern den Reifungsprozess der Trauben.
Bekannteste Weinregion: Mosel-Saar-Ruwer

Kristalliner Schiefer
Der härtere kristalline Schiefer (auch "Schist", aus dem Englischen) hat eine dichtere und ungleichmäßigere Schichtungsstruktur als Tonschiefer. Als Untergrund im Weinberg ist er ein ausgezeichneter Wärmespeicher. Gleichzeitig sorgt die kristalline Struktur für tiefreichendes Wurzelwachstum, was hochwertige kraftvolle Weine mit vollmundiger Mineralität hervorbringt.
Bekannteste Weinregion: Dourotal, Ribeira Sacra

Gneis
Gneis zählt zu den ältesten Gesteinsformationen der Erdgeschichte. Unter dem hohen Druck und der Hitze, die bei der Verschiebung von Kontinentalplatten entstehen, können sich Vulkanit, Granit oder kristalliner Schiefer in Gneis transformieren. Auf diesem harten und kargen Untergrund gedeihen diverse ausgezeichnete Weine.
Beispiele/Appellationen: Wachau, Kamptal, Languedoc-Roussillon

Ablagerungsgesteine
Sediment- oder Ablagerungsgestein besteht aus verdichteten Gesteinsbrocken und/oder organischem Material, wie es etwa beim Versiegen oder Versinken eines Gewässers zurückbleibt.

Kalkstein
Kalkstein und das noch feinkörnigere Kreidegestein setzen sich aus gehärtetem Schlamm, Meeresablagerungen und fossilen Überresten verschiedener im Wasser lebender Organismen zusammen. Diese Böden sind durchlässig, können dank ihrer Saugfähigkeit Feuchtigkeit lange speichern und halten die Bodentemperatur auch in sehr heißen Jahren auf niedrigem Niveau. Einige der berühmtesten Weine der Welt wachsen auf Kalk beziehungsweise Kreide. Typischerweise zeichnen sie sich durch Langlebigkeit und eine lebhafte, geradlinige Säurestruktur aus.
Beispiele/Appellationen: Burgund, Champagne, Jerez, Franken

Sandstein
Sandsteinböden bestehen überwiegend - aber nicht ausschließlich - aus kleinen, durch Wasser, Wind und Eis zusammengetragenen Quarzpartikeln, die sich unter Druck zu Felsen verfestigten. Das Sedimentgestein kommt in der Nähe von Meeresküsten, auf Untiefen und im (Mündungs-)Bereich von Wasserläufen vor. Der nährstoffarme und trockene, aber gut durchlüftete Boden treibt die Wurzelbildung an. Dass er sich schnell erwärmt, kommt der Traubenreifung zugute.
Beispiele/Appellationen: Chianti, Coonawarra (Australien), Pfalz

Feuerstein
Zu den wesentlichen Bestandteilen von Feuerstein gehören Kieselgel/Kieselsäure, also die aufgelösten Skelettreste einstiger Kleinstlebewesen. Im Lauf der Zeit verdichtet sich das Kieselgel zu Opal und dieser wiederum zu mikrokristallinem Quarz. Weil Feuersteinboden (kurz Flint) Wärme sehr gut speichert und reflektiert, lässt er Trauben auch in Gegenden heranreifen, die unter anderen Bodenbedingungen zu kalt für den Weinbau wären. Weine von diesem Untergrund zeichnen sich häufig durch kraftvoll mineralischen Charakter aus.
Bekannte Appellationen: Chablis, Sancerre, Pouilly Fumé, Vernaccia di San Gimignano

Bodentexturen
Nicht immer ist der Hauptbestandteil das charakteristischste Merkmal eines Bodens; vor allem Mischböden aus erstarrtem, metamorphem und/oder sedimentärem Gestein definieren sich durch ihre Struktur und Zusammensetzung.

Kiesel
Kieselboden besteht aus Ansammlungen von bis zu faustgroßen, durch Wasser, Wind und Wetter rundgeschliffenen Steinen. Tagsüber erwärmt er sich, nachts gibt er die gespeicherte Wärme an die Rebstöcke ab. Das ermöglicht die Produktion großartiger, kraftvoller Weine auch in Gegenden, die eigentlich zu kühl dafür wären.
Beispiele/Appellationen: Bordeaux, Rhône (besonders Châteauneuf-du-Pape), Lombardei

Lehm
Lehmböden bestehen aus grobkörnigem Sandstein. Dieses Material zieht sich je nach Witterung und Feuchtigkeit zusammen oder dehnt sich aus. Hinzu kommt, dass es schlecht durchlüftet ist und Sickerwasser nur sehr langsam weiterleitet. Wegen der so entstehenden Staunässe erwärmt sich der Boden nur langsam. Für die Bewirtschaftung von Lehmboden spricht jedoch sein potenziell hoher Gehalt an Mineralstoffen. Auf Lehm wachsende Weine können opulent und vollmundig-würzig daherkommen.
Beispiele/Appellationen: Pomerol, Rheingau

Sand
"Sand" lautet der Oberbegriff für jedes Gestein, das in 0,063 bis 2 Millimeter große Partikel pulverisiert wurde. In Gegenden mit feuchtem Klima bildet er dank seiner Durchlässigkeit gut bewirtschaftbare Rebflächen; problematischer gestaltet sich der Weinbau in sehr trockenen Regionen. Auf Sandboden wachsen überwiegend samtig-delikate, säurearme Weine. Ein großes Plus dieser Bodenstruktur ist ihre Unempfindlichkeit gegenüber Parasiten wie der Reblaus.
Bekannte Regionen: Piemont (Barolo), Pfalz, Department Landes (Vin de Sable)

Löss oder Löß
Die Textur von Lössboden ist mit 0,002 bis 0,063 Millimeter feiner als die von Sand. Die überwiegend ton- und quarzstaubhaltigen Lössablagerungen finden sich häufig in Hanglagen. Das poröse, durchlässige Material erwärmt sich schnell und erlaubt rasches Wurzelwachstum. Als Gesteinsabrieb eiszeitlicher Gletscher findet sich Lössboden in Weinbaugebieten auf der ganzen Welt.
Beispiele: überall, unter anderem Nordamerika (besonders Washington), Ungarn, Ostasien, Österreich, Deutschland (besonders Hessen und Rheinhessen)

Schwemmland
Alluvium (so der wissenschaftliche Name von Schwemmland) setzt sich aus verschiedenen Bodenarten zusammen, darunter Lehm, Löss, Sand und Kiesel. Das lockere Sediment lagert sich im Laufe der Zeit entlang von Wasserläufen ab und kommt in zahlreichen Weinregionen rund um den Globus vor. Schwemmland zeichnet sich durch einen hohen Anteil an organischem Material aus und ist die Basis kräftiger, mineralischer Weiß- und Rotweine.
Beispiele: Napa Valley, Wallis, Rheinhessen