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Italiens nördlichste Weinbauregion

Südtirol oder Alto Adige, wie es im Italienischen heißt, ist eine besonders herausfordernde Weinregion. Das Klima ist kühl, die Hänge sind steil, der Arbeitsaufwand hoch und die Weinberge klein. Lange Zeit haben Italienfahrer Südtirol nur als Transitstrecke zum Gardasee genutzt. Doch heute wird diese urwüchsige Region für ihre Skigebiete und Wandermöglichkeiten ebenso geschätzt wie für exzellentes Essen und hervorragende Weine. Weißburgunder aus Kellereien wie der Cantina Terlan gehören zu den besten der Welt, Sauvignon blanc ist genauso hervorragend wie Traminer oder Pinot nero, und die heimischen Sorten Vernatsch und Lagrein sind einzigartig. Südtirol hat mit seinen frischen Weinen ein Alleinstellungsmerkmal in Italien, und das wird weltweit geschätzt.

Südtirol

Typische Weine aus Südtirol: Lagrein, Vernatsch und andere

Eine der bekanntesten Szenen des bayerischen Kabarettisten Gerhard Polt ist jene, wo er auf seinen Freund Rudi Löhlein wartet und eine Literflasche Südtiroler Bauernfeind öffnet. Für ihn war der fast roséfarbene Rotwein, der damals in den 1970er-Jahren schon mit Schraubverschluss versehen war, ein »Spitzenwein«, ja ein »Jahrhundertjahrgang«. Das Beste sei, befand er, dass der Wein in Deutschland abgefüllt sei; denn bei den Italienern wisse man ja nie. In dem Sketch wurden natürlich bewusst Vorbehalte thematisiert, die es damals oft auch zu Recht gegen Südtiroler Weine gab. Damit stand Südtirol aber nicht allein; denn ähnlich schlichte Weine kamen in Bastflaschen aus dem Chianti, als Edelzwicker aus dem Elsass, und Deutschland war mit seinem restsüßen Müller-Thurgau voll von solchen Weinen.

Seitdem hat sich die Weinwelt in Südtirol komplett verändert. Zwar gibt es noch den hellen Rotwein, der mit dem württembergischen Trollinger (von Tirolinger) eng verwandt ist, doch die Qualitäten dieses Jausenweins, der ideal zum Butterbrot mit Tiroler Schinken passt, ist heute eine völlig andere. Die Südtiroler Winzer, die sich zum großen Teil zu Winzergenossenschaften zusammengeschlossen haben, da sie selbst meist nur über einzelne Hektar verfügen, haben schon vor längerer Zeit voll auf Qualität statt auf Quantität gesetzt und zudem auch in hohem Maße auf die für Südtirol typischen Rebsorten. Auch wenn Südtirol aufgrund des kühlen Alpenklimas vor allem ein Weißweinland ist (rund 60 %), gedeihen dort auch manche roten Sorten hervorragend.

Der Vernatsch zeigt dabei deutlich, wie sich die Weinwelt in Südtirol verändert hat. Diese Sorte, die früher in Doppelliter-Schraubflaschen verramscht wurde, ist heute ein Terroirwein, der hervorragend zeigt, wie unterschiedlich die Rebsorte in verschiedenen Klimazonen und auf diversen Bodentypen gedeihen kann. So gibt es den Vernatsch von hell und blass bis rubinrot, von leicht bis kräftig und von fruchtig bis tief würzig. Der feine Mandelton ist allerdings immer genauso ein Merkmal wie die Süffigkeit dieses Weins, der oft auch als Kalterer oder Kalterersee Auslese, St. Magdalener oder Grauvernatsch angeboten wird und neben zu Tiroler Speck auch zu mediterraner Küche oder Sushi passt.

Doch das Klima und die Menge an unterschiedlichen Böden kommen nicht nur dem süffigen Vernatsch zugute, sondern ebenso dem dunkel würzigen Lagrein. Der stammt wohl ursprünglich aus dem benachbarten Trentino, genauer gesagt aus dem Val Lagrina, woher er seinen Namen hat. Doch in Südtirol hat sich die Rebsorte immer wohlgefühlt und ist dort die wichtigste rote. Der Lagrein ist ein sehr eigenständiger, intensiver Wein und mit seiner oftmals fast violett-schwarzen Farbe das genaue Gegenteil des Vernatsch. Die Gerbstoffe sind nicht allzu mächtig, aber durchaus kernig. Mit den typischen Noten von Unterholz und Waldbeeren sowie der alpentypischen Säure ist das ein angenehm bodenständiger Wein und ein hervorragender Essensbegleiter.

Wer nach Eleganz sucht beim Südtiroler Rotwein, sollte sich vor allem nach dem Pinot nero umschauen, der bei den deutschsprachigen Winzern meist Blauburgunder genannt wird. Zusammen mit dem Merlot ist der Pinot nero die edelste rote Sorte und erreicht hier dank des einzigartigen Terroirs eine wunderbare Eigenständigkeit. Ein idealtypischer Südtiroler Blauburgunder ist elegant in der Textur und markant im Gerbstoff, duftet nach roten und dunklen Beeren und trägt ebenfalls die Frische in sich.

Apropos Burgunder… Es gibt wohl kaum ein anderes Anbaugebiet, in dem der Weißburgunder zu einem solch einzigartigen Charakter gereift ist wie in Südtirol. Natürlich es gibt hervorragende Exemplare in Deutschland und Österreich, doch vor allem rund um den Ort Terlan reifen denkwürdige Trauben. Die unbestrittenen Meister sind die Winzer der Cantina Terlan, rund um Mastermind Rudi Kofler. Dort liegen die Weißburgunder oft ein Jahrzehnt oder länger in den Fässern, bevor sie überhaupt in den Markt gelangen. Ebenfalls nicht mehr aus Südtirol wegzudenken ist der Sauvignon blanc, der auch das Alpenklima und die oft von Kalk und Vulkangestein geprägten Böden liebt. Während der Sauvignon blanc von der Loire eher von Stachelbeeren und grünen Noten geprägt ist und der neuseeländische von tropischen Noten, erinnert der Südtiroler Sauvignon oftmals an weiße Früchte, Kräuter und Blüten, ist im Kern jedoch immer rebsortentypisch. Gleichfalls vor langer Zeit zugereist und doch zutiefst in Südtirol verwurzelt ist der Traminer. Der hat sich wohl vor langer Zeit in einem der Täler zwischen dem Schweizer und dem französischen Jura entwickelt, ist aber längst solch ein Tiroler Urgestein, dass er sogar den Namen des Südtiroler Ortes Tramin trägt. Der Traminer und die deutlich duftigere Variante Gewürztraminer sind ein wichtiges Markenzeichen des Südtiroler Weinbaus, aber diese Weine sind im eigenen Land so beliebt, dass sie nur selten das Land verlassen.

Terlan, Lageder und Schreckbichl – die Schrittmacher in Südtirol

Jedes Anbaugebiet braucht seine Leuchttürme und Menschen, die Veränderungen vorantreiben. Schließlich musste irgendwann jemand dafür sorgen, dass Südtirol aus dem Dornröschenschlaf erwachte. Das haben zunächst die heimischen Gastronomen übernommen, welche die Küche auf international anerkanntes Niveau hoben. Da wollte so mancher Winzer nicht nachstehen, und wie bei der Küche hat man sich auf seine Wurzeln besonnen und das Typische der Region an internationale Standards herangeführt. Einen wesentlichen Teil dieser Veränderungen haben die heute führenden Genossenschaften wie die Cantina Terlan oder Schreckbichl übernommen. Die Idee der Genossenschaft passt ideal zum Südtiroler Weinbau, der von kleinen Parzellen geprägt ist. Kaum ein Winzer hat eine genügend große Fläche, um seine Familie ernähren können. Die Erbteilung hat den Besitz im Laufe der Jahrhunderte immer kleiner werden lassen. Um diese Flächen jedoch halten zu können, musste man sich mit anderen zusammenschließen. Und das haben viele Familien bereits im 18. Jahrhundert getan. Das Außergewöhnliche bei Schreckbichl und bei der Cantina Terlan ist die Konsequenz, mit der die Winzer alle zusammen auf Qualität gesetzt haben, um das Besondere ihrer Weinberge noch stärker herausarbeiten zu können.

So vinifiziert man in der Cantina Terlan Weine, die international längst Aushängeschilder der Region sind – allen voran die lange gereiften Weißburgunder auf Weltniveau, dazu den Sauvignon blanc namens Quarz oder den Nova Domus Terlaner, eine Cuvée aus Chardonnay, Weißburgunder und Sauvignon blanc.

In Schreckbichl, im Italienischen Colterenzio genannt, haben sich in den 1960er-Jahren rund 300 Winzer der Orte Eppan und Girlan zusammengetan und eine Kellerei gegründet. Wie klein die einzelnen Flächen der Mitglieder tatsächlich sind, zeigt, dass die 300 Winzer genau 300 Hektar beigesteuert haben. Die Winzer der 300 Hektar sowie die mittlerweile brandneue, ultramoderne Kellerei setzen komplett auf ökologische und nachhaltige Wirtschaftsweise mit modernsten Umweltstandards und innovativen Energiegewinnungssystemen. Es war der langjährige Leiter der Genossenschaft, Dr. Luis Raifer, der entscheidend dazu beigetragen hat, den Weinbau Südtirols zu verändern, auf Nachhaltigkeit und Qualität zu setzen und die weißen Rebsorten vorzuziehen.

Ein Spezialist in Sachen Ökologie ist auch der Winzer Alois Lageder. Er gehört neben den 4.000 genossenschaftlich organisierten Winzern zu einer kleinen, rund 100 Personen umfassenden Gruppe unabhängiger Winzer und war in Südtirol ein absoluter Avantgardist, als er sich Ende der 1980er-Jahre dazu entschloss, sein Weingut komplett auf biodynamische Wirtschaftsweise umzustellen. Dieser Schritt war nicht nur für ihn und sein Weingut entscheidend, sondern auch ein großer Gewinn für die Region; denn ihm sind mittlerweile viele gefolgt. Was zu Beginn als esoterisch belächelt wurde, hat sich längst als Alternative im Qualitätsweinbau durchgesetzt. Neben den 50 Hektar eigener Fläche stellen nach und nach auch Vertragswinzer des 1823 in Magreid gegründeten Weinguts ihren Anbau um. Der Erfolg gibt Alois Lageder und seinem Team Recht. Weine wie der Chardonnay Löwengang, der Cabernet Sauvignon Cor Römigberg oder der Pinot nero Krafuss gehören zu den bekanntesten Weinen Südtirols.

Berge, Speck und Wein – Südtirol hat viel zu bieten

Was so lange von Luis Trenkers und Sissis Bergweltidyll geprägt war, ist heute eine boomende Schlemmer- und Tourismusgegend. Südtirol hat den Wandel vom konservativen Bergdorfimage zu einer weltoffenen Region geschafft – und das, ohne sich und die Tradition dabei zu verleugnen. Was fast wie die Quadratur des Kreises anmutet, ist hier Realität. Berggasthöfe, von außen klassisch erbaut, von innen modern und auf dem neuesten Stand, wechseln sich ab mit sehr modernen, in die Landschaft integrierten Schmuckstücken wie den Bauten des Bozener Architekten Matteo Thun. Die klassische Wanderung ist in Südtirol ebenso Teil des Urlaubs wie Klettergärten, Rafting in spektakulären Schluchten oder natürlich der Skitourismus. Was dabei nie fehlen darf, sind der Wein und die hervorragende Küche. Doch auch diese kombiniert heute natürlich den traditionellen Tiroler Speck, die Schlutzkrapfen, das Schüttelbrot oder die Speckknödel mit modernen und oft mediterranen Elementen. Getrunken wird dazu heimischer Wein. Auch das ist ein noch relativ junges Phänomen; denn in den 1980er-Jahren trank man in den Restaurants vor allem toskanische Weine, während man jene leichten Massenrotweine erzeugte, die schließlich vor allem in Schweizer und in deutschen Kneipen oder bei Einzelhandelsketten landeten. Heute gibt es in Südtirol selbst eine enorme Vielfalt, und dabei sind die Preise selbst für die besten Weine immer noch geerdet. Mit Bozen und Meran hat man zwei Zentren, die auf ihren Plätzen schon viel von dem mediterranen Charme bieten, den man eigentlich erst am Gardasee erwartet. Vielfalt ist das, was Südtirol ausmacht, im Tourismus wie in der Kulinarik und im Weinbau.

Was Südtirol besonders macht

Das Tal der Etsch, das Eisacktal und die vielen Nebentäler profitieren in erheblichem Maße vom Einfluss der Alpen und, entgegengesetzt, vom in die Täler strömenden Klima des Gardasees. Kühle trifft auf Wärme, und die Tag- und Nachtamplituden sind so ausgeprägt, dass sich die Frucht besonders stark ausprägt und gleichzeitig die Säure erhalten bleibt. Obwohl die Alpen immer in Sichtweite sind, kann es in Südtirol warme, ja tatsächlich heiße Jahrgänge geben, und trotzdem behalten die Weine immer ihre Frische und Klarheit. Wenn es wegen der Klimaveränderungen zu Schwierigkeiten für den Weinbau kommt, dann wird Südtirol eine Ausnahme bilden und vom Klimawandel sogar profitieren; denn im Zweifel kann man in den Bergen auch noch höher anbauen. Auf 200 bis 900 Metern findet man die Weingärten von der Ebene bis in die Steillagen auf sehr unterschiedlichen Böden. Bei rund 5.500 Hektar Rebfläche gibt es in den Flachlagen vor allem Lehm und Schwemmlandschotter, während die Steillagen von Porphyr und Quarz, Urgestein, Dolomit und Geröll mit hohem Kalkanteil geprägt sind.

Weinbau wird in Südtirol mit Sicherheit seit 1.000 v. Chr. betrieben. Es waren nicht etwa die Römer, die den Weinbau ins Tal der Etsch gebracht haben, sondern die Rätoromanen. Und es waren später die Kelten, die in dieser Region den Holzfassausbau kultivierten und von denen sich die Römer einiges in der Weinbereitung abgeschaut haben. Im Mittelalter, als Südtirol Teil des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation war, gelangte der zum großen Teil von Klöstern geprägte Weinbau zu hoher Blüte. Deutsche Kaiser, die in ihrer Amtszeit regelmäßig nach Italien reisten, lobten die Weine Südtirols überschwenglich. Der gute Ruf hielt sich bis ins 19. Jahrhundert, wo die Reblaus und auch der Mehltau in ganz Europa, also auch in Südtirol wüteten. Zudem veränderte sich mit dem Ersten Weltkrieg die politische Landkarte, und der gesamte nordeuropäische Markt brach zusammen. Es dauerte – der Niedergang hatte viele Parallelen zum deutschen Weinbau – bis in die 1990er-Jahre, dass der Qualitätsanbau wieder an Fahrt gewann und langsam, aber sicher den Quantitätsanbau verdrängte. Spitzenqualitäten werden heute mit autochthonen wie mit internationalen Rebsorten erreicht, und die Tatsache, dass heute 98 % der Gesamtfläche einen DOC-Status haben, spricht für sich; denn das ist die Spitze in Italien.

Südtiroler Wein als Erfolgsgeschichte

Man kann durchaus sagen, dass sich der Südtiroler Weinbau seit den 1990er-Jahren selbst neu erfunden hat. Wo früher 80 % günstigster, meist halbtrockener Vernatsch erzeugt wurde, wird heute auf der ganzen Linie Qualitätswein vinifiziert. Und das hat Erfolg. 30 % der Weine, allen voran die äußerst erfolgreichen Weißweine, gehen heute ins Ausland. So ist es mit 97/100 Punkten auch ein Weißwein, der bei Robert Parker der am höchsten bewertete Wein des Gebietes ist. Es ist die 1991er Pinot bianco Spätabfüllung der Cantina Terlan, dicht gefolgt vom 2004er-Jahrgang (96 Punkte) und der Terlaner Grande Cuvée mit 95 Punkten. Entscheidend sind hier aber nicht nur die Spitzen des Gebiets, sondern die hervorragenden Bewertungen in der Breite. Antonio Galloni, Herausgeber von Vinous, schrieb: »Ich bin überzeugt davon, dass Alto Adige eine der besten Weinregionen der Welt ist, vor allem wenn es um die Weißweine geht. Ich sage das aus der Perspektive heraus, dass ich sehr regelmäßig Weine aus dem Elsass, aus Österreich, Deutschland und dem Burgund probiere, was ein großes Privileg ist.«

Südtirol bietet einen eigenen Kosmos, unabhängig vom Rest Italiens, aber auch unabhängig vom benachbarten Österreich, an das es kulturell auch heute noch sehr stark gebunden ist. Die eigene Ausprägung von Kultur, Sprache, Küche, Architektur und Wein, verbunden mit dem autonomen Status und einigen Steuererleichterungen, machen Südtirol kulturell und finanziell zu einer der reichsten Regionen Europas.