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Weinlexikon
Spanien

Der Weinanbau in Spanien hat eine lange und uralte Tradition, bereits 3000 Jahre vor Christi wurden Reben angebaut. Die erste Blüte gab es 200 v. Chr., denn die Römer liebten den Wein aus Baetica (Andalusien). Die Entwicklung wurde durch den Einfall der Mauren im Jahre 711 gestoppt. Aus religiösen Gründen rodeten die Moslems große Teile der Weinberge. Erst nach 700 Jahren gelang den Christen die Rückeroberung und mit dem Vordringen nach Süden legten sie neue Weinberge an. Wie in vielen anderen Ländern waren es zumeist Mönche, die in der Nähe ihrer Kloster Reben zur Bereitung von Messwein pflanzten. Im Laufe der folgenden Jahrhunderte entwickelte sich der Weinbau zu einem wichtigen Wirtschafts- und Exportzweig. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fiel die Reblaus auch in Spanien ein und zerstörte die meisten Rebflächen. Aber die Rioja blieb vorerst verschont und als der Schädling Anfang des 20. Jahrhunderts auch dieses Gebiet erreichte, waren schon die mesiten Weingärten mit veredelten Rebstöcken bepflanzt. Die Franzosen konnten durch die von der Reblaus zerstörten Weingärten die Nachfrage nach Wein im eigenen Land nicht mehr decken. Zuerst kauften französische Händler große Mengen Wein in Spanien, später wanderten viele französische Winzer nach Spanien aus und begannen Weinbau zu betreiben. Ihre ausgefeilte Kellertechnik prägten den Weinbau nachhaltig bis heute. Politische Unruhen Anfang der 30iger Jahre mündeten schließlich in den spanischen Bürgerkrieg und endeten 1939 mit dem Sieg der Nationalisten unter General Franco. In dieser Zeit wurden Rebflächen und Kellereien zerstört. Nach der Öffnung der Grenzen und dem Beitritt zur EU im Jahre 1986 gab es im spanischen Weinbau einen Neubeginn. Ab 1960 begann ein großer Boom mit Sherry und Rioja. Heute ist Spanien eines der dynamischten Weinländer der Welt.Mit 1,3 Millionen Hektar Rebfläche und 3,3 Millionen Hektoliter Wein per anno liegt Spanien im absoluten Spitzenfeld. Das spanische Klima ist durch große Trockenheit geprägt. Im Verlaufe der Jahrhunderte wurden etwa 1.000 Rebsorten kultiviert, von denen aber heute nur mehr wenige angebaut werden. Die weiße Airén ist mit rund 400.000 Hektar die meistangebaute Rebsorte der Welt. Die rote Tempranillo ist die wichtigste Sorte für den Rioja, die weiße Palomino die wichtigste für den Sherry. Die häufigsten Rebsorten nach der Rebfläche sind:* Airén (weiß) mit 400.000 ha* Grenache = Garnacha (rot) mit 180.000 ha* Bobal (rot) mit 113.000 ha* Monastrell (rot) mit 107.000 ha* Tempranillo (rot) mit 75.000 ha* Pardina (weiß) mit 55.000 ha* Macabeo (weiß) mit 46.000 ha* Palomino (weiß) mit 36.000 ha* Pedro Ximénez (weiß) mit 20.000 ha* Parellada (weiß) mit 18.000 haEin neues Klassifizierungssystem mit kontrollierter Ursprungsbezeichnung (Denominación de Origen) wurde im Jahre 1970 eingeführt, das sich am italienischen und französischen Weingesetz orientiert. Rund die Hälfte der Rebfläche hat bis dato den DO-Status. Im Jahre 1978 wurde Spanien in 17 Weinbauregionen eingeteilt. Rund 70% der spanischen Produktion entfällt auf einfache Konsum- oder Tafelweine. Eine wichtige Rolle in der Weinproduktion nehmen die Schaumweine (Cava) ein, das Zentrum liegt im DO-Gebiet Penedés. Die wichtigsten DO-Weinbau-Gebiete sind:* Alicante mit 17.000 ha: alkoholstarke Rotweine aus Monastrell* Carinena mit 22.000 ha: tiefdunkle, alkoholstarke Rotweine aus Carignan (Carinena)* Huelva mit 12.000 ha: sherryähnliche Aperitif- und Dessertweine, Massenweine aus Zalema* Jerez mit 23.000 ha: das Gebiet des Sherry* La Mancha mit 150.000 ha: größtes Gebiet, zu 90% Airén, weiße Massenweine* Malaga mit 16.000 ha: das Gebiet des Dessert-Weines Malaga* Mallorca mit 4.300 ha: extraktreiche Rotweine aus dem Gebiet Binissalem in der Inselmitte* Montilla-Moriles mit 23.000 ha: mit den sherryähnlichen Weinen Montilla und Moriles* Navarra mit 24.000 ha: alkoholstarke Rotweine und Rosé-Weine* Penedés mit 25.000 ha: das Schaumwein-Gebiet, 90% des Cava wird hier produziert* Rioja mit 45.000 ha: mit dem Rioja, dem berühmtesten Wein Spaniens* Tarragona mit 25.000 ha: weiße und rote Verschnitt-Massenweine und Dessertwein Rancio* Terra Alta mit 16.000 ha: kräftige Rotweine und Weißweine* Tierra de Barros mit 45.000 ha: alkoholstarke Weißweine aus der Rebsorte Cayetana* Valdepenas mit 35.000 ha: Weißweine aus Airén, Rotwein Aloque Das spanische Zentralorgan INDO (Instituto Nacional de Denominaciónes de Origen) ist für alle Qualitätsweine zuständig. Sie bedient sich dabei der sogenannten Consejo Reguladors, von denen je einer für ein DO-Gebiet zuständig ist. Dieser definiert mit dem “Reglamento” die zugelassenen Rebsorten, den Ertrag in hl/ha, die Dichte der Bestockung, den Rebschnitt und die Herstellungs-Methoden (Reifetechnik, Alkohol-, Restzucker, Trockenextrakt-Werte). Außerdem werden bei Qualitätsweinen durch einen Ausschuß der Consejo Reguladors die sensorischen Prüfungen durchgeführt. Nach erfolgter Prüfung wird dann das Etikett freigegeben.Vino corriente/Vino común: Ein einfacher Schoppenwein, der zumeist nicht in Flaschen abgefüllt wird. VdP =Vino de pasto/VdM = Vino de mesa: Ein einfacher Tafelwein, der aus Trauben mehrerer Ursprungsgebiete gekeltert wird.VdIT = Vino de la Tierra (Landwein): Dies sind Weine aus einem bestimmten Anbaugebiet, das (noch) keinen DO-Status hat. Die Klasse entspricht dem französischen “Vin de Pays” und dem italienischen “Vino da Tavola”. Festgelegt sind Rebsorten, Mindest-Alkohol-Gehalt und Herstellungsmethode. Auf dem Etikett muß das Gebiet (Comarca) oder die Gemeinde angeführt sein.DE = Denominación Especifica: Dies ist die Vorstufe zur kontrollierten Herkunftsbezeichnung DO = Denominación de Origen.DO = Denominación de Origen: Entspricht dem italienischen DOC und dem französischen AOC.DOCa = Denominación de Origen Calificada: Diese höchste Klasse wurde im Jahre 1988 eingeführt und entspricht in etwa dem italienischen DOCG. Dieser Rang wird an Weine aus herausragenden Anbaugebieten vergeben, deren Produktion besonders sorgfältig kontrolliert wird. Solche Weine dürfen nur als Erzeugerabfüllung in den Handel kommen. Erstmals (und bisher ausschließlich) erhielten 1991 diesen Rang die Weine aus Rioja.Auf dem Flaschen-Etikett gibt es diverse Hinweise, zum Beispiel über den Süßigkeitsgrad (abocado = halbsüß, dulce = süß) und die Weinart (Cava = Schaumwein, Clarete = hellroter Wein, Tinto = dunkler Wein, Rosado = Roséwein, Generoso = Apertif oder Dessertwein). Traditionellerweise werden spanische Weine erst dann zum Verkauf freigegeben, wenn sie trinkreif sind. Für jeden Weintyp ist genau festgelegt, wie lange er im Holzfass bzw. in der Flasche reifen muß. Dies ist durch folgende Bezeichnungen auf dem Etikett deklariert:Joven: 1 Jahr im FassCrianza (gealtert): Zusatzbezeichnung für Weine, die eine gewisse Zeit im Fass und in der Flasche beim Erzeuger reifte. Die Fristen können per DO unterschiedlich sein. Rotweine in der Regel 2 Jahre, davon mindestens 1 Jahr im Fass.Reserva: Qualitativ gute Weine mit bestimmter Reifezeit. Rotweine (Tinto und Clarete) mindestens 3 Jahre, davon mindestens 1 Jahr im Fass. Weißweine und Roséweine mindestens 2 Jahre, davon mindestens 6 Monate im Fass.Gran Reserva: Rotweine (Tinto und Clarete) mindestens 5 Jahre, davon mindestens 2 Jahre im Fass. Weißweine und Roséweine mindestens 4 Jahre, davon mindestens 6 Monate im Fass.Anada: Auf deutsch “Jahrgang”. Damit wird angegeben, wieviele Jahre nach der Ernte der Wein abgefüllt worden ist. Zum Beispiel bedeutet “3 an”, daß der Wein im 3. Kalenderjahr nach der Ernte auf Flaschen abgefüllt wurde. Das heißt, er ist in diesem Fall oft nicht einmal 2 Jahre alt.

Quelle: https://glossar.wein-plus.eu/