KOSTENLOSE RÜCKGABE BEI NICHTGEFALLEN
ANMELDEN
Weinlexikon

Botrytis cinerea

Zurück zur Übersicht
Botrytis cinerea

Dieser auch oft mit dem vollständigen Namen ”Botrytis Cinerea” bezeichnete Schimmelpilz ist schon seit der Antike bekannt und entsteht zumeist durch eine feuchtwarme Witterung. Er bildet auf den befallenen Pflanzenteilen einen mausgrauen Belag, deshalb wird er auch ”Grauschimmel” genannt. Botrytis cinerea ist einer der wenigen Schimmelpilze, der nicht nur eßbar ist, sondern auch durch seinen Penicillingehalt aseptisch wirkt. Bei leichten Halsentzündungen werden zum Beispiel von Opernsängern gerne ein paar Schlückchen Trockenbeerenauslese zur Bekämpfung getrunken. Der Pilz kann große Schäden im Weingarten verursachen, aber in kontrollierter Form bei entsprechenden Umweltbedingungen auch der Grund für hochwertige Wein-Spezialitäten sein. Schädliche AuswirkungenTritt der Pilz schon während der Blüte auf, so werden die Trauben bereits vor dem Fruchtsansatz zerstört. Befällt er die Trauben im noch unreifen Zustand, so kommt es zur Sauerfäule (auch Rohfäule). Die Beeren verfärben sich rot-braun und beginnen zu faulen. In diesem Stadium ist der Schimmelpilz eine gefährliche Krankheit und kommt in Europa auch sehr häufig vor. In den Jahren 1963, 1965 und 1968 wurden dadurch in den französischen Weinbaugebieten Bordeaux und Burgund die Reben fast vollständig vernichtet.Die EdelfäuleDie Edelfäule ist nur bei weißen Rebsorten erwünscht, bei roten verdirbt der Pilz die Farbe. Der daraus gewonnene Wein wird hell und ziemlich bald braun. Bei optimalen Bedingungen wird die hochgeschätzte Edelfäule (frz. Pourriture noble) hervorgerufen. Die Beeren müssen bereits reif sein und das ideale Klima sind trockene und kühle Nächte (in denen sich das Pilzwachstum verlangsamt) und warme, feuchte Tage (in denen der Pilz wieder schneller wächst). Ist es aber zu warm und/oder zu feucht, dann wächst der Pilz zu rasch. Sind schon Beeren vorhanden, dann erfolgt eine Durchsetzung der Haut mit mikroskopischen Poren, durch welche die Flüssigkeit verdunstet. Bei idealem Klima entweicht durch die winzigen Poren das Wasser ganz langsam, die Inhaltsstoffe der Beere (Zucker und Extraktstoffe) werden ungeheuer konzentriert und die Beeren rosinenartig eingetrocknet.Edelsüße WeineEin eindeutiges, messbares Kriterium, ab wann ein Wein als “edelsüß” bezeichnet werden darf, gibt es nicht. Auf jeden Fall sind es Weine mit ausgeprägtem Süßegrad. Voraussetzung dafür sind Beeren mit einem hohen Mostgewicht (ungefähr ab 110° Oe oder 22° KMW und höher). Dies muß bereits am Rebstock erreicht werden, also nicht durch nachträgliche Trocknung (wie zum Beispiel bei einem Strohwein). Der Mostzuckergehalt muss so hoch sein, dass der Wein von natur aus nicht trocken durchgären würde und auch ohne künstliches abstoppen (also zum Beispiel ohne spriten) ein deutlicher Restzucker im Wein verbleibt. In der Regel wird dieser Effekt durch von der Botrytis befallene Beeren erreicht. Es gibt aber auch andere edelsüße Weine wie den Eiswein, der ja nicht ausschließlich aus edelfaulen Beeren gewonnen wird. Edelsüße Weine können somit sein Auslese, Beerenauslese, Sauternes, Trockenbeerenauslese oder Tokajer. Sie haben zumeist einen typischen, honigartigen Geschmack, der auch leicht bitter wirken kann.

Quelle: https://glossar.wein-plus.eu/