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Über das Öffnen von Weinflaschen

Sie fragen sich vielleicht, weshalb man sich Gedanken über das Öffnen einer Flasche Wein machen sollte. Kann man nicht einen Korkenzieher in den Korken drücken und ziehen – oder noch besser, moderne Schraubverschlüsse einfach aufdrehen? Natürlich, kein Problem. Doch manchmal ist es nicht so einfach. Zum Beispiel, wenn der Korken abbricht, der Wein samt Korken schon sehr alt ist oder ein Malheur beim Öffnen einer Flasche Champagner droht.

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© Foto: iStock.com

Korkenzieher, aber welcher?

Seitdem sich die Verkorkung von Weinflaschen im 17. Jahrhundert zunehmend stärker durchgesetzt hat, gab es jede Menge kluger Köpfe, die sich Gedanken gemacht haben über das optimale Gerät zum Entfernen des Korkens. Da die Korken wie bei Schaumweinflaschen über das Glas hinausragten, verwendete man in der Frühzeit Zangen. Als man die Verkorkung optimiert hat, kam das Spiralgewinde als sinnvollstes Instrument auf. Das ist bis heute so geblieben. Die simpelste Form ist der Korkenziehen mit Gewinde, Schaft und Griff. Man hat keinerlei Hebelwirkung und muss sich auf seine eigene Kraft verlassen. Das hat die Tüftler dazu angespornt, Korkenzieher mit Hebelwirkung zu erfinden. Es gibt davon heutzutage unzählige Varianten. Für mich die sinnvollste ist das so genannte Kellnermesser. Damit schlägt man drei Fliegen mit einer Klappe. Erstens hat es ein Messer, mit dem man den Deckel der Kapsel entfernen kann. Zweitens verfügt es im ausklappbaren Hebel über einen Kronkorkenöffner und drittens muss man sich auf Grund der Hebelwirkung nicht sonderlich anstrengen. Zwei Dinge sollten Sie beim Kauf eines Kellnermessers beachten. Die Spirale sollte lang sein, damit man auch lange Korken aus dem Flaschenhals bekommt, ohne dass sie abbrechen, zweitens sollte die Spirale immer über eine Seele verfügen. Als Seele bezeichnet man die offene Mitte innerhalb der Spirale. Diese Spiralen sind feiner als Gewinde mit massivem Kern. So bekommt man häufig leicht poröse Korken ohne Unfall aus der Flasche.

Für Altweine, die ja häufig über sehr poröse oder durchnässte Korken verfügen, kann ich den Spangenkorkenzieher empfehlen. Die Spangen wippt man zwischen Korken und Glas in den Flaschenhals und dreht dann den Korken mit einem Schwung heraus. Das ist die deutlich bessere Alternative zum Eindrücken des Korkens.

Schaumweine optimal öffnen

Manche lassen gerne den Korken fliegen, andere wählen einen Säbel, um der Flasche den Kopf abzuschlagen. Wieder andere stehen etwas ratlos vor einer Schaumweinflasche und hoffen, dass sie nicht überschäumt. Dabei ist das geräuschlose, schaumfreie Öffnen kein Hexenwerk. Und es hat neben der Lautstärke einen weiteren Vorteil: Beim Korkenknallen entweicht eine Menge Kohlensäure und Aromen.

Flasche_Champagner
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Entfernen Sie die Folie von der Flasche und danach das Drahtgeflecht, die so genannte Agraffe. Sollte jetzt schon der Korken aus der Flasche schießen, wurde sie vorher entweder massiv geschüttelt oder es gab beim Abfüllen einen Fehler in der Abfüllanlage – es kommt jedenfalls sehr selten vor. Legen Sie nun den Hals der Flasche in die offene Hand. Wenn Sie Rechtshänder sind, sollten sie die linke Hand wählen, als Linkshänder ist es spiegelverkehrt. Umschließen Sie nun den Flaschenhals, legen Sie den Daumen oben auf den Korken und umschließen den Korken etwas fester mit Zeigefinger und Daumen. Drehen Sie nun die Flasche langsam vom Korken weg. Das ist der eigentliche Clou – nicht den Korken drehen sondern die Flasche, die geschützt in der Hand liegt. Wenn Sie den Schaumwein nun auch noch professionell kredenzen wollen, legen Sie die Flasche in die ausgestreckte Hand, während der Daumen in die Höhlung des Flaschenbodens greift. So haben Sie die optimale Kontrolle über die Flasche und es sieht gleichzeitig elegant aus.

Weinpumpen und andere Hilfsmittel

Sie kennen das sicherlich auch: Sie stehen im Keller vor dem Weinregal und überlegen sich, ob Sie überhaupt eine Flasche öffnen sollen. Es trinkt sonst niemand mit, wegschütten möchten Sie den Wein auch nicht aber eine ganze Flasche trinken Sie auch nicht alleine. Was also tun?

Guter Wein, rot wie weiß, hält sich im Kühlschrank über mehrere Tage hinweg. Noch mehr Zeit hat er, wenn Sie etwas überschüssige Luft aus der Flasche pumpen. Dazu gibt es spezielles Werkzeug, mit dem man beim Stillwein die Luft herauspumpt und beim Schaumwein etwas Luft hineinpumpen kann. Das macht Sinn, man sollte jedoch nicht zu oft die Luft aus der Flasche pumpen, denn damit geht immer auch etwas Aroma verloren.

Sollten Sie hochwertige, gereifte Weine im Keller haben, von denen Sie ebenfalls nur hier und da mal einen Schluck probieren wollen, bietet sich das Weinsystem Coravin an. Das Gerät sticht mit einer feinen Nadel durch den Korken, zapft Wein ab und ersetzt den entstehenden Hohlraum mit Argon-Gas, das den Wein schützt. So können Sie eine Flasche Pétrus über Wochen, Monate oder Jahre hinweg langsam entleeren. Da das System relativ teuer ist, empfiehlt es sich allerdings nur für entsprechend hochwertigen Wein.

Sinnige und unsinnige Hilsmittel

Über die vorgestellten Hilfsmittel hinaus, gibt es jede Menge vernünftiges bis zweifelhaftes Zubehör. So kann man mit Hilfe eines Weinschlüssels (Clef du vin) in Form eines Aluminiumlöffels, der über einen als Katalysator fungierenden Punkt aus einer speziellen Metallverbindung verfügt, das Altern eines Weins simulieren. Das sagt der Hersteller, für mich ist das eher Voodoo-Zauber. Es gibt Ausgießer, die den Wein verwirbeln und somit mehr Luft in den Wein geben und ihn somit öffnen. Persönlich verwende ich dafür jedoch immer einen Dekanter. Das ist ein klassisches Hilfsmittel, das immer auch gut aussieht. Was ich sinnvoll finde, ist ein spezieller Champagner- und Sektflaschenverschluss, der die Kohlensäure in der Flasche hält. Ansonsten braucht man nicht viel. Das wichtigste Hilfsmittel ist und bleibt ein sehr gutes Kellnermesser.

Titelbild © iStock.com

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