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Weinlexikon
Sauffnarr

Die Wiener waren schon immer ein sehr lebensfrohes und sinnesfreudiges Volk und voll besetzte Heurigenlokale in den schönen Monaten des Jahres beweisen, daß dies auch noch heute gültig ist. Im 15. Jahrhundert war es üblich, schon am Vormittag beträchtliche Mengen von Wein zu genießen. Dies galt auch für die Frauen und der sehr bekannte Wiener Arzt Heinrich von Neustadt beklagte, ”daß die Wienerinnen schon am frühen Morgen dem Trunk verfallen seien und es noch schlimmer als die Männer trieben”. Auch den übrigen leiblichen Genüssen waren die Wiener sehr zugetan und einige Zeitgenossen beklagten die ”Freßsucht und Völlerei”. Es gibt schriftliches Zeugnis über den Weinverbrauch im alten Wien. Bei einer Einwohnerzahl von ca. 50.000 (Kinder abgerechnet) wurden angeblich pro Jahr 17 Eimer Wein getrunken. Das ergäbe rund 1.000 Liter per anno und 2,7 Liter täglich! Dies nahm auch der Prediger Abraham a Sancta Clara (1644 – 1709), als Anlaß, von der Kirchenkanzel herab wiederholt gegen die Unsitte des ”Saufens” zu wettern. Darüber gibt die Epistel ”Der Sauff-Narr” treffend Auskunft:O Trunkenheit, du schwere Sucht, bringst manchen Mann in große Unzucht:Von Ehr und Gut, in Spott und Schand, von Weib und Kind in fremde Land:Von Kunst Weisheit in groß Torheit, von gesunden Leib in große Krankheit:Von Freude und Wonne ins Jammertal, von Speis und Trank in Hunger-Qual:Von Frieden und Ruhe in Angst und Not, von langen Leben in den Tod:Vom Reiche Gottes in ewig Leid, dies alles kommt aus Trunkenheit:Deine letzte Stunde bedenke gar wohl, so wirst du dich nicht saufen voll.Keine Narren-Schellen nimmt man so gewahr, als die welche vorführt der versoffene Narr,so sich auf allen Gassen macht offenbar, damit morgen davon zu diskutieren habe die ganze Pfarr. Das ist rar – das ist wahr – mein versoffener Narr!

Quelle: https://glossar.wein-plus.eu/