KOSTENLOSE RÜCKGABE BEI NICHTGEFALLEN
ANMELDEN
Weinlexikon
Heuriger

Diese typisch österreichische Bezeichnung bedeutet zweierlei. Einerseits wird damit der junge Wein des aktuellen Jahrganges benannt. Zu Martini, dem Fest- und Namenstag des Heiligen Martin von Tours, dem 11. November, wird der Wein getauft und damit zum Heurigen. Bis zu diesem Tag darf man nach altem Brauch beim Genuss des jungen Weines auf keinen Fall den Trinkspruch ”Prost” verwenden. Der bis dahin Heurige wird nun als ”Alter” bezeichnet.Aber auch das typische österreichische Weinlokal, in dem der Heurigenwein ausgeschenkt wird, heißt so. Die offizielle Geburtsstunde schlug am 17. August 1784 durch folgende schriftliche Verordnung von Kaiser Joseph II. (1741 – 1790): Ungeachtet durch mehrere Verordnungen den Grund-Herrschaften ausdrücklich verboten wird, ihren Unterthanen einige Naturalien, in was immer für einem Masse zum Kaufe und Verkaufe aufzudringen, so haben sich dennoch verschiedene Fälle ereignet, welche die Ausser-Achtlassung dieses Gesetzes beweisen, und die Erneuerung desselben zum Schutze der Unterthanen nothwendig machen. Wir verbieten also hiermit allen Grundobrigkeiten bei schwerster Bestrafung, ihren Unterthanen, unter was immer für einem Namen oder Vorwande, Lebensmittel oder Getränke, zum Kaufe, Verkaufe oder Ausschank auf obrigkeitliche Rechnung aufzudringen, oder dieselben zu zwingen, zu einem höheren Preise, als die Obrigkeit auszuschenken und geben hingegen jedem die Freiheit, die von ihm selbst erzeugten Lebensmittel, Wein und Obsmost zu allen Zeiten des Jahres, wie, wann und zu welchem Preise er will, zu verkaufen oder auszuschenken.Beim Wiener Kongress (September 1814 bis Juni 1815) wurde Europa neu geordnet. Neben den offiziellen Veranstaltungen gab es acu unzählige Bankette, Feste, Feiern, Bälle und Heurigen-Besuche, so daß auch aus diesem Grund die Verhandlungen nur zäh und mühsam weitergingen. Der bekannte Ausspruch “Der Kongreß tanzt (kommt aber nicht vom Fleck)” verdeutlicht dies sehr gut. Es waren auch die Herrscher der wichtigsten europäischen Länder persönlich vertreten und haben sich auch entsprechend privat vergnügt. Es kursierte ein Flugblatt, in dem der schon immer treffende Wiener Volksmund die speziellen Vorlieben der Herrscher wie folgt darstellte:* Zar Alexander I. von Rußland: Er liebt für alle* König Friedrich-Wilhelm III. von Preußen: Er denkt für alle* König Friedrich VI. von Dänemark: Er spricht für alle* König Josef-Maximilian I. von Bayern: Er trinkt für alle* König Friedrich I. von Württemberg: Er frißt für alle* Kaiser Franz I. von Österreich: Er zahlt für alleVom russischen Zaren Alexander zum Beispiel ist definitiv bekannt, daß er öfters und sehr gerne Wiener Heurigenlokale (inkognito) besucht hat. Zu dieser Zeit entstand neben dem Heurigen ein neuer Lokal-Typus, das “Kasino”, das eine Mischung aus Heurigen, Wirtshaus, Kaffehaus und Tanzetablissement war. Der ungeheure Backhendl-Konsum in diesen Lokalen ist verbürgt und das älteste diesbezügliche Lokal war der Sperl” in der Leopoldstadt (im heutigen 2. Bezirk) und der noch berühmtere “Apollo-Saal”. Der dort ausgeschenkte Wein stammte aus den besten Weingärten Wiens. Höchste Würdigung erfuhr der ”Heurige” durch Kronprinz Rudolf (1858 – 1889), der sich von seinem Stamm-Fiaker und Vertrauten Josef Bratfisch, der auch als Heurigensänger auftrat, sehr gerne zu den Heurigen in Dornbach und Hernals fahren ließ. Und wenn man die Affinität Rudolfs zum weiblichen Geschlecht berücksichtigt, wird er wohl nicht alleine dort gesessen haben. Übrigens wurden erst vor kurzem Gedichte und Texte zu Wienerliedern entdeckt, die vom Kronprinzen stammen, zum Beispiel: Es wart auf sei Liebste ein Liebster langmächtig, bei 30 Grad Kälten, es friert ihn schon prächtig. Und macht dann die Liebste ein bitteres Gfries, weil halt der Liebste heut so ein Eiszapfen is. Die beiden berühmten Komponisten Beethoven und Schubert waren ebenfalls begeisterte Heurigen-Besucher.Bei den Heurigen entstanden dann auch die meisten der vielen Wiener-Lieder, von denen zahlreiche dem Wein, den Frauen und der Geselligkeit ein Denkmal setzen (“Wein, Weib und Gesang”). Häufig sind sie von einer gewissen “Tristesse” geprägt, was ja angeblich dem Naturell und der Lebenseinstellung des “typischen Wieners” entspricht. So ganz im Sinne des bekannten Wienerliedes “Verkauft’s mei G’wand, i fahr´ in Himmel”. Der “Wiener Heurige” ist nach heutigem Gesetz ein Weinlokal, in dem Eigenanbauwein ausgeschenkt wird. Heurige sind nicht das ganze Jahr geöffnet. Um den Weinausschank anzuzeigen, wird ein “grüner Busch´n” aus Zweigen über dem Haustor angebracht. Siehe auch unter Buschenschank.

Quelle: https://glossar.wein-plus.eu/