Zenato Weine

Am sonnverwöhnten Südzipfel des Gardasees, wo in der alten Moränenlandschaft von Lugana und Valpolicella seit Jahrtausenden hervorragende Weine heranreifen, liegt die Wirkungsstätte einer Winzerfamilie, die wie kaum eine andere zur Berühmtheit der Gardasee-Weine beigetragen hat: Die Weinberge der Familie Zenato.

Carla, Alberto und Nadia Zenato
Carla, Alberto und Nadia Zenato

Wie in vielen berühmten Winzerfamilien nimmt die Erfolgsgeschichte der Zenatos mit dem Pioniergeist und dem Können eines großen Wein-Visionärs ihren Anfang. Wir schreiben das Jahr 1960. Italien kennt zu dieser Zeit keinen Massentourismus, der Rest der Welt weiß weder von italienischen Weinen noch von italienischem Essen. Denn der Export des Lebensgefühls „Dolce Vita“ inklusive Speis und Trank soll erst nach der Zeit der Gastarbeiter einsetzen. Vom italienischen Wein-Boom ist dieser Tage also genauso wenig zu spüren wie von den globalisierten Weinmärkten.

Sergio Zenato
Sergio Zenato

In dieser Zeit also gründet Sergio Zenato, angetrieben von einer großen Leidenschaft für Wein und für seine Heimat San Benedetto di Lugana, gemeinsam mit seiner Frau Carla ein Weingut. Die Tenuta Santa Cristina, bestehend aus 40 Hektar Rebfläche, ist noch heute Herzstück und Wiege des Familienunternehmens. Sergio Zenato glaubt fest an das Potenzial der heimischen Rebsorte Trebbiano di Lugana und beschließt, sich zunächst voll und ganz auf sie zu konzentrieren. Eine gute Entscheidung, denn die Bedingungen in der sanften Hügellandschaft, wo das Klima durch den nahegelegenen Gardasee begünstigt wird, sind perfekt für den Trebbiano. Und Sergio Zenato schafft es mit einer großen Portion Beharrlichkeit, Hingabe und Handwerkskunst, aber auch mit für damalige Zeiten überaus modernen Kellertechniken, alles aus dem Terroir und den Trauben herauszuholen. Das Ergebnis: Der Lugana, ein frischer, leichter Weißwein von Spitzenqualität, der 1967 als einer der ersten Rebsäfte Italiens als DOC Wein anerkannt werden und bald darauf seinen weltweiten Siegeszug antreten sollte. Noch heute produziert die Familie Zenato den besten Lugana und besitzt rund ein Zehntel der Rebfläche in der winzigen DOC-Region.

Den kometenhaften Aufstieg des Lugana und den Ansturm auf das kleine Anbaugebiet hat Sergio Zenato noch miterlebt, bevor er 2008 nach schwerer Krankheit starb. Seine Kinder Alberto und Nadia führen seither das Erbe ihres Vaters weiter. Jahrgang für Jahrgang bringt die Familie Weine von herausragender Qualität hervor, internationale Botschafter ihrer Heimat, bei denen Kritiker und Weinliebhaber ins Schwärmen geraten. Zu den Klassikern gehört der Santa Cristina Lugana, ein ausgewogener weicher Weißwein aus 100 Prozent Trebbiano, der blumig und nach tropischen Früchten duftet und angenehm frisch und fruchtig schmeckt. Doch läuft die junge Zenato-Generation nicht nur mit der Rebsorte Trebbiano zu Höchstleistungen auf. Auch aus internationalen Sorten wie Chardonnay, Garganega und Pinot Grigio kreieren die Vorzeige-Winzer inzwischen feinste Weißweine.

Zenatos furioser Auftritt im Valpolicella

Zenato steht heute für eines der ersten Häuser im Veneto. In den frühen 1990er Jahren erweiterte Sergio Zenato seinen Horizont über die Region Lugana hinaus und kaufte Weinberge im nahe gelegenen Valpolicella-Gebiet am östlichen Ufer des Gardasees. Seitdem schlug sein Herz nicht mehr ausschließlich für den weißen Lugana de Trebbiano, sondern auch für den wunderbar gehaltvollen Rotwein, für den die Valpolicella-Region weltweit berühmt ist. Über 19 Gemeinden erstreckt sich das Gebiet nördlich von Verona. Idyllische Weinberge, Obst- und Olivenhaine, traditionelle Bauernhäuser und prächtige venezianische Villen prägen das Bild ebenso wie sattgrüne Hochebenen, durch die sich tosende Wildbäche und tiefe Schluchten ziehen. Der nördliche Teil des Valpolicellas gehört zum Lessinia-Nationalpark. Hier befindet sich Europas größte natürliche Brücke, die eindrucksvollen Wasserfälle von Molina und mit der „Spluga della Preta“ einer der weltweit tiefsten Karstabgründe.

Zenatos Weinberge im Valpolicella
Zenatos Weinberge im Valpolicella

Doch nicht nur die bezaubernde Landschaft, sondern auch die hervorragende Gastronomie macht das Valpolicella aus. In den Restaurants, Trattorien und Osterien kann man aus lokalen Produkten zubereitete Köstlichkeiten genießen und sich hierzu einen der hervorragenden Rotweine der Region munden lassen.

Für Sergio Zenato war dies alles damals Neuland – in geografischer und in vinologischer Hinsicht. Was keineswegs bedeutet, dass er nicht auch hier glanzvoll debütierte. Rund um sein neu gegründetes Weingut Costalunga kultivierte er auf 35 Hektar Rebfläche die ruhmreichen Rebsorten des Valpolicella: Corvina, Rondinella und Oseleta. Aus ihnen kelterte er bald in der ihm eigenen Perfektion diejenigen Weine, für die das Valpolicella internationales Renommee genießt: Einen vielfach preisgekrönten Valpolicella Classico Superiore, aber vor allem mit dem Amarone und dem Recioto zwei großartige Varianten dieses Weins, für die dieselben Rebsorten handverlesen und anschließend getrocknet werden. Aus den getrockneten Trauben entsteht mit dem Recioto ein üppiger, süßer Dessertwein mit feinem Säureauftakt. Für den Amarone de Valpolicella wird die Gärung verlängert, bis sich der Zucker im Most vollständig in Alkohol verwandelt und schließlich das schwere trockene Pendant des Recioto in die Flasche gelangt. Mit seinem tiefroten, facettenreichen Amarone della Valpolicella, dem Königswein des Veneto, gelang Sergio Zenato schnell der Aufstieg in den Adelsstand unter den Rotwein-Erzeugern. Der kleine Bruder des Amarone aus dem Hause Zenato ist der Ripasso, für den die Familie frische Classico-Trauben mit den ausgepressten Beeren des Amarone vergärt.

Kulinarische Höhenflüge: Zenatos Weine als edle Speisebegleiter

Sowohl die Weiß- als auch die Rotweine aus dem Haus Zenato sind nicht nur ideale Begleiter zur italienischen Küche. Der frischfruchtige Lugana harmoniert nahezu perfekt mit sommerlich leichten Gerichten wie Antipasti, Bruschetta, Pasta mit leichten Saucen, hellem Fleisch, Fisch oder leichten Salaten. Zenatos trockener Rote, der Valpolicella Superiore, reift zwölf Monate im Eichenfass und besticht mit seinem saftigen Fruchtaroma von Kirschen und Brombeeren. Wie der Bardolino ist auch der Valpolicella ein eher leichter Rotwein, der aber strukturreicher ist und etwas mehr Körper besitzt. Zu ihm schmecken ein Teller Pasta mit einer kräftigen Sauce, ein Ragout oder ein Braten mit der für die venezianische Küche typischen Polenta. Auch gereifter Käse oder leichte Geflügelgerichte zergehen mit einem Valpolicella auf der Zunge.

Blick in den Weinkeller von Zenato
Blick in den Weinkeller von Zenato

Den Valpolicella Ripasso der Familie Zenato kann man hervorragend zu würziger Pasta oder zu Geflügelgerichten anbieten. Als Allroundtalent passt er aber ebenso gut zu fruchtig-süßen Wintergerichten, zum Beispiel Ente oder Gans. Denn das fettreichere Geflügel bekommt mit dem Ripasso einen Begleiter, der eine gute Struktur und etwas Säure mitbringt und auch mit Beilagen wie Apfelrotkohl wunderbar harmoniert.

Und dann ist da noch der König der venezianischen Weine: Der Amarone. Dieser Tropfen ist ein echtes Schwergewicht und gehört mit einem Alkoholgehalt zwischen 14 und 17 Prozent sowie seinen konzentrierten Fruchtsäuren, Gerbstoffen und Aromen zu den intensivsten Rotweinen der Welt. Demnach verlangt der Amarone kulinarisch nach einem ebenbürtigen Partner. Deftige, vielleicht geschmorte Wildgerichte, Wildschweinrücken oder eine Rehkeule sind eine gute Wahl. Eine absolut edle Kombination bildet Amarone und dunkle Schokolade. Denn die für den Wein charakteristische Fruchtsüße der getrockneten Trauben geht mit einer dunklen Schokolade eine Geschmacksverbindung ein, die jeden Gourmet zum Schwärmen bringt. Unsere Empfehlung. Probieren, zurücklehnen und genießen!