Manche Weine sind so exquisit, die Mengen so klein, dass sie gar nicht unmittelbar in den Weinfachhandel gelangen, sondern exklusiv auf Weinversteigerungen angeboten werden. Was wie ein exklusiver Klub klingt, der Normalsterblichen verschlossen bleibt, ist es in Wirklichkeit gar nicht: Jeder kann mitbieten und Weine aus Versteigerung kaufen. Es werden – trotz aller Rekorde (s.u.), die natürlich in der Presse ein Thema sind – nicht ausschließlich extrem teure Weine versteigert. Auch im Preisbereich von 20 bis 30 Euro gibt es viele hochinteressante Entdeckungen zu erwerben. Hier die wichtigsten Weinversteigerungen in Deutschland:

Großer Ring

Im Großen Ring haben sich im Jahr 1908 auf Initiative des Trierer Oberbürgermeisters Albert von Bruchhausen die bereits bestehenden Versteigerungsringe an Mittelmosel, Saar und Ruwer zusammengeschlossen. Heute sind es 31 Weingüter des VDP Mosel, die ihre besten und rarsten Weine und natürlich ihre GROSSEN GEWÄCHSE bei der jährlichen Versteigerung anstellen, die Mitte September in Trier stattfindet. Die teilnehmenden Winzer gehören zur Elite an Mosel, Saar und Ruwer: von Othegraven, Maximin Grünhaus, Fritz Haag, Dr. Loosen, Forstmeister Geltz Zilliken, Joh. Jos. Prüm, Clemens Busch, um nur einige zu nennen.
Wie funktioniert nun diese Versteigerung? Vor dem Beginn wird die Liste der Weine auf www.grosserring.de veröffentlicht. Jetzt gilt selbst festzulegen:

Wie viel bin ich bereit, für die Flasche XY auszugeben und wie viele Flaschen möchte ich später in meinem Keller liegen haben. Mit dieser Information wenden Sie sich an einen Kommissionär, denn der Zuschlag erfolgt nur auf diesem traditionellen Weg. Die Kommissionäre erhalten sowohl vom versteigernden Weingut als auch vom Bieter 5% Provision. Gleichzeitig beraten sie den Bieter und sorgen für den reibungslosen Ablauf des späteren Kaufs.


Bernkasteler Ring


Ebenfalls an der Mosel beheimatet ist der Bernkasteler Ring, der 1899 gegründet wurde. Zu den 35 Weingütern zählen so bekannte Namen wie Markus Molitor, Carl Loewen, Dr. Pauly-Bergweiler, Philipps-Eckstein oder Clüsserath-Eifel. Auch diese jährliche Versteigerung im September lockt Weinbegeisterte von nah und fern. Die Abwicklung erfolgt hier ebenfalls über Kommissionäre.

Kloster Eberbach


Eine wegen ihres besonderen Ambientes geschätzte Versteigerung findet im Kloster Eberbach statt. Das im Jahr 1136 vom heiligen Bernhard von Clairvaux (Burgund) gegründete Haus im Rheingau stellt das Laiendormitorium – den ehemaligen Schlafsaal der Laienbrüder – zur Verfügung: Der zweischiffige Saal mit 83 Metern Länge umfasst 13 kreuzgratgewölbte Doppeljoche, die auf gedrungenen Säulen ruhen – mehr “Geschichte atmen” geht kaum. Zahlreiche Innenaufnahmen des Films “Der Name der Rose” mit Sean Connery wurden hier gedreht.
Seit 1806 findet diese Versteigerung statt, bei der die Hessischen Staatsweingüter Kloster Eberbach und der VDP Rheingau ihre wertvollsten Weine einstellen.

Es handelt sich traditionell um eine “nasse Versteigerung”, bei der die Besucher fast alle (Ausnahmen: Raritäten und Unikate) angebotenen Weine vorher verkosten können – selbst wer nicht steigert, hat ein Genuss-Erlebnis der besonderen Art. Denn wo sonst kann man die großartigen Weine von Weil, Allendorf, Vollrads, Kloster Eberbach, Prinz, Schloss Johannisberg, August Eser, Johannishof, Barth oder Balthaser Ress am Stück probieren? Zehn erfahrene Kommissionäre kümmern sich bei der anschließenden Versteigerung um Ihre Gebote. Den attraktiven Rahmen der Versteigerung mit vielen hochkarätigen Weinmenüs und weiteren Verkostungen bildet übrigens das alljährlich Ende Februar/Anfang März stattfindende Rheingauer Gourmet & Wein Festival.


Bad Kreuznach


Hier trifft sich ebenfalls im September das Who’s who der Regionen Nahe, Rheinhessen, Pfalz und Ahr – eine mehr als beeindruckende Schar der allerbesten Winzer: Emrich-Schönleber, Prinz Salm, Schäfer-Fröhlich, Dönnhoff, Diel, Kruger-Rumpf, Dr. Crusius, Gut Hermannsberg, Joh.Bapt. Schäfer, (Nahe), BattenfeldSpanier, Wagner-Stempel, Wittmann, K.F.Groebe, Keller, Schätzel (Rheinhessen), H.J. Kreuzberg, Jean Stodden (Ahr) und Philipp Kuhn aus der Pfalz. Vier erfahrene Kommissionäre stehen bereit, beraten den Bieter und garantieren den einwandfreien Ablauf von Versteigerung, Bezahlung und abschließender Lieferung.

Rekorde


Auf Kloster Eberbach wurde 1987 eine Flasche 1735er Johannisberger Riesling des Weinguts Schloss Schönborn für 53.000 DM versteigert. Beim Großen Ring im September 2015 fiel der Hammer für 22 Flaschen der 2003er Scharzhofberger Trockenbeerenauslese von Egon Müller bei 12.000 Euro netto – wohlgemerkt je Flasche. Bei der Versteigerung in der Bad Kreuznacher Römerhalle im Jahr 2019 ging eine Magnum (1,5 Liter) 2015er Hermannshöhle Freitag, Riesling Trockenbeerenauslese des Weingutes Dönnhoff für 22.491 Euro (inkl. Steuern und Gebühren) an den Höchstbietenden. Und im Jahr 2020 schließlich erhielt ein unbekannter Weinfreund für 18.000 Euro netto eine 1920er Riesling Trockenbeerenauslese von Schloss Johannisberg.

Versteigerungsweine kaufen


Wer selbst keine Zeit hat, an einer der großen Versteigerungen teilzunehmen, muss dennoch nicht auf den Genuss dieser raren Kreszenzen verzichten. Der Geisenheimer Anbieter www.weinart.de verfügt über eine in Deutschland wohl einmalige Auswahl an Versteigerungsweinen.

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