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Wein und große Oper – nein, die Rede soll jetzt nicht vom erfrischenden Glas Wein in der Pause sein, um sich für den nächsten Akt zu stärken. Das ist ja für viele Opernbesucher und Opernfans ganz normal und unterstreicht den musikalischen Genuss.

Tatsächlich spielt der Wein neben den wesentlichen Protagonisten in vielen Opern eine nicht unbeträchtliche Rolle. Da sind zum einen schon einmal die vielen Trinklieder, die sich quer durch die Operngeschichte ziehen, vor allem der italienischen, aber nicht nur dort. Trinklieder in Verdis „La Traviata“ oder seinem  „Falstaff“zum Beispiel legen ein beredtes Zeugnis darüber ab, welchen Stellenwert der Wein in der Kulturgeschichte Italiens spielt. Sie greifen die Tradition der Trinklieder aus dem Mittelalter und der Renaissance auf, die zudem häufig dazu dienten den Adel oder den Klerus insgeheim zu verspotten.

Dass diese Lieder dem Wein gewidmet sind, muss nicht einmal ausdrücklich ausgesprochen werden, zu jenen Zeiten konnte man eigentlich nur Wein trinken, wenn man nicht um seine Gesundheit bangen wollte. Aber auch in Opern anderer Komponisten findet sich das Trinklied immer wieder, etwa in Offenbachs „Hoffmann´s Erzählungen“.

Aber, wie schon angedeutet, der Wein spielt auch häufig eine ganz maßgebliche Rolle in der Handlung. Freilich, wir wissen nicht, welches Aphrodisiakum in Wagners „Tristan & Isolde“ die beiden Protagonisten in einen wahren Rausch versetzt. Auch nicht, um welche Flüssigkeit genau es sich handelt, die die Gralsritter in seinem „Parsifal“ zu sich nehmen. Aber in Gaetano Donizetti´s „Lucrezia Borgia“ wird mehrfach darauf hingewiesen und gewarnt, dass der Wein der Borgias vergiftet sei. Im Hinblick auf das Treiben jener päpstlichen Familie vermutlich nicht das einzige ihrer Genussmittel, dass der Gesundheit abträgliche Wirkungen entfaltete.

Und es ist wiederum Donizetti, der dem Bordeaux in seiner „L`elisir  d´amore“ ein Denkmal setzt. Ein Scharlatan verkauft eine verführerische Essenz, die Menschen in Liebestaumel versetzen soll, am Ende entpuppt sie sich als eine Flasche Bordeaux. Solches hatte man über die Weine des berühmtesten Anbaugebietes der Welt nie vernommen, es gälte also die Verführungskraft der Gewächse der Gironde einer genaueren Untersuchung zu unterziehen.

Wolfgang Amadeus Mozart, selbst sicher kein Verächter guter Weine, und sein Librettist da Ponte huldigen im „Don Giovanni“ einer italienischen Rebsorte, die gerade erst heut wieder eine Renaissance erfährt, dem Marzemino aus der Emiglia Romana. „Versa il Vino Eccellente marimino“ heißt es da. Und in der „Entführung aus dem Serail“ wird mit dem „Vivat Bacchus“ auch gleich der Gott des Weines auf den Schild gehoben.

In Lortzings „Undine“ schaut der Knappe Veit zu tief in´s Glas, genauer in ein Fässchen Wein und wird gegenüber einem geheimnisvollen Mann namens Kühleborn sehr redselig – keine gute Idee. Und später, im 4. Akt, anlässlich der Hochzeitsfeier von Hugo und Bertalda fließt wiederum so viel Wein, dass Teile der Hochzeitsgesellschaft recht übermütig werden.

Ja, Beispiele gäbe es sicher noch einige. Der Wein hat im Verlauf seiner über viele Jahrhunderte, um nicht zu sagen Jahrtausende in allen Gattungen der Kunst seine Spuren hinterlassen, ob Literatur, Malerei, oder eben Musik und im Speziellen in der Oper. Man achte vielleicht nach seinem nächsten Besuch in der Oper einmal darauf, und stelle aber natürlich auch sicher, dass man dann auch in der Pause einen guten Schluck im Glas hat.

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