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We never drink in the afternoons, we never drink alone.
Rollin’, Randy Newman

Dem Thema Wein kann man auf sehr unterschiedliche Art begegnen. Wein kann Konsumprodukt sein oder Genussmittel, man kann ihm abgeklärt gegenübertreten und ihn als ein Getränk unter vielen einstufen, es ist aber genauso möglich, sich für Wein zu begeistern, für seine Vielzahl an Rebsorten, Ausbaumethoden, regionalen und klimatischen Unterschieden, die schließlich in einer schier unendlichen Vielfalt an Aromakombinationen mündet. Diese Vielfalt zu ergründen, macht in einer geselligen Runde deutlich mehr Spaß, als sich diesem Thema allein zu Hause zu widmen.

Wer sich dazu entschließt, eine private Weinprobe zu planen, sollte einige Regeln beachten, die es deutlich leichter machen, sich den ausgewählten Weinen ohne störende Faktoren zu widmen.

Die Art der Probe

Zunächst wäre zu klären, welche Form die Probe haben soll. Laden Sie Ihre Gäste ein und suchen entsprechende Weine aus oder treffen sie sich gemeinsam und jeder bringt einen Wein mit? Natürlich ist beides möglich, wirkt sich jedoch auf die Organisation der Probe aus. Für den Anfang ist zu empfehlen, dass es einen Ausrichter gibt, der die Weine besorgt oder aus seinem Keller holt. Sollte sich aus einer einzelnen Weinprobe eine Tradition unter Freunden entwickeln, die gemeinsam einer gewissen Weinbegeisterung verfallen, geht es sicherlich irgendwann reihum, man richtet abwechselnd aus und möglicherweise gestaltet man Abende, an denen jeder eine Flasche zu einem bestimmten Thema beisteuert.

Wieviel Gäste dürfen es sein?

Für private wie professionelle Proben gilt, dass man mit einer Flasche Wein idealerweise zwölf Gläser füllen kann. Mehr Gäste inklusive Gastgeber sollten es nicht sein. Doch auch wenn Sie weniger Freunde einladen, sollten Sie die Gläser nicht höher füllen, denn das Resultat einer Aufteilung einer 0,75er Flasche auf zwölf Gläser hat eine ideale Füllhöhe in den Gläsern zur Folge, damit sich der Wein im Glas gut entwickeln kann.

Die Auswahl der Weine und die richtige Reihenfolge

Eine Weinprobe beinhaltet normalerweise eine Kombination aus verschiedenen Weintypen. Eine klassische Reihenfolge beispielsweise beginnt mit einem Schaumwein, der die Geschmacksnerven anregt, dann folgt eine Reihe von Weißweinen, möglicherweise folgt eine Rosé, bevor man mit Rotweinen fortfährt. Den idealen Abschluss bildet ein Süßwein, der die Geschmacksnerven, die ganze Arbeit leisten mussten, umschmeichelt und entspannt.

Eine mögliche Variante ist die, den Gästen immer zwei Weine parallel in zwei Gläsern zu servieren (die Anzahl der notwendigen Gläser erhöht sich dadurch natürlich). Es kann ausgesprochen spannend sein, beispielsweise eine Rebsorte von zwei verschiedenen Winzern einzuschenken, beispielsweise einen reinsortigen Chardonnay aus dem Burgund und einen aus Kalifornien, einen Sauvignon Blanc von der Loire und einen aus Neuseeland.

Eine andere Möglichkeit ist die, dass Sie einige der Weine verdeckt einschenken, man spricht dann von einer Blindprobe. Dabei sollte es nicht im Wettbewerb darum gehen, wer als erster den richtigen Wein errät, diese Variante fördert einfach die Konzentration auf den Wein ohne zu viele äußere Einflüsse.

Die wichtigste Regel jedoch ist wohl die, dass weniger mehr ist. Wählen sie zunächst nicht mehr als acht, höchstens zehn Weine aus. Sie werden merken, dass es für die Geschmacksknospen eine Anstrengung ist, eine solche Anzahl an unterschiedlichen Weinen gleichermaßen intensiv wahrzunehmen.

Die richtige Umgebung

Wenn Sie sich wirklich auf die Probe konzentrieren wollen, wählen Sie einen ruhigen Ort. Das kann an einem lauen Sommerabend auch die Terrasse oder der Tisch im Garten sein. Vorausgesetzt, es blühen keine zu stark duftenden Büsche in näherer Umgebung. Irritierende Gerüche sollten dringend vermieden werden. Dazu gehört das Rauchen am Tisch ebenso wie der dringende Verzicht auf Parfum.

Das richtige Glas

Es gibt hunderte von Weingläsern auf dem Markt und für jeden Weintypus ein eigenes, ideales Glas. In der Tat macht das Sinn, denn ein gereifter Burgunder braucht deutlich mehr Platz im Glas um sich ideal zu entfalten, als ein frischer Riesling. Die Anschaffung einer solchen Fülle von Gläsern jedoch bleibt normalerweise dem passionierten Weinliebhaber vorbehalten.

Natürlich ist es schön, für Schaumwein, Weißwein und Rotwein ein eigenes Glas anbieten zu können doch führen viele der namhaften Weinglashersteller Universalgläser, auch häufig Sommelierglas genannt, in ihrem Programm. Dieses Glas, was von der Größe und Form her meist einen möglichst idealen Mittelweg zwischen Rot- und Weißweinglas findet, ist für Weinproben, aber auch für den täglichen Weingenuss absolut zu empfehlen.

Spülen Sie die Gläser relativ lange mit klarem Wasser aus, damit kein Spülmittelgeschmack oder –Geruch im Glas verbleibt.

Begleitende Speisen

Bei einer reinen Weinprobe sollte die Aufmerksamkeit auf den dargereichten Weinen liegen. Um die Zunge zwischen den unterschiedlichen Weinen ein wenig zu neutralisieren, bietet sich frisches Baguette oder Grissini an. Gerade für Einsteiger, die es noch nicht gewohnt sind, eine größere Anzahl von Weinen intensiv zu probieren, macht es Sinn, zur Hälfte der Probe eine Pause zu machen und dann Speisen oder eine Auswahl an Käse zu reichen.

Vorbereitungen der Weine

Schaumweine wie Weißweine sollten langsam im Kühlschrank heruntergekühlt werden, also idealerweise einen Tag vorher ins Kühlfach gelegt werden. Vor dem Servieren dürfen sie ruhig eine viertel bis halbe Stunde (je nachdem, wie kühl Ihr Kühlschrank ist) anwärmen, bevor sie serviert werden. Auch wenn ein sehr kühler Schaum- oder Weißwein erfrischend sein mag, je kälter er ist, desto verborgener bleiben die Aromen.

Leichter, junger Rotwein, aber auch Pinot Noir wird idealer Weise bei 15 Grad serviert, Bordeaux und Rioja bei 18 Grad, Cabernet oder Shiraz aus der neuen Welt benötigt zur optimalen Aromaentfaltung Zimmertemperatur, die jedoch nicht über 20 Grad liegen sollte.

Öffnen Sie die Flasche ruhig ein, zwei Stunden vor Beginn der Probe. Zum einen können Sie selbst schon frühzeitig testen, ob ein Wein möglicher weise korkt und ausgetauscht werden sollte, zum anderen profitieren die meisten Weine von einem gewissen Maß an Luftzufuhr.

Abschließende Vorbereitungen

Zu jeder Weinprobe sollte genügend neutrales Mineralwasser gereicht werden. Wenn sich die aufeinander folgenden Weine stark voneinander unterscheiden, ist es sinnvoll, die Gläser zwischendurch auszuspülen. Für diesen Zweck, aber auch für den Fall, wenn ein Gast den einen oder anderen Wein nicht bis zur Neige austrinken möchte, empfiehlt sich die Verwendung eines Spitoons, also eines Spucknapfes, oder eines ähnliches Gefäßes.

Schließlich scheuen sie sich nicht, Papier und Bleistift bereit zu legen um sich Notizen zu den jeweiligen Weinen machen. Auch dies fördert die Auseinandersetzung mit dem Wein und lässt später eine eigene Entwicklung der sensorischen Fähigkeiten nachvollziehen.

Wenn Sie im Vorfeld Zeit und Muße haben, ein paar Informationen zum Wein, zum Winzer und der entsprechenden Anbauregion zu sammeln, werden Ihre Gäste dies bestimmt honorieren.

Einer erfolgreichen und kurzweiligen Weinprobe steht nun nicht mehr viel im Weg.

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