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Unser Autor Eckhard Hillmann führte ein ausführliches Interview mit Baron Éric de
Rothschild
über das Engagement der Familie Rothschild in Chile.

Wein-Magazin: Herr Rothschild, wie kamen Sie auf die Idee, in Chile zu investieren, was hat Sie besonders gereizt?

Baron Éric de Rothschild: Wir wollten unser Know-how und unser Engagement im Ausland erweitern. Und die Wahl fiel auf Chile, da das Land einerseits für die Produktion guter Weine bekannt war und des Weiteren die Reblaus nie einen umfassenden Schaden an den Weinstöcken anrichten konnte. Außerdem explodierten damals bereits die Landpreise im Bordelais und die Möglichkeit, ein Weingut mit viel Potenzial und guter Qualität dort zu erwerben, war sehr gering.

Wein-Magazin: Warum gerade Los Vascos, wie kamen Sie darauf?

Baron Éric de Rothschild: Wir haben Studien an mehreren Weingütern durchgeführt, da die Kenntnisse über die verschiedenen Terroirs noch sehr unvollständig waren. Sehr schnell hat sich die Domaine Los Vascos von den anderen durch einzigartige Stärken hervorgehoben: ideale Sonneneinstrahlung, gute Wasserressourcen, trockene Böden sowie ein durch den Ozean gemäßigtes Klima. All dies sind günstige Faktoren für die Produktion herausragender Weine.

Wein-Magazin: Was fanden Sie damals vor?

Baron Éric de Rothschild: Los Vascos war eine sowohl weinbautechnische als auch menschliche Herausforderung. Die ersten Jahre dienten vorwiegend der Wiederinstandsetzung der Infrastuktur, der Ausbildung der Belegschaft sowie der Einfuhr neuer Technologien. Mit ersten Neuanpflanzungen wurde bereits 1992 begonnen, wobei die größten Pflanzungen zwischen 1996 und 2000 stattfanden und das Weingut sich stark vergrößerte.

Wein-Magazin: Wie war der chilenische Weinmarkt damals strukturiert?

Baron Éric de Rothschild: Die Produktion chilenischer Qualitätsweine war noch recht überschaubar und von einer kleinen Gruppe von Weingütern auf einem lokalen Markt geprägt. DBR fungierte als eine Art Pionier, und viele französische und ausländische Weingüter haben daraufhin in Chile investiert.

Wein-Magazin: Was mussten Sie tun, um Los Vascos zu entwickeln und nach vorne zu bringen?

Baron Éric de Rothschild: Um das Weingut und die Weine weithin bekannt zu machen, haben wir ein effizientes Distributionsnetzwerk in allen großen Verbraucherländern aufgebaut. Dieses Netzwerk umfasst heute mehr als fünfzig Absatzländer. Außerdem investieren wir regelmäßig in Kommunikation, um die Markenbekannheit von Los Vascos sowie den chilenischen Weinen im Allgemeinen auszubauen.

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Wein-Magazin: Welches Know-how musste transferiert werden?

Baron Éric de Rothschild: Das Know-how aus dem Bordeaux besteht zunächst aus einem profunden Wissen über die Sorte Cabernet Sauvignon sowie deren Interaktivität bei verschiedensten Bodenbeschaffenheiten. Gleichzeitig ist es die besondere Aufmerksamkeit für das ‚Terroir’ und die entsprechende Anpassung an die Rebstöcke. Die Liebe zum Detail, welche den Unterschied im Weinberg wie im Keller ausmacht. Der Neubau eines Weinkellers mit Edelstahltanks. Und schlussendlich die Kunst der Assemblage.
Das sind in erster Linie die Bestandteile, welche wir nach Los Vascos und mit den lokalen Gepflogenheiten in Verbindung gebracht haben.

Wein-Magazin: Sie waren mit Los Vascos sehr rasch erfolgreich, vor allen Dingen in Deutschland. Wie erklären Sie sich das?

Baron Éric de Rothschild: Auf dem deutschen Markt war die Partnerschaft mit HAWESKO strategisch entscheidend. Die regelmäßige und konstruktive Kommunikation sowie die zahlreichen Verkostungen, welche gemeinsam durchgeführt wurden, machten es möglich, Los Vascos zu einem Referenzprodukt für chilenische Weine aufzubauen.

Wein-Magazin: Haben sich andere chilenische Produzenten diesen Erfolg zum Vorbild genommen?

Baron Éric de Rothschild: Die Produktion von chilenischen Qualitätsweinen hat sich in den letzten 20 Jahren sehr gut entwickelt, und es sind hervorragende Weingüter entstanden, wie z. B. Montes, Casa Lapostolle, Veramonte … sowie einflussreiche Unternehmen wie Santa Rita, Concha y Toro und San Pedro.

Wein-Magazin: Chile liegt auf der anderen Seite der Erde. Wie funktioniert die Zusammenarbeit über eine derart große Distanz?

Baron Éric de Rothschild: Los Vascos ist eine eigenständige Einheit innerhalb der Gruppe DBR, und mit den bemerkenswerten Technologien von heute ist ein täglicher Austausch möglich. Die Verwaltung des Weingutes obliegt Christophe Salin, dem Geschäftsführer der Gruppe DBR, sowie Eric Kohler, dem technischen Leiter der Weingüter außerhalb Bordeaux, welcher regelmäßig vor Ort in Chile ist. Auch die Konzernleitung ist regelmäßig anwesend, wobei die Mitarbeiter auf dem Weingut selbst alle chilenischer Nationalität sind.

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Wein-Magazin: Einige Weingüter haben mittlerweile Super-Premium- oder High-End-Weine herausgebracht, die beinahe schon Kultstatus genießen. Wird Los Vascos darauf reagieren?

Baron Éric de Rothschild: Die Produktion von Super-Premium-Weinen in Chile ist neu, und das Wissen über Terroir und Rebsorten muss noch vertieft werden, dennoch hat sich die anfängliche Intuition des Potenzials von Los Vascos für die Produktion von Premium-Weinen bereits gezeigt. Heute, mehr als gestern, ist sich Los Vascos der Stärke seines Terroirs und den damit verbundenen Möglichkeiten bewusst.

Wein-Magazin: Erwarten wir nach gut 20 Jahren neue Weine, oder wird es beim derzeitigen Portfolio bleiben?

Baron Éric de Rothschild: Es gibt ständig neue Ideen, aber diese müssen auf ihre Markttauglichkeit geprüft werden. Nach einigen Jahren des Experimentierens konnten wir ein gutes Verständnis für das Potenzial anderer Sorten wie Carménère, Malbec oder Syrah gewinnen; folglich werden wir in Kürze der Produktpalette eine neue Sorte hinzufügen. Ich möchte dazu im Moment nicht mehr sagen, das alles folgt demnächst!

Wein-Magazin: Wie arbeiten Sie auf Los Vascos, welche Kellertechnik wird eingesetzt?

Baron Éric de Rothschild: Es handelt sich hierbei um einen traditionellen Ansatz: Die Trauben werden in kleinen Kisten gelesen, um eine erste Auswahl zu treffen, bevor diese in die Fässer kommen. Chardonnay und Sauvignon Blanc werden im Tank bei niedrigen Temperaturen vergoren, um die frischen Aromen zu erhalten, und werden bald nach Ende der Gärung in Flaschen abgefüllt.

Die Vinifikation des Cabernet Sauvignon erfolgt in Edelstahltanks unter strenger Temperaturkontrolle. In den Monaten Juli und August werden mehrere Verkostungen an den verschiedenen Tanks durchgeführt, um eine ideale Auswahl der besten Weine zu treffen. Die besten Weine reifen daraufhin in Barriquefässern für weitere 12 bis 16 Monaten, die übrigen werden in Edelstahlfässern ausgebaut.

Wein-Magazin: Streben Sie in der Stilistik der Weine von Los Vascos eher Bordeaux oder eher Chile an?

Baron Éric de Rothschild: Wir versuchen, so nahe wie möglich an der „Wahrheit“ des Terroirs zu bleiben, und unser Ziel ist es, die bestmöglichen chilenischen Weine zu produzieren. Dennoch prägen wir durch unsere Kultur und Methoden aus Bordeaux einen einzigartigen Stil, den Lafite-Stil!

Wein-Magazin: Die Stilistik von Los Vascos hat sich in all den Jahren immer wieder einmal ein wenig verändert, wo möchten Sie ihn heute und in Zukunft positioniert wissen?

Baron Éric de Rothschild: Die späten 90er und Anfang der 2000er Jahre waren eine Periode des Übergangs, die Trauben von neuen Rebstöcken zeigten jugendliche Kraft, welche durch die geeignete Vinifikation gezähmt werden musste. Mit zunehmenden Jahren haben sich die Cabernet-Sauvignon-Rebstöcke gemäßigt, und die Weinbautechniken haben sich zunehmend dem Verständnis des Terroirs angepasst.

Die späten 2000er Jahre markierten eine neue Etappe für Los Vascos: Neue Weinbauexperten, unter der Leitung von Eric Kohler, übernahmen die Führung, und die Rebstöcke, welche in den 90er Jahren angepflanzt wurden, erlangten die volle Reife.

Die Entscheidung, im Weinberg auf die Tröpfchenbewässerung zu setzen anstatt auf die traditionelle Bewässerung durch Flutung, zeigt erste deutliche Fortschritte in der Qualität und war doch undenkbar in der chilenischen Weinbautradition. Der organisatorische Ablauf der Weinlese konnte zudem optimiert werden. Dies erlaubt uns, die einzelnen Parzellen noch bedarfsgerechter zu ernten, und es ist ja entscheidend, die Trauben zum optimalen Reifezeitpunkt zu ernten. Auch die Anzahl der Rebsorten wurde um Carménère, Malbec und Syrah erweitert, welche den großen Weinen eine neue Beschaffenheit, mehr Ausgewogenheit und Komplexität verleihen werden.

Im Keller konnte aufgrund des höheren önologischen Potenzials der Trauben auf einen traditionellen Ausbau gesetzt werden: weicher, weniger Extraktion – die Teile des Puzzles fügen sich durch das Alter der Rebstöcke immer besser zusammen. Diese zurückhaltende Art der Vinifikation in der Tradition von Lafite, besonders im Jahrgang 2009 und 2010, erzeugt weiche und elegante Weine, mit einer feinen Frucht und tiefen Komplexität.

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Wein-Magazin: Arbeiten Sie auf Los Vascos in erster Linie mit chilenischen Weinmachern oder mit Ihren Fachleuten aus Bordeaux?

Baron Éric de Rothschild: Mit chilenischen Önologen, da das lokale Fachwissen im Vordergrund steht, wir hingegen verpflichten uns, das Know-how aus Bordeaux beizusteuern.

Wein-Magazin: Wie ist Los Vascos heute in Europa vertrieben?

Baron Éric de Rothschild: Der Vertrieb ist durch ein Netz exklusiver Importeure von Land zu Land gewährleistet.

Wein-Magazin: Auf welchen Märkten möchten Sie in Zukunft noch vertreten sein?

Baron Éric de Rothschild: Die traditionellen Märkte von Los Vascos sind die USA, Deutschland, die Schweiz und Japan. Danach wurde der Vertrieb auf alle großen Verbraucherländer ausgedehnt, und heute wird das Augenmerk hauptsächlich auf Asien, Osteuropa und Lateinamerika gelegt.

Wein-Magazin: Welche Probleme hatten Sie durch das Erdbeben und wie wurden diese gelöst?

Baron Éric de Rothschild: Los Vascos musste glücklicherweise nur Sachschäden verzeichnen und diese wurden in der Zwischenzeit alle wieder behoben. Es muss angemerkt werden, dass angesichts dieser Tragödie die Menschen in Chile große Charakterstärke bewiesen haben und sich unmittelbar an die Arbeit gemacht haben, die Schäden des Erdbebens zu beseitigen. Auf Los Vascos hat sich unser Team sofort mobilisiert, um die Aktivitäten des Weingutes wiederherzustellen, die Traubenlese vorzubereiten und an der Versorgung und Unterstützung der von dem Beben Geschädigten teilzunehmen.

Wein-Magazin: Haben Sie dadurch auch etwas auf Los Vascos verändert?

Baron Éric de Rothschild: Die einzige Maßnahme, die man angesichts solcher Katastrophen treffen kann, ist, so gut wie möglich vorausschauend zu handeln. Von jetzt an wird die Möglichkeit einer solchen Katastrophe bei allen Entscheidungen berücksichtigt.

Wein-Magazin: Welche Ziele wollen Sie mit Los Vascos in den nächsten Jahren erreichen?

Baron Éric de Rothschild: Zu den längerfristigen Zielen des Weingutes wünsche ich mir, dass der Pioniergeist fortbesteht, da die Suche nach Vorzüglichkeit viel Leidenschaft und Zeit voraussetzt. Es wurden bereits neue Parzellen mit einem guten Potenzial ausfindig gemacht, und das technische Team ebnet bereits heute durch Neupflanzungen den Weg für große Weine von morgen, um der Nachfrage des Marktes gerecht zu werden.

Wein-Magazin: Herr Rothschild, vielen Dank für das Interview.

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