Die am weitesten entfernte Weinanbauregion von Hamburg aus dürfte in Central Otago auf der Südinsel Neuseelands liegen. Obwohl Neuseeland so weit entfernt liegt, ist es dennoch kein exotisches Weinland. Die klassischen europäischen Sorten spielen hier die größte Rolle. Weltbekannt geworden ist das Land dabei mit einem ganz eigenen Sauvignon Blanc-Stil. Doch Neuseeland hat viel mehr zu bieten: fruchtbetonte Pinot Noirs, elegante Chardonnays und eigenständige Rieslinge und Grauburgunder. Die kommenden zwei Wochen stehen ganz im Zeichen dieses noch jungen Weinlandes und ich bin mir sicher, es stehen einige Entdeckungen an.

Weinbau im Land der Hobbits

Von allen Weinlandschaften, die ich in Neuseeland bereist habe, ist Central Otago sicher die spektakulärste. Und das auf hohem Niveau, denn alle Weinbaugebiete konkurrieren in herausragender Schönheit. Wenn man von Christchurch nach Queenstown tief im Süden fliegt und man hat gutes Wetter, dann fliegt man über die südlichen Alpen, über faszinierende Bergreliefs und Seenplatten und es wird einem direkt klar, weshalb diese Landschaft die Kulisse für den Herrn der Ringe abgegeben hat. Es würde kaum überraschen, wenn einem beim Wandern durch diese Landschaft plötzlich Fabelwesen entgegen treten würden.

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Die Kawarau Schlucht ist spektakulär. Hier wurden nicht nur Teile des Herrn der Ringe gedreht, hier wurde auch das Bungee-Jumping erfunden. Direkt oberhalb liegt der Weinberg der Chard Farm, im Hintergrund links im Bild. Foto Copyright: C. Raffelt

Was den Wein angeht, so gehört Central Otago mittlerweile zu den Pinot-Noir-Anbaugebieten, die auch weltweit eine hohe Reputation besitzen. Das hat eine ganze Reihe von Gründen, die hier zusammenspielen – und das knapp 2.000 Hektar kleine Gebiet zu einem faszinierenden Flecken Erde machen. Neben dem kühlen Klima, das für eine lange Reifezeit sorgt, sind es vor allem die Bodentypen, allen voran der Schiefer, der das Gebiet besonders macht.

Sechs Teilgebiete bilden zusammen das Anbaugebiet Central Otago, wobei diese von großen Unterschieden geprägt sind. So hat man in Gibbston bei Queenstown, der Hauptstadt der Region, im Durchschnitt 1921 Sonnenstunden bei 913mm Regen während das Alexandra Valley bei 2025 Stunden nur 360mm Niederschlag aufweist.

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Ganz unscheinbar liegt eines der berühmtesten Weingüter Neuseelands hier im Tal. Felton Road, das Grand-Cru-Weingut aus Bannockburn. Foto Copyright: C. Raffelt

Entsprechend unterschiedlich präsentieren sich die Weine, allen voran die Pinot Noir, die auf unterschiedlichen Böden auf verschiedenen Höhen wachsen und mit dem erwähnten differenten Klima zurechtkommen müssen. So präsentieren sich die Weine aus Gibbston klar und kühl mit erdigen Noten und prägnanter Säure während die Weine aus Bannockburn, wo es mit Felton Road eines der drei Grand-Cru-Güter Neuseelands gibt, deutlich dunkler, würziger und von der Frucht her wärmer daher kommen. Alexandria, weiter im Osten gelegen und wohl das älteste Weinbaugebiet der Gegend – ursprüngliche Pflanzungen werden auf 1864 datiert – bringt Schiefernoten in den Wein während es in Cromwell und Bendigo wieder ganz anders aussieht.

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Blick von Bendigo auf Lake Dunstan. Foto Copyright: C. Raffelt

Der Bereich Cromwell, Lowburn und Pisa liegt auf der westlichen Seite des Lake Dunstan und zieht sich in Terrassen an den Hügeln hoch bis unter die schneebedeckten Kappen der Pisa Mountains. Bendigo, an der Nordostseite des Sees gelegen wurde zunächst zu Zeiten des Goldrush in den 1860ern berühmt. Später wurde hier Quarz abgebaut denn die Weinlage liegt direkt auf Quarz, einem so genannten Quarz Reef, das einem der bekanntesten Weingüter der Gegend seinen Namen verliehen hat. Die Weine dieser Gegend sind höchst lebendig, in der Jugend vibirierend und sehr mineralisch. Aus den früh gelesenen Trauben keltert der in Österreich geborene Rudi Bauer, der Gründer von Quarz Reef, hervorragende Schaumweine.

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Wir fahren an einigen Relikten aus der Goldgräberzeit vorbei, bevor wir den von Quarz geprägten Bendigo-Weinberg erreichen. Foto Copyright: C. Raffelt

Weiter nordwestlich gelegen befindet sich das Gebiet Wanaka, ca. 80 Kilometer von Queenstown entfernt. Von Rippon, dem bekanntesten Weingut der Gegend, hat man einen herrlichen Blick über die Weinberge des Gutes hin zum Lake Wanaka. Dieser Blick gehört zu den meistfotografierten Motiven im neuseeländischen Weinbau.

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Der Blick von Rippon auf den See ist einfach fantastisch. Foto Copyright: C. Raffelt

So unterschiedlich sich die Weine der einzelnen Gegenden präsentieren, so gleichmäßig hoch ist die Qualität der Weine, wo neben Pinot auch Chardonnay und Riesling gefallen. Sauvignon Blanc hat hier auch jeder im Programm, eigentlich aber spielt er mit 45ha eine untergeordnete Rolle.

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Den schönsten Fass-Namen habe ich bei Rippon entdeckt. Foto Copyright: C. Raffelt

In Central Otago endet die Tour durch die Weinbaugebiete Neuseelands. Es geht von dort aus wieder zurück nach Wellington und über Los Angeles und London nach Hamburg. Dieser Besuch zwingt mich, irgendwann wieder zu kommen, denn dieses Land bietet unglaublich viel. Natürlich beeindruckt die Landschaft, und zwar an jedem Punkt, an dem man sich aufhält. Das Niveau der Weine ist hervorragend, weit über Sauvignon Blanc hinaus. Ich habe in Neuseelands viel besser gegessen, als ich es erwartet hätte und ähnlich wie bei uns gibt es mittlerweile einen Craft-Beer-Hype, der sich auf ähnlichem Qualitätsniveau einpendelt, wie es der Wein getan hat. Ich habe den Eindruck, dass die Neuseeländer das, was sie fasziniert und was sie anpacken auch richtig und konsequent machen. sie liegen zwar ziemlich abseits vom Schuss doch das merkt man zu keinem Zeitpunkt. Hinterwäldler wie die Hobbits, sind sie jedenfalls nicht. Sie sind ständig unterwegs, verbringen viel Zeit im Ausland, vor allem in Australien und England. Das führt zu einer Offenheit und Gastfreundschaft bei gleichzeitiger Professionalität, die mich wirklich beeindruckt hat. Bis zum nächsten Mal, Neuseeland!

Die Reise erfolgt auf Einladung von New Zealand Wines.
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Titelbild: Copyright: C. Raffelt

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