Miguel-Torres

Miguel A. Torres, Urenkel des Gründers, war 1962 in den Betrieb eingetreten. Nach seinem Weinbaustudium in Dijon veränderte er das Gesicht des Penedès durch die Anpflanzung von Rebsorten wie Chardonnay, Sauvignon Cabernet und Merlot nachhaltig. Hier entstand ein neuer Typ spanischen Weines, der weltweit für Furore sorgte.

Wein-Magazin: Herr Torres, Ihre Lebensgeschichte und Ihr Werk sind faszinierend, für viele Menschen sind Sie eine echte Inspiration. Was war die wichtigste Erfahrung, die Sie im Laufe Ihrer langen Karriere gemacht haben?

Miguel Torres: Das Wichtigste in meinem Leben war und ist, dass ich zusammen mit meiner Frau Waltraud unsere Kinder großziehen konnte. Wir sind jetzt seit über 40 Jahren verheiratet und die Entscheidung für diese Ehe war die beste Entscheidung, die ich je getroffen habe. Übrigens hat meine Frau, die aus Deutschland stammt, sehr viel für den Aufbau unserer Firma getan, insbesondere auf dem deutschen Markt. Das ist vielen Menschen gar nicht klar. Sie hat unser Geschäft in Deutschland ins Rollen gebracht und über viele Jahre geleitet – heute ist Deutschland einer unserer wichtigsten Märkte. Inzwischen ist meine Frau Präsidentin der Miguel Torres Foundation, die vor allem die Zusammenarbeit bei Sozialprojekten fördert, etwa beim Bau von Schulen oder Waisenhäusern. Aus beruflicher Sicht habe ich meine wichtigsten Erfahrungen gesammelt, als ich in den 1960er Jahren als Winzer angefangen und mit internationalen Rebsorten experimentiert habe. Nur so konnte es 1979 zu dem sehr besonderen Moment kommen, in dem mich jemand von Gault Millau anrief, um mir mitzuteilen, dass ein Wein aus unserer Einzellage Mas La Plana, Jahrgang 1970 und sortenrein aus Cabernet Sauvignon gekeltert, bei einer Blindprobe gewonnen hatte. Und zwar gegen einige der besten französischen Weine. Das war bei der berühmten „Weinolympiade“ vom Gault Millau. Natürlich ist mir auch die Tatsache wichtig, dass unsere Bodega laut weltweitem Top 50 Ranking der britischen Zeitschrift Drinks International nach wie vor die am meisten geschätzte Weinmarke Europas ist. Aber unseren heutigen Status als Weingut verdanken wir der außergewöhnlichen Leistung und dem großen Engagement unserer gesamten Familie und des gesamten Teams. Wenn ich auf die vergangenen dreißig Jahre zurückblicke, bin ich wirklich stolz, dass jeder Einzelne von ihnen unser Unternehmen als sein eigenes betrachtet und stets danach strebt, Herausragendes zu erreichen. Denn nur darum geht es.

Wein-Magazin: Wie bereits erwähnt, fühlen sich viele Menschen von Ihnen inspiriert. Wer oder was war für Sie eine Inspiration?

Miguel Torres: Meine Professoren während meines Studiums in Frankreich. Der Önologieprofessor Jacques Bergeret an der Universität von Bourgogne und Professor Boubals an der Universität von Montpellier, ein Weinbauspezialist. Er war es auch, der mich auf die Idee gebracht hat, mein Projekt zur Wiederbelebung „vergessener“ katalanischer Rebsorten zu starten. Wichtige Einflüsse waren auch Stephan Faris, der in seinem Buch Forecast über den Klimawandel geschrieben hat, und der UN-Sonderbeauftragte für Klimawandel Ricardo Lagos. Und natürlich Al Gore mit seinem berühmten Film Eine unbequeme Wahrheit. Nachdem ich diesen Film gesehen hatte, habe ich sofort ein Familien-Boardmeeting einberufen und wir haben beschlossen, einen noch stärkeren Fokus auf ökologische Aspekte zu setzen. Wir haben 10 Mio. Euro in unser Klimaschutzprogramm „Torres & Earth“ investiert. Damit finanzieren wir Projekte fürerneuerbare Energien, Optimierung der Wassernutzung, umwelteffizientenTransport, Reduzierung von Co2-Emissionen und entsprechende Anpassungsmaßnahmen in den Weinbergen. Wenn dieses faszinierende Thema Sie interessiert, schauen Sie sich bitte unsere Website dazu an. Unter http://www.torresearth.com finden Sie eine englischsprachige Version. Aber ich möchte hier auch meinen Vater erwähnen, der mich ebenfalls inspiriert hat, obwohl unser Verhältnis manchmal kompliziert war. Ich wollte die Geschäfte führen und er wollte das Ruder nicht aus der Hand geben. Im Rückblick bedaure ich sehr, dass ich im Umgang mit ihm nicht immer geduldig war.

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Wein-Magazin: Was würden Sie jungen Winzern empfehlen, die erst am Anfang ihres Berufslebens stehen? Worauf sollten sie sich konzentrieren und was sollten sie dabei beachten?

Miguel Torres: Ich würde ihnen denselben Rat geben, den ich auch meinen Kindern und allen in unserem Team gegeben habe: „Strebt immer Herausragendes an und ruht euch bloß nicht auf euren Lorbeeren aus. Und was den Wein angeht, bemüht euch immer um Authentizität. Setzt einen Fokus auf Weine von höchster Qualität, die die Persönlichkeit ihrer Region und ihres Weinbergs widerspiegeln.“ Diese Philosophie wenden wir beim Anbau und bei der Weinerzeugung in allen unseren Bodegas an, ob in Spanien, Chile oder Kalifornien. Über die Jahre begreift man, dass Wein den Menschen nur Positives schenkt: Er berührt unsere Sinne, löst Gefühle aus und sorgt dafür, dass wir das Leben ein kleines bisschen mehr genießen. Ich wüsste wirklich keine Arbeit, die lohnender sein könnte.

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Wein-Magazin: Welche der noch jungen Weinbauregionen in der Neuen Welt halten Sie für besonders florierend?

Miguel Torres: Das ist eine schwierige Frage, denn ich glaube, dass der Unterschied zwischen „Neuer“ und „Alter“ Welt im Sinne einzelner Länder im Laufe der Jahre kleiner geworden ist und dass es heute vielmehr um Weinstile geht. Das sehen Sie zum Beispiel in der sogenannten Neuen Welt in den USA, aber ganz besonders in Spanien, das zur „Alten“ Welt gehört, heute jedoch als eines der interessantesten Weinbauländer überhaupt gilt, weil man hier eine unglaubliche regionale Vielfalt hat und praktisch alles angeboten wird, von Weinen im Stil der Neuen Welt bis hin zu solchen im Stil der Alten Welt.Ich glaube, innerhalb der nächsten zehn Jahre wird etwas Ähnliches in Chile passieren: Chile hat längst gezeigt, dass es Weine mit einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis produzieren kann. Vielen Konsumenten ist aber noch immer nicht klar, dass das Land heute über ein immenses Potenzial für (Super)-Premium-Weine verfügt und über unglaublich vielversprechende Regionen. In einigen dieser Regionen, etwa Itata, gibt es großartige Weinbautraditionen und 100-jährige Weinberge sind dort keine Seltenheit. Das ist, als würde man die Vergangenheit neu entdecken. Vor Kurzem haben wir damit angefangen, einen Sekt und einen Rotwein aus País zu produzieren – der ursprünglichen Sorte, die vor 500 Jahren nach Chile kam. Es war toll, eine völlig unterschätzte Rebsorte wieder ins Spiel zu bringen. Und dank der „Fair Trade/Fair for Life“-Zertifizierung hat das außerdem vielen armen Weinbauern auf dem Land geholfen und hilft ihnen auch weiterhin. Ich bin fest davon überzeugt, dass Chile schon bald für ein paar sehr interessante Überraschungen sorgen wird.

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Wein-Magazin: Haben Sie eine Lieblingsrebsorte oder eine Lieblingscuvée? Vielleicht sogar von einem Weingut, das nicht zu Torres gehört?

Miguel Torres: Das ist natürlich eine schwierige Frage. Aber ich muss zugeben, dass ich eine Schwäche für die alten Mas La Plana Jahrgänge habe und für alle unseren alten Rebsorten, die wir zu neuem Leben erweckt haben. Wenn ich einen Wein wählen sollte, der nicht von Torres kommt, würde ich mich für einen von den Weingütern der Primum Familiae Vini entscheiden. Das ist ein Zusammenschluss von elf Winzerfamilien, die zu den renommiertesten ihrer jeweiligen Region gehören. Wir sind dort Mitglied seit der PFV-Gründung im Jahre 1991, zusammen mit Vega Sicilia, Egon Müller, Symington, Pol Roger, Perrin, Joseph Drouhin, Tenuta San Guido, Hugel, Antinori und Mouton Rothschild. Die machen alle wunderbare Weine.

Wein-Magazin: Wenn Sie nicht in Katalonien zu Hause wären, wo könnte es Ihnen dann gefallen?

Miguel Torres: Und welches Produkt außer Wein würden Sie gern herstellen oder welcher andere Beruf würde zu Ihnen passen? Höchstwahrscheinlich würden wir im Rheingau leben, denn da kommt meine Frau her. Sie hat immer zu mir gesagt, dass wir in Deutschland Wein machen sollten. Mein Beruf müsste mit der Erde zu tun haben, mit Landwirtschaft. Vielleicht hätte ich aber auch Schriftsteller sein können – ich schreibe sehr gern und vor vielen Jahren, als ich einige Bücher über Wein geschrieben habe, ging es mir auch sehr gut.

Wein-Magazin: Vielen Dank für das interessante Gespräch, Herr Torres!

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