Rebschnitt

Was im Weinberg und im Keller geschieht

Weinbau im Januar – Wenn man es ganz reduziert formuliert, dann ist der Wein ein Getränk, das entsteht, indem reife Trauben mit Hilfe von Hefen vergoren werden. Dabei wird der in den Trauben vorhandene Zucker in Alkohol umgewandelt. In den Trauben, Häuten und Kernen finden sich jedoch nicht nur Wasser und Zucker sondern eine große Menge weiterer unterschiedlicher Verbindungen, auf deren Entstehung jeder noch so kleine äußerliche Anlass Einfluss hat. Neben dem Boden, dem spezifischen Mikroklima, dem Wetter und der gewählten Rebsorte sind es vor allem die Arbeit des Winzers im Weinberg bis zur Lese und seine Eingriffe im Keller, die entscheiden, welche Art von Wein wir später trinken.

Diese Aufgaben und Möglichkeiten, die der Winzer hat, werden wir ab heute einmal monatlich erläutern. Dazu berichtet Anna Schwarz aus ihrem Winzerinnenalltag. Anna befindet sich in ihrer Ausbildung zur Technikerin für Weinbau und Oenologie und hat in den letzten Jahren schon viel praktische Erfahrung, gesammelt. Davon zeugen viele Stationen, wo sie selbstverantwortlich tätig war. Wir freuen uns, dass sie sich die Zeit nimmt, aus ihrem Alltag zu berichten.

Ein neues Jahr bricht an

Ein Jahr, in dem Sie vielleicht schon viel geplant haben und dem Sie mit Spannung gegenüber treten. Dem Winzer geht es nicht anders. Er hat für das neue Jahr schon Einiges organisiert doch der Verlauf des Wetters in den kommenden Monaten kann schnell alle Pläne des Winzers durchkreuzen. Was in jedem einzelnen Weinberg für Arbeiten durchgeführt werden, ist festgelegt, auch deshalb, weil durch die gezielte Abstimmung der durchzuführenden Maßnahmen Einfluss auf die zu entstehende Qualität genommen wird. Dafür bedarf es eines genauen Plans, den der Winzer im Winter erstellt. Dieser Plan umfasst die gesamte Arbeit vom ersten Rebschnitt bis zum möglichen Erntezeitpunkt. Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg, auf den wir uns als Winzer aber jedes Jahr aufs Neue freuen.

Im Januar geht es auf den meisten Weingütern etwas ruhiger zu, denn zu Beginn des Jahres liegt der Fokus im Weinberg. Hier dreht sich jetzt alles um den Rebschnitt. Mit ihm legen die Weingüter und ihre Teams jetzt den Grundstein für ein neues, aufregendes Jahr!

Rebschnitt

Allerdings darf man nicht zu früh mit dieser Maßnahme beginnen, da die Rebe möglicherweise noch „arbeitet“. Jetzt, im Januar jedoch ist die Rückverlagerung von Reservestoffen abgeschlossen, der ganze Saft hat sich in die Wurzeln zurückgezogen, weshalb man beruhigt mit dem Schneiden anfangen kann. Erst nach Abschluss dieses Prozesses ist die Rebe gestärkt und erlangt eine gute Widerstandskraft gegen drohende Winterfröste.

Der Rebschnitt ist eine besonders zeitintensive Arbeit, denn jeder einzelne Stock wird begutachtet und individuell bearbeitet – und das kann noch keine Maschine der Welt. Also heißt es für die Winzer: Rein in die warmen Schuhe, Mütze auf, Handschuhe, Schal, die dicke Jacke an und raus in die Kälte! Aber an den schönen Wintertagen, wenn die Sonne von oben den Schnee anlächelt und nur die rotbraun gefärbten Triebe der Reben einen Akzent in der sonst trostlosen Landschaft setzen, macht auch diese Arbeit Freude.

Je nach Tradition und Anbaugebiet gibt es für den Rebschnitt unterschiedliche Philosophien, wonach die Maßnahme durchgeführt wird. Im Prinzip funktioniert das Ganze aber so: Der auf dem Draht liegende Trieb, von dem die Fruchtruten des letzten Vegetationsjahres ausgehen, wird bis auf einen sich nahe des Stammkopfes befindenden Trieb abgeschnitten. Damit im nächsten Jahr der zu erwartende Ertrag schon jetzt eingestellt wird, kürzt der Winzer die verbleibende Rute etwas ein, sodass im weiteren Jahresverlauf sechs bis acht Augen austreiben. Wenn diese dann im frühen Sommer neue Triebe bilden, an denen Gescheine und später Trauben wachsen, ist der Ertrag des Winzers auch für 2015 so gut wie gesichert. Der Rebschnitt ist also nicht nur eine Art Formerhaltung der Rebe, sondern auch eine Qualitätsförderung und Ertragsregulierung.

Gehoelz
Rheinhessischer Wingert im Januar, alte Rebstöcke wurden bereits aufgeschichtet. Copyright: originalverkorkt.de

Früher nahm man an, dass durch das im Weinberg verbleibende, eventuell durch Pilzkrankheiten befallene alte Rebholz, die Weinberge bedroht würden. Deswegen wurden die Ruten damals aus den Rebzeilen hinaus getragen und verfeuert. Jetzt aber verbleibt das Schnittholz im Weinberg und dient dort als reichhaltiger organischer Dünger, der Böden und Reben mit dem für sie so wichtigen Stickstoff versorgt. Heutzutage bringen viele Forschungen wichtige Erkenntnisse und unterstützen die Winzer bei ihrer Arbeit mit der Natur. Dabei stehen im Vordergrund die Nachhaltigkeit, die mit ihrem ökologischen Umdenken eine neue Generation der Winzer prägt. Sie schätzen sowohl die natürlichen „Tricks“ der älteren Kollegen, aber gerade in Hinsicht auf Düngung oder den Pflanzenschutz arbeiten sie im Gegensatz zu den Alten nach der Devise: Weniger ist mehr.

Mit diesem Motto verläuft auf vielen Weingütern auch der Januar, in dem Zeit bleibt, die eigenen Kraftreserven für die kommenden Monate wieder neu zu füllen, den Fokus auf betriebswirtschaftliche Aspekte zu legen, etwas für das Marketing zu tun – denn auch diese Arbeit muss der Winzer, der seine Weine ja verkaufen will, parallel zur Arbeit im Weingut erledigen – oder einfach mal eine Woche Urlaub zu machen, denn dafür bleibt den Winzern im Laufe des Jahres nur wenig Zeit. Denn schon bald wird es spannend!

Titelbild: Rebschnitt. Copyright: Deutsches Wein Institut, www.deutscheweine.de

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