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Eine einzigartige Weinfamilie

Spricht man über das Haus Antinori, dann redet man von einer Weinfamilie, deren Geschichte durchsetzt ist mit Superlativen. Ihre Bedeutung für den italienischen Weinbau kann man gar nicht hoch genug einschätzen, doch auch international hat sich die Familie einen bemerkenswerten Ruf erworben. 600 Jahre alt ist die Weinbautradition der Antinori. Aber sie hat in den letzten Jahrzehnten unter Marchese Piero Antinori noch einmal eine ganz besondere Entwicklung genommen.

Die Anfänge im 14. Jahrhundert

Auch wenn der Stammbaum der Antinori noch hinter das 14. Jahrhundert zurückreicht, beginnt die Weinbaugeschichte der Familie 1385 mit Giovanni di Pietro Antinori, dem Sohn einer Florentiner Handelsfamilie. Florenz war damals durch eine lange Zeit kriegerischer Wirren und mehrerer Pestwellen gegangen, musste sich wieder konsolidieren und regenerieren. In Giovannis Lebenszeit fällt der Aufstieg der Familie der Medici, die der Stadt über Jahrhunderte hinweg Reichtum und Stabilität bringen sollte. Die künstlerischen und architektonischen Ergebnisse dieser Zeit sind bis heute in Florenz zu bewundern. Giovanni hat damals diesen Schritt zur rechten Zeit gewagt, und der Weinbau wird neben dem Seidenhandel und dem Bankhaus zur dritten Säule der Familiengeschäfte.

Von Niccolò bis zu Piero Antinori

Über die Jahrhunderte hinweg baut die Familie ihren Weinbau immer weiter aus. 1506 erwirbt Niccolò Antinori den Renaissancepalast an der heutigen Straßenecke Piazza degli Antinori und Via degli Antinori. 1753 gelangen die ersten Antinori-Flaschen nach Großbritannien, während man in der Toskana Stück für Stück Weinberge und kleine Landgüter erwirbt. Dazu gehören Paterno, Santa Maria, Poggio Niccolini und im Jahre 1850 der 47 Hektar große Weinberg Tignanello. 1863 gründen die Brüder Piero und Ludovico zusammen mit ihrem Schwager Guglielmo Guerrini die Fattorie dei Marchesi Antinori, in der die großen vier toskanischen Güter der Familie zusammengefasst werden. Wie innovativ die Antinori damals schon sind, zeigt ihr Blick über die Grenzen des neu gegründeten Italien hinaus. 1905 reisen sie in die Champagne und laden einen der Chefs de Cave, Lucien Charlemagne, ein, ihren ersten Schaumwein zu kreieren. So entsteht 1908 der Gran Spumante Antinori, der erste italienischen Schaumwein nach der Méthode traditionelle. Mit dem 1928 auf den Markt gebrachten Villa Antinori verändern die Antinori den Stil des Chianti. Der Wein, der heute die Bezeichnung Chianti Classico Riserva trägt, sollte ein lagerfähiger, komplexer Chianti sein, der sich über die Jahre hinweg im Keller weiterentwickeln kann. Dieser Stil war in der Toskana damals noch gänzlich unüblich, wurde aber direkt ein internationaler Erfolg.

Piero Antinori

Der 1938 geborene Piero übernimmt 1968 die Leitung des Unternehmens, das sein Vater Niccolò trotz des 2. Weltkrieges sehr erfolgreich ausgebaut hat. Dieser erwirbt das umbrische Castello della Sala und stellt 1961 den jungen Önologen Giacomo Tachis ein – ein Glücksgriff, wie sich noch herausstellen sollte. Doch das Jahr 1966 bringt einen herben Rückschlag. Der Arno tritt über die Ufer und ergießt sich in die Weinkeller der Antinori. Dabei wird nicht nur eine beträchtliche Menge Wein vernichtet. Zu spät bemerkt man, dass sich mit dem Hochwasser eine giftige Chemikalie in die Keller ergossen und große Mengen Wein vergiftet hat. Der Imageschaden, den das Haus erleidet, ist enorm. Für Niccolò ist dies der Zeitpunkt, an seinen Nachfolger Piero zu übergeben. Der tut das einzig Richtige: Er nutzt diese schwere Krise, um das Haus komplett zu erneuern. So werden neue Qualitätskontrollen eingeführt, der Anbau wird mit Hilfe des Bordelaiser Önologie-Professors Émile Peynaud revolutioniert, temperaturkontrollierte Stahltanks werden eingeführt und vieles mehr. Schauplatz der Veränderungen ist auch der damals noch weitgehend unbekannte Weinberg Tignanello, dessen besondere Lage mit kalkhaltigem Boden und kühlem Klima eine Schlüsselrolle bei der Erneuerung des Hauses Antinori zufallen sollte. Piero schaut sich damals sehr genau an, was sein Onkel Nicolò Incisa in Bolgheri unternommen hat. Bei ihm standen neben dem allerorts üblichen Sangivose einige Fremdlinge namens Merlot, Syrah und Cabernet. Piero ist begeistert von dem Wein, den sein Onkel Sassicaia getauft hat und der ein reiner, für die Toskana völlig unüblicher Bordeaux-Blend ist. Für seinen Tignanello greift Piero die Idee auf und so entsteht eine Cuvée aus Sangiovese mit Cabernet und Merlot, ausgebaut in kleinen Eichenfässern, etikettiert als Vino di Tavola. Dieser Wein, der 1975 zunächst Villa Antinori Tignanello heißt, wird zusammen mit dem Sassicaia als Super Tuscan bekannt und schlägt im internationalen Weinmarkt wie eine Bombe ein. Man übertreibt wohl nicht, wenn man den Erfolg dieser Weine zusammen mit der Qualitätsrevolution im Hause Antinori als Initialzündung für den jüngeren italienischen Weinbau bezeichnet. Der lag geradezu depressiv danieder. Schaut man sich renommierte Weinführer der 1970er Jahre an, taucht Italien dort als Weinland oft gar nicht auf – kaum vorstellbar heutzutage.

Die Antinori heute

Das unbedingte Qualitätsstreben ist dem Marchese bis heute ebenso eigen wie der Sinn für das Marketing und das Geschäft. Mit Giacomo Tachis, der dem Haus bis zu seinem Tod im Frühjahr 2016 verbunden gewesen ist, sowie mit Renzo Cotarella, der 1992 Tachis Nachfolge antritt, hat er die Speerspitze des modernen toskanischen Weinbaus etabliert. Als Geschäftsmann hat Piero zusammen mit seinen Töchtern Albiera, Allegra und Alessia das Haus der Marchesi Antinori zu einem Unternehmen mit 14 Weingütern in Italien und 20 weltweiten Joint Ventures gemacht. Hinzu kommen Restaurants und das neue ikonische Weingut San Casciano in Val di Pesa. Das 100-Millionen-Euro-Projekt ist sowohl architektonisch als auch weintechnisch wegweisend. Doch von zu viel Technik hält Albiera Antinori, die vor einigen Jahren das Tagesgeschäft von ihrem Vater übernommen hat, wenig. Für sie zählen weiterhin die Qualität der Rebe und das Terroir. Dass die Antinori den Boden und die Rebe bei allem Erfolg nie aus den Augen verloren haben, ist der große Verdienst dieser besonderen, ja einzigartigen Weinfamilie.

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