Weinmythen: Dichtung & Wahrheit

Vieles, was über Wein und den Umgang damit im Umlauf ist, stimmt natürlich. Aber manche „Mythen“ halten sich hartnäckig, obwohl sie nur zum Teil oder gar nicht stimmen. Zum Beispiel:

„Wein muss atmen“

Der Kontakt mit Sauerstoff ist für manche Weine richtig und gut. Und zwar für kräftige, noch junge, „verschlossene“ (zumeist Rot-)Weine. Diese sollte man vor dem Genuss in einen Dekanter geben und ihnen ein wenig Zeit lassen. Für die Mehrzahl der Weine aber gilt: Beim „Dekantieren“ verflüchtigen sich die Aromen viel zu schnell, sie verlieren eher an Vitalität und Frische als von der Luft zu profitieren.

Wein muss nicht immer dekantiert werden

„Verschnitt heißt minderwertig“

Ob ein Wein rebsortenrein oder als Cuvée erzeugt wird, sagt nichts über seine Qualität aus. Viele der berühmtesten Weine der Welt sind Cuvées: Fast alle Champagner, alle Bordeaux-Weine, Chiantis und viele, viele mehr sind Cuvées aus mehreren Rebsorten!

„Roter Wein zu Käse“

Wenn es schmeckt – natürlich! Eine so generelle Aussage ist jedoch viel zu pauschal. Zu Käsen passen oft Weißweine besser: Zu fettreichem Käse wie Camembert passt ein frischer leichter Weißwein, zu aromatischen Käsen bietet ein süßer, bukettreicher Wein oft einen spannenden Kontrast. Zu Bergkäsen passt ein Chardonnay aus dem Jura oder ein Wein aus dem Wallis. Richtig gut zu Rotwein passt eigentlich nur gut gereifter Hartkäse wie Parmesan oder Chester.

Entgegen den gängigen Klischees ein gutes Paar: Weißwein und Käse

„Rotwein wird bei Zimmertemperatur serviert“

Gegenfrage: Hat jedes Zimmer die gleiche Temperatur? Diese Regel stammt aus einer Zeit, als die Zimmertemperatur nur höchst selten 20 Grad erreichte. Generell sollten jüngere, leichte Rotweine kühler, bei 14 bis 16 Grad, und komplexe, gereifte Rotweine bei etwas höherer Temperatur wie 16 bis 18 Grad genossen werden. Bei Temperaturen darüber tritt der Alkohol meist viel zu stark in den Vordergrund! Und Weißwein, Rosé und Sparklings  am besten kühlschrankkalt..

„Je älter desto besser“

Nur der kleinste Teil aller Weine, die auf den Markt kommen, wird mit dem Alter besser. Es sind in Barriques ausgebaute Rotweine mit viel Tanninen oder Weißweine mit hohem Extrakt oder mit Restsüße. Die meisten Weine werden jedoch trinkreif angeboten und schmecken frisch am besten.

Nicht alle Weine sind dazu gedacht lange gelagert zu werden

„Je teurer desto besser“

Ein klares Jein! Natürlich spiegelt der Preis eines Weines dessen Wert und damit auch dessen Güte wieder. Aber wenn Sie sich auf die Suche machen, werden Sie eine Menge großartiger Weine entdecken, die gar nicht teuer sind. Außerdem: Nicht zu jedem Anlass passt ein konzentrierter, extraktreicher und komplexer Spitzenwein. Zu einer einfachen Pasta, zum Spargel oder als Aperitif passen oft die „kleinen“,  leichten und frischen Weine viel besser. Und manchmal möchte man ja auch mit seinen Freunden einen fröhlichen, lockeren Abend verbringen. Da braucht es keinen Wein, zu dem ein Sternemenü passen würde.