Ein Gastbeitrag von Daniel Bayer

Der Grüne Veltliner ist das vinophile Aushängeschild Österreichs und damit die mit Abstand wichtigste Rebsorte. Renommierte Sommeliers und Weinkritiker auf der ganzen Welt schätzen die Weißweinsorte besonders wegen ihres enormen Reife- und Lagerungspotenzials. Seine Bandbreite reicht vom fröhlichen Zechwein bis hin zum großen Lagenwein, der internationale Bestnoten erreicht. Er ist wahnsinnig vielseitig und kann auf ganz unterschiedliche Art und Weise ausgebaut und interpretiert werden. Das macht die facettenreiche Rebsorte unglaublich spannend und interessant.

Wie ist die Rebsorte entstanden?

Lasst uns zunächst einen kurzen Blick in die Vergangenheit werfen. Die Ursprünge der Sorte lassen sich in Niederösterreich bis Mitte des 16. Jahrhunderts zurückverfolgen, wo sie aus einer Kreuzung zwischen Traminer und St. Georgen hervor ging. Von der Sorte Traminer hast du bestimmt schon einmal gehört, von St. Georgen wohl eher nicht. St. Georgen ist eine uralte und relativ unbekannte Rebsorte, welche nach ihrem Auffindungsort am Leithagebirge unweit des Neusiedler Sees benannt wurde. Trotz des ähnlichen Namens ist der Grüne Veltliner aber nicht mit dem Roten- oder Frühroten Veltliner verwandt.

Wo wird der Grüne Veltliner angebaut?

Wie auch wir Menschen hat es die Sorte gerne etwas wärmer und ist für kühlere Standorte, etwa im nördlichen Europa weniger geeignet. Sehr gute Ergebnisse erbringt die Rebe auf den kargen Urgesteinsterrassen der Wachau oder auf den Lössböden im nördlichen Weinviertel, im Kamp- und Kremstal und dem Wagram. Allerdings erzielen auch Winzer in Tschechien, Ungarn und Slowenien interessante Ergebnisse mit dem Anbau der Rebsorte. Sogar Erzeuger aus Australien und Neuseeland sind neugierig geworden und beginnen damit zu experimentieren. Je nach Standort entwickelt der Grüne Veltliner einen anderen aromatischen Ausdruck. In diesem Kontext sprechen Experten von Terroir. Das Zusammenspiel aus Säure, Alkohol und Restzucker wird maßgeblich vom Klima und Boden beeinflusst und spiegelt dieses und weitere Einflüsse als Ausdruck seiner Herkunft in den Weinen wider. So können erfahrene Weinkenner nur durch den Geschmack und Geruch Rückschlüsse auf die jeweilige Weinbauregion ziehen, was für die authentische und charakterstarke Ausdruckskraft der Rebsorte spricht.

Der Grüner Veltliner gedeiht in Atemberaubender Landschaft

Ich persönlich bin ein großer Fan der Grünen Veltliner aus der Weinbauregion Wachau. Inmitten einer wunderschönen und paradiesisch anmutenden Natur herrscht ein vorbildliches und nachhaltiges Qualitätsdenken. Zur Orientierungshilfe unterteilen die Winzer ihre trockenen Weißweine in drei verschiedene Gewichtsklassen gemäß ihres natürlichen Alkoholgehalts. Diese drei Klassen wurden von der Vinea Wachau ins Leben gerufen und tragen den Namen Steinfeder, Federspiel und Smaragd. Wer einmal in den Genuss eines gereiften Grünen Veltliner Smaragd gekommen ist, weiß was möglich ist und welche Spitzenqualität die Sorte erreichen kann. Nur die besten und wertvollsten Weine der Wachau dürfen die Bezeichnung Smaragd tragen. Grundvoraussetzung dafür sind: Höchste Traubenreife, mindestens 12,5 Vol.-% Alkohol und beste Lagen. So entstehen inmitten des  UNESCO-Weltkultur- und -Naturerbes Weine von absolutem Weltklasse-Format.

Wie schmeckt der Grüne Veltliner?

Unabhängig davon stellt sich aber die Frage: „Wie schmeckt Grüner Veltliner?“ In der Jugend präsentiert sich der Veltliner ähnlich dem Riesling mit Fruchtaromen wie Apfel, Birne, Pfirsich und Zitrusnoten, gepaart mit einer frischen Säure und Mineralität. Der größte Unterschied und ein absolutes Alleinstellungsmerkmal für den Grünen Veltliner ist aber das berühmte „Pfefferl“. Eine dezente Pfefferwürze, die eine der typischsten Aromakomponenten der Sorte ist. Ein echtes USP, das die Rebsorte so besonders macht. Gereifte Weine entwickeln oft Noten von Honig, reifem Apfel, exotischen Früchten und Feuerstein.

Zu welchen Speisen passt die Sorte besonders gut?

Klassiker der österreichischen Küche: Das Backhendl

In Österreich wird Genuss nicht nur in allen Regionen angeboten, sondern auch bewusst gelebt. Jedes Bundesland hat seine eigenen Spezialitäten und präsentiert stolz einzigartige kulinarische Köstlichkeiten. Sowohl top bewertete Restaurants, als auch gemütliche Buschenschenken und urige Heurige bieten allerlei Delikatessen an. Du musst nicht weit fahren, um in Österreich kulinarisch verwöhnt zu werden. Die Dichte an hochwertigen und regionaltypischen Gaststätten, die auf Qualität setzen ist enorm. Ganz gleich ob du einige Tage am Neusiedler See im Burgenland bist um die Seele baumeln zu lassen oder ob du in den schneebedeckten Bergen Tirols die Pisten hinabjagst. Überall werden hochwertige Weine und leckere Speisen angeboten, die perfekt miteinander harmonieren.

Eine zünftige Brettljause und ein Glas Grüner Veltliner sind ein perfektes Paar

Auch der Grüne Veltliner passt hervorragend in diese ausgeprägte Genusskultur. Je nach Weinstil passt er zu verschiedenen Speisen. Ein fruchtig, leichter Grüner Veltliner passt hervorragend zu leichten Vorspeisen oder verschiedenen Spargelgerichten. Ein nuancenreicher und charakterstärkerer Grüner Veltliner wie etwa ein Federspiel aus der Wachau oder ein Grüner Veltliner der Ortsweinstufe sind vielseitig einsetzbar. Diese Weine offenbaren in der Regel einen vielschichtigen Duft mit klaren Fruchtnoten nach grünem Apfel oder Marille. Am Gaumen erfrischen sie feingliedrig und elegant mit einer lebendigen Säure und einer dezenten Pfefferwürze. Dazu passen klassische Wiener Spezialitäten wie das Wiener Schnitzel oder das Backhendl mit einem gemischten Salat. Natürlich kannst du auch Fisch zu diesen mittelgewichtigen Weinen essen. Eine besondere Empfehlung ist der Steckerlfisch, eine Spezialität aus Oberösterreich.
Smaragd Weine oder Weine der DAC Reserve Kategorie, die einen volleren Körper mitbringen, können auch reichhaltigere Speisen mit cremigen Saucen begleiten. Diese Grünen Veltliner passen zu den unterschiedlichsten Gerichten. Reisgerichte mit weißem Fleisch, gebratener Fisch, Tafelspitz oder Geflügel. Alles kann, nichts muss. Die Einsatzmöglichkeiten sind vielseitig und setzen der Kreativität keine Grenzen.

Auch zu Süßspeisen kann der Grüne Veltliner eine gute Figur machen

Selbst Nachspeisen können durch die passende Weinbegleitung auf ein völlig neues Genusslevel angehoben werden. Eine Trockenbeerenauslese beispielsweise kann alleine schon unglaublichen Genuss bereiten. Meist verfügen sie über eine cremige Struktur, Noten von Limette, Zitrone, rauchig unterlegten Honignuancen oder gar Bratapfel. Hierbei lohnt es sich besonders die Flaschen in den Keller zu legen und ein paar Jahre zu warten. Diese edlen Tropfen profitieren enorm von einer gewissen Flaschenreife und bieten höchsten Weingenuss. Eines meiner absoluten Lieblingsdesserts in Österreich ist beispielsweise der Wachauer Marillenknödel, welcher hervorragend zu den hiesigen edelsüßen Weinen passt. Aber auch Kaiserschmarren, Apfelstrudel oder Topfenknödel sind mit der passenden Weinbegleitung ein absoluter Hochgenuss.