Ridge_Montebello

Tag 9 – Nach San José und weiter Richtung Süden

Rund zwei Stunden fahre ich morgens von Lodi aus um die San-Francisco-Bay herum bis nach San José. Oberhalb des Ortsteils Cupertino, wo die Zentrale von Apple Computer steht, liegt das Weingut Ridge an der Monte-Bello-Road.

Ridge Vineyards

Wie oft habe ich schon das Judgement of Paris erwähnt? Ich muss es noch einmal aufgreifen, denn es ist für den kalifornischen Weinbau so wichtig wie kein anderes Ereignis (außer vielleicht der Prohibition vor rund hundert Jahren – im negativen Sinne). Da hat ein englischer Weinhändler in Paris die besten Verkoster des Landes eingeladen und ihnen blind kalifornische und beste französische Chardonnays und Cabernet-Cuvées eingeschenkt. Es waren Grand Crus aus dem Burgund dabei, Château Haut-Brion und Mouton-Rothschild aus besten Jahren. Und doch wurden sie in dieser Verkostung von einem Chardonnay von Château Montelena und einem Cabernet von Stag’s Leap geschlagen. Das, was eigentlich eine vergnügliche Veranstaltung sein sollte, wurde zu einem Ereignis von großer Tragweite. Viele französische Winzer und Journalisten verweigerten dem englischen Weinhändler Steven Spurrier ab dem Tag weiteren Kontakt, Frankreich war schockiert und in Kalifornien begann der wirkliche Weinboom. Ein Wein, der damals schon mit dabei war, war der 1971er Monte Bello von Ridge. Der hat zwar 1967 nicht gewonnen, wohl aber das Tasting, das im Gedenken an das Judgement of Paris 2006 wiederholt wurde. Da kamen beidseits des Atlantiks noch einmal versierte Verkoster zusammen, um zu schauen, was die Weine dreißig Jahre später bieten würden. Den kalifornischen Gewächsen ist immer vorgeworfen worden, sie wären zu vordergründig und würden nicht lange reifen. Doch 2006 zeigte sich ein anderes Bild. Der 1971er Ridge gewann vor dem Sieger von 1976, dem 1973er Stag’s Leap und drei weiteren Kaliforniern, bevor auf Platz sechs der 1970er Mouton auftauchte.

Ridge_Collection_Plakat

Wie wichtig das Ereignis selbst für ein so berühmtes und hochdekoriertes Weingut wie Ridge ist, zeigt sich daran, dass das Plakat sehr präsent im Verkostungsraum hängt. Das Team rund um den mittlerweile legendären Weinmacher Paul Draper ist weltberühmt für seine Cabernets, Chardonnay und Zinfandel-Cuvées. Sie entstehen auf dem Monte Bello Ridge, in Santa Clara County und in den Santa Cruz Mountains. Die Weine sind hervorragend und haben – wie beschrieben – ein exzellentes Alterungspotenzial. Mindestens so wunderbar wie die Weine aber ist der morgendliche Ausblick über die Täler, in denen noch der Morgennebel haftet. Perfekt ist es, wenn beides zusammenkommt und so habe ich die Weine mit Chief Winemaker Eric Baugher und dem Verantwortlichen für die Weinberge, David Gates einfach mal draußen probiert.

Ridge_Montebello_View

Bonny Doon

Es geht einmal die Hügel hinab nach Santa Cruz, wo ich einen der bekanntesten und ungewöhnlichsten Weinmacher Amerikas treffe. Sein Name: Randall Grahm, sein Weingut: Bonny Doon. Der Mann ist ein Pionier, eine faszinierende, offenherzige Persönlichkeit und ein einzigartiger Weinmacher. Man sieht schon an den Etiketten der Weine und dem ganzen Web-Auftritt, dass bei Grahm etwas Besonderes passiert.

Bonny_Doon_Etiketten

Er hat sich nie um Konventionen geschert, hat Mosel-Rieslinge auch schon mit kalifornischen zu einer Cuvée zusammen gebracht oder völlig ungewöhnliche Sorten angepflanzt. Er gehörte zu den ersten, die im teils heißen kalifornischen Klima auf französische Rebsorten von der Rhône gesetzt haben. Er hat also Viognier, Marsanne und Rousanne, vor allem aber Grenache, Syrah und Mourvèdre angebaut. Heute nennen sich diese Winzer Rhône-Ranger und Grahm ist ihr wichtigster Fürsprecher. So war dann auch das erste, was Grahm von mir wollte, verschiedenen Grenache-Tanks zu probieren um ihm meine Meinung mitzuteilen. Grahm hat sich immer mehr aufs Terroir verlegt oder, wie er es nennt, auf „wine of place“. Er macht also Weine, die ihre Herkunft deutlich in sich tragen und das kann man tatsächlich schmecken.

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