Miguel Torres Maczassek – oft einfach Miguel Torres Junior gennant – der seinem Vater und Großvater nicht nur namentlich folgt, tritt in der 5. Generation das mächtige Erbe der Familia Torres an. Gemeinsam mit seiner Schwester Mireia schmiedet er große Pläne für die Zukunft eines der größten Weinerzeugers der Welt. Um mehr über ihn und seine Ambitionen zu erfahren, haben wir Miguel Torres Junior zum Interview eingeladen.

Was ist Ihre erste mit Wein verbundene Erinnerung?

Mein Großvater nahm mich mit zu einem Spaziergang durch den Weingarten während der Erntezeit und ließ mich gerade fermentierten Wein direkt aus den Fäßern probieren. Natürlich sollte ich den Wein wieder ausspucken, aber diese wunderschöne Mischung aus Aromen werde ich wohl nie vergessen; ich war da gerade mal 12 Jahre alt!

Ich komme aus Vilafranca des Penedés, der Hauptstadt der Weinregion “Penedés” und dem Ort, an dem ich aufgewachsen und zur Schule ging, bevor ich an die Universität wechselte. Ich bin ein Teil der 5. Generation der Familie Torres. Wir sind ein familiengeführtes Weingut, gegründet 1870, obwohl die Familiengeschichte bis ins 16. Jahrhundert reicht. Ich wuchs im Grunde auf dem “Mas La Plana”-Anwesen auf, da mein Elternhaus in der Mitte des 29 Hektar großen Weingutes steht.

Was ist Ihre Philosophie als Winzer?

Wenn ich an Wein denke, stelle ich mir ein gutes Buch vor, in welchem der Wein uns die Geschichte des Ortes, seiner Landschaft, seiner Menschen und seines Bodens erzählt. Ein Weinmacher ist wie ein Schriftsteller, jemand, der die Geschichte übermittelt und als Stimme des Weingutes fungiert.

Wenn wir einen großartigen Wein schmecken, haben wir das Gefühl, er brächte uns an diesen Ort. Dies ist der Wein, der zu uns spricht. Die wichtigste Arbeit, die wir als Familie und als Team haben, ist diese speziellen Orte, wo einzigartige Weine geboren werden, zu bewahren. Hierfür benötigt man ein traditionsreiches Weingut in Familienbesitz, welches es uns erlaubt, eher langfristig als kurzfristig zu handeln: Denn großartige Weine benötigen tiefes Verständnis des Weingutes und Bodens und dies braucht Zeit – da gibt es keine Abkürzungen.

Die Familie Torres auf ihrem Weingut in Spanien.

Was macht Ihnen an der Arbeit mit Wein die größte Freude?

Es gibt wirklich nichts belohnenderes als mit einem Produkt zu arbeiten, welches aus der Natur kommt und Menschen zu sehen, wie sie ihr Leben an einem Tisch mit gutem Essen und gutem Wein genießen. Ich lebe in einem Bauernhaus in Pendés, umgeben von Weingärten nahe der Kellerei und unseres Besucherzentrums. Oft gehe ich dort mit meiner Frau und unseren 3 Kindern spazieren oder fahre Fahrrad und sehe dort Menschen unser Essen und unseren Wein genießen. Wir haben unser eigenes Restaurant, namens El Celleret – das zu sehen, macht mich sehr glücklich.

Was war Ihr bisher größter Erfolgserlebnis mit dem Weingut Torres?

Die Tatsache, dass wir noch immer ein Weingut im Familienbesitz führen. Dieses Jahr (Anmerkung der Redaktion: 2020) feiern wir unser 150-jähriges Jubiläum – mittlerweile haben es 5 Generationen immer wieder geschafft, etwas Neues zu dem bestehenden Teil hinzuzufügen und dabei immer versucht, dass sich Tradition und Innovation in der Waage halten. Jamie und Miguel Torres haben das Unternehmen 1870 gegründet, die 2. Generation – Juan Torres – begann dann mit der Brandy-Produktion. Mein Großvater Miguel Torres Carbó war der erste, der Wein in dieser Region abfüllte und wurde dadurch eine Schlüsselfigur im Eröffnen neuer Märkte für unseren Wein.

Die Generation meines Vaters hob die Qualität unserer Weine auf ein neues Level: zum Beispiel begann er, einzelne kleine Weingüter wie Mas La Plana, Reserva Real oder Grans Muralles zu gründen. Als er nach Chile und Kalifornien expandierte, initiierte er das Projekt “verlorener” katalanischer Trauben-Varietäten. Meine Generation möchte einen noch größeren Fokus auf die Weine von einzelnen und eigenständigen Weingütern, für welche wir eine große Leidenschaft haben, legen – sowie auf die Regeneration antiker Varietäten und den Klimawandel. Es wird sich zeigen, was wir erreichen werden, wir haben ja noch immer viele Jahre vor uns und so einige Projekte im Kopf. Es wäre schön, wenn später die 6. Generation zurückschauen würde und stolz wäre auf unsere Weine, aber auch darauf, was wir gegen den Klimawandel getan haben.

In diesem Sinne glaube ich, dass ein neuer Weg, Wein zu verstehen, essentiell ist, um dem Klimawandel zu begegnen und dass wir über Nachhaltigkeit hinausgehen sollten. Mit dieser Idee in meinem Kopf – neben dem Regenerieren antiker Traubenvarietäten – haben wir Messungen unternommen, um unseren Co2-Fußabdruck um 30 % zu verringern. Dies erreichten wir ein Jahr vor dem gesetzten Zeitplan 2019 durch unser “Torres and Earth Program” und dessen neues Ziel es ist, im Jahr 2050 klimapositiv zu werden, während wir zur gleichen Zeit in organischen Weinanbau und -produktion investieren.

In Katalonien zum Beispiel, haben wir schon mehr als 850ha (von 1800) von der CCPAE organisch zertifizieren lassen, während in Chile und Kalifornien alle unsere Weine bereits zertifiziert sind. Den Rest in Spanien zertifizieren wir Stück für Stück, aber in der Realität arbeiten wir dort auch schon organisch und vermeiden komplett die Benutzung von synthetisch-chemischen Behandlungen und ersetzen diese durch  biologische Alternativen.

Der Blick auf die Weinberge der Familia Torres.

Womit sollen Weintrinker den Namen Torres verbinden?

Torres ist mehr als eine Marke; es ist unser Familienname. Es ist ein Traum, der vor 150 Jahren in den Penedés, nahe Barcelona, begann. Einer der wichtigsten Werte ist unser Glaube an die Authentizität, und dass das Wichtigste am Wein, in der Flasche zu finden ist. Daher versuchen wir, in Qualität und Weinernte perfekt zu sein, indem wir auf die perfekte Balance zwischen Finesse, Eleganz, Alterungspotenzial und Authentizität achten.

Als Familie sind wir sehr eingebunden in alle Entscheidungen, von der Beschaffung von Land bis hin zu kommerziellen Aspekten. Jeden Dienstag- wenn wir nicht reisen- treffen sich mein Vater, meine Schwester, unsere Winemaker und ich, um jedes einzelne Los der neuen Weine zu schmecken und zu entscheiden, welche davon so gut ist, um sie in Flaschen zu füllen. Einige sagen, dies sei der „altmodische Weg“, aber wir mögen es so und was noch viel wichtiger ist, viele Weinliebhaber und Weinprofis auf der ganzen Welt schätzen dies. Das Leben meiner Familie ist der Wein.

Das Weingut der Familia Torres – Ein Paradies für Auge und Gaumen

Gibt es eine Anekdote aus Ihrem Winzerleben, die sie gerne erzählen?

Eine wäre sicherlich die, über das Sprudelprojekt Estelado in Chile. Dieser Schaumwein war mit der Idee geboren, der antiken Rebsorte Pais neues Leben einzuhauchen. Pais-Weine sind die ältesten aus Chile und die ersten, die dort vor 500 Jahren ankamen. Jedoch muss man wissen, das Pais-Trauben nicht so prestigeträchtig sind und die Preise in den Märkten sehr niedrig waren. Dieser Umstand machte es unmöglich, von Pais zu leben. Also entschieden wir uns für eine traditionelle Methode des Rosé Schaumweins. Hierfür zertifizierten wir alle Produktionen als Fair Trade.

Wir zahlen manchmal 3-mal so viel für die Trauben wie der normale Markt. Eines Tages ging ich aus, um einen kleinen Pais-Produzenten zu besuchen. Dieser wird von 3 Schwestern, die bereits über 70 Jahre alt sind, geführt. Ich präsentierte ihnen unser Estelado Projekt – erklärte, dass eines unserer Motive für das Projekt war, Bauern wie ihnen, zu helfen. Jedoch weigerten sich die Damen, uns ihre Trauben zu verkaufen, obwohl wir ihnen den 3-fachen Preis boten. Später hörte ich, dass sie es einfach nicht glauben konnten, dass jemand ihnen einen wirklich fairen Preis für ihre Trauben bietet.

Heute sind sie sehr glücklich mit der Kooperation, sie verkaufen uns ihre Trauben und die Ergebnisse waren fantastisch! Estelado wurde einige Male für den besten Schaumwein aus Chile von den „Annual Wines of Chile Awards“ ausgezeichnet, wodurch die drei Damen nun ein besseres Leben führen können.

Gibt es einen Wein der Familie Torres, der Ihnen besonders am Herzen liegt?

Da sind eigentlich 2: Der erste ist unser relativ neuer “Mas de la Rosa” aus dem Priorat, von einem unserer Weingüter in einem der verstecktesten und schönsten Täler im Priorat, gepflanzt mit 80 Jahre alten Carinena und Garnacha Rebstücken in Gobelet an jedem steilen Schieferhang. Mit minimaler Intervention – vergleichsweise kurzer Mazeration, wenig Extraktion und der Benutzung von 500 Liter Fässern – hielten wir Ausschau nach der puren Expression dieses einzigartigen, historischen Gebiets im Priorat. Es ist einer der eindrucksvollsten Plätze im Priorat, ein geschützter, abgelegener Weingarten, welcher sich vor einem öffnet wie ein Amphitheater. Ich liebe es dort zu sein, auf einem Stein zu sitzen und die Schönheit und Stille zu genießen. Es ist unser exklusivster Wein und ein neuer Meilenstein in unserer 150-jährigen Geschichte.

Der andere Wein – “Purgatori” von der “Costers del Segre Appellation” – ist auch ein sehr persönliches Projekt, welches ich begann, als ich aus Chile zurückkam. Dort hatte ich 3 Jahre als Geschäftsführer unserer chilenischen Weingüter verbracht. Zurück in Spanien besuchte ich all unsere Weingüter in Katalonien in der Erntezeit. Während meines Aufenthaltes in unserem Láranyo Weingut, wurden mir auf einmal 2 Dinge klar: Das erste wusste ich schon von vorigen Besuchen des Weinguts, und zwar, dass diese Region sehr, sehr trocken ist, sehr warm am Tag und sehr kalt in der Nacht, daher auch ideal, um Garancha und Carinena von herausragender Qualität anzubauen. Das zweite was mir auffiel, war das sehr alte Symbol, welches in Stein über einer der Türen eingeritzt war. Es war das Symbol der berühmten Kapelle von Montserrat, die sich direkt bei Barcelona befindet. Die Abtei hatte diesen fernen, abgelegenen und rauen Platz ausgesucht, um eine Farm aufzubauen. Mönche und Lehnsbrüder, welche nicht gänzlich die Regeln der Kapelle befolgt hatten, wurden dorthin gesandt. “Purgatori” war das Gut der “Ausgestoßenen”, aber sie entdeckten schnell, dass diese Landschaft perfekt war, um Wein anzubauen. Wir merkten dies auch und daher wollte ich dieses Vermächtnis der Benediktiner Mönche, die in dieser rauen Umgebung schon vor fast 250 Jahren Wein machten, wieder zum Leben erwecken.

2017 Purgatori – Costers del SegreAppellation

Gibt es einen anderen Winzer den Sie besonders schätzen?

Eigentlich einige: Alle unsere Freunde von den Weinfamilien des PFV (Primum Familiae Vini), ein Verein von 12 Weinfamilien, unter ihnen einige der prestigeträchtigsten Weinproduzenten Europas. All diese Familien denken gleich und standen uns schon viele Male mit Rat und Tat zur Seite. Die Mitglieder sind Egon Müller, Symington, Pol Roger, Perrin, Joseph Drouhin, Tenuta San Guido, Hugel, Antinori, Moutron Rothschild, Domaine Clarence Dillon, Vega Sicilia und die Familie Torres.

Haben Sie für das Weingut eine Vision für die kommenden Jahre?

Zusammengefasst: „Feiere das Leben, kümmere dich um die Erde und führe unser Vermächtnis weiter“. Ich denke, wir erleben gerade einen sehr besonderen und sehr positiven Moment in unserer Familie – mit der neuen Energie der 5. Generation und der Erfahrung der 4. Soweit läuft es nicht schlecht, denke ich. Immerhin wurden wir 10 Jahre in Folge zur “meist bewunderten Weinmarke der Welt” gekürt. Etwas, worauf ich sehr stolz bin. Diese Liste ist von „ Drinks International“ und basiert auf einer Umfrage von mehr als 200 Profis innerhalb der Weinbranche aus 48 Ländern.

Aber wie zuvor bereits erwähnt, wollen meine Schwester Mireia und ich einen größeren Fokus auf einzelne Weingüter und einzelne Weine legen, welche die Landschaft jeder Weinregion ausdrücken, die wir so leidenschaftlich lieben. Dies hat uns dazu veranlasst, uns unsere eigenen Besitztümer in anderen Regionen in Katalonien wie das Priorat und Costers del Segre anzulegen, aber hat uns auch zu anderen, neuen Projekten in Rioja, Ribera del Duero, Rueda und Rias Baixas geführt.

Mireia Torres steht erfolgreich an der Seite ihres Bruders.

Während meiner Zeit in Chile arbeiteten wir an der Regeneration von Pais und Carignan, einige tolle, vergessene Rebsorten, welche in Chile schon vor sehr langer Zeit angebaut wurden. Und wir expandieren diesen Wiederaufbau von antiken katalonischen und spanischen Traubensorten. Dieses Projekt wurde wirklich zu einem existentiellen Projekt, denn die antiken Sorten sind fast die einzigen, welche wir heute noch pflanzen. Einige von ihnen zeigen großes Potential, ausgeglichenen Wein zu erzeugen, sogar unter dem Druck des Klimawandels, welcher wohl die wichtigste Herausforderung in der Geschichte der Weinkultur darstellt.

Leider ist der Klimawandel ein Fakt. Und wenn nicht sofort Maßnahmen ergriffen werden, wird die Welt, und besonders die Weinkultur, große Probleme und Veränderungen spüren. Natürlich sollte jedes Unternehmen ein Dekarbonisierungsprogramm besitzen ( wir haben unser “Torres and Earth Program”, wie bereits erwähnt), doch ich denke, der Schlüssel für die Zukunft ist es, zusammen zu arbeiten. Daher haben Jackson Family Wines und Familia Torres zu Beginn letzten Jahres eine neue Initiative gestartet. Diese nennt sich “International Wineries for Climate Action” (www.iwcawine.org) und soll die Zusammenarbeit zwischen Produzenten bezüglich des Klimawandels einfacher gestalten. Die Idee dahinter ist, dass IWCA ein Initiator für andere Weingüter wird, um mitzumachen und mehr zu machen oder um die Umsetzung von Kohlenstoff-Emissions-Reduktions-Programmen zu starten. Jeder muss seine Perspektive verändern.

Miguel Torres Junior führt das Familienunternehmen in die Zukunft.

Gibt es einen Traum, den Sie als Winzer noch verwirklichen möchten?

Es ist ein Traum, mit dem ich schon begonnen habe, aber es könnte gut sein, dass erst die nächste Generation die Resultate sieht. In diesem sogenannten „Els Tossals Project“ haben wir über Jahre einige kleine Flecken Land nahe des Dorfes Porrera in der Priorat erwerben können und nun haben wir ca. 20 Hektar. Diese kleinen Besitztümer galten als Niemandsland und sind zu finden auf über 750 Metern über dem Meeresspiegel.

2018 bepflanzten wir 0,3 Hektar mit Carinena, Garancha, Garró und Picapoll Gobelet-geschulten Weinen, um zu studieren, wie diese sich an die Höhe und die Konditionen anpassen und ob sie unvorhersehbaren Wetterereignissen trotzen. Anfang diesen Jahres, pflanzten wir einen ganzen Hektar auf diesem neuen Gut, welches das höchstgelegene Weingut im Priorat ist. Es besitzt Licorella (Schiefernerde), daher ist es als langfristiges Projekt ins Leben gerufen worden, um besser mit dem Klimawandel umgehen zu können. In anderen Worten: Das ist wirklich ein Projekt für die 6. Generation.

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